Faces in the Crowd (Filmkritik)

Anna (Milla Jovovich) lebt ein sorgenfreies Leben. In ihrem Job als Lehrerin ist sie eine der Besten, mit ihren Freundinnen macht sie regelmäßig Edelbars unsicher und zu Hause wartet eine teure Wohnung inklusive ihrem erfolgreichen Freund Bryce (Michael Shanks) auf sie. Als sie jedoch nach einer durchfeierten Nacht auf dem Heimweg Zeuge eines Mordes wird und nach dem anschließenden Kampf mit dem Täter selbst nur knapp mit ihrem Leben davonkommt, ändert sich ihr Leben schlagartig.

Durch eine Kopfverletzung leidet sie an der sogenannten „Gesichtsblindheit“, das heißt sie kann Gesichter nicht in ihrem Gedächtnis speichern bzw. wiedererkennen. Sogar ihr Vater wird für sie auf diese Weise zu einer fremden Person. Während der Killer weitermordet kann Anna dem Polizisten Kerrest (Julian McMahon) in keiner Weise helfen da – obwohl sie bei der Tat sein Gesicht gesehen hat -sie ja nicht mal erkennen würde, wenn der Täter direkt neben ihr stehen würde. Wie kann Anna den Mörder stoppen, der ihre hilflose Situation kennt und sich so ohne Risiko entdeckt zu werden, immer wieder an öffentlichen Orten in ihre unmittelbare Nähe begibt?

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Zuerst mal zu den Fakten. Den Zustand der Prosopagnosie (englisch: Face-Blindness) alias Gesichtsblindheit gibt es wirklich. Im Jahre 1947 von einem deutschen Neurologen erstmals als Krankheitsbild beschrieben, können Menschen nach schweren Gehirnverletzungen an verschiedenen Formen dieser seltenen Krankheit leiden. Neuere Untersuchungen sollen aber ergeben haben, dass oft unerkannt oder falsch diagnostiziert, ungefähr sogar 2,5 Prozent der Weltbevölkerung von dieser Behinderung betroffen sind.

Über Milla Jovovich (The Three Musketeers) muss ich eigentlich ja nicht mehr viel sagen, da sie sowieso jeder Filmfreund kennt. Als Actionheldin in den Resident Evil-Filmen ist sie ja unschlagbar, wer ihre kleineren Filme kennt weiß aber auch, dass ihre emotionale Bandbreite und somit ihre Schauspielkunst an sich nicht gerade klein ist. Ich persönlich weiß ja auch ihre Audiokommentare auf einigen DVD´s ihrer Filme sehr zu schätzen. Selten machen diese soviel Spaß wie bei ihr, vor allem ihre kindlich verspielte Art Spaß auszustrahlen, machen sie dabei zu einer grundsympathischen Person.

Meistens in Kinofilmen unterwegs, ist Faces in the Crowd für Jovovich zur Abwechslung doch wieder mal eine DVD Premiere, bei der sie auch als Produzentin agierte und so gut wie der einzige Star ist. Einzig Julian MacMahon (R.E.D.) kennt man aus seinen Serien Profiler, Charmed und vor allem Nip/Tuck und Michael Shanks wird wohl der Welt für immer als Dr. Daniel Jackson aus Stargate in Erinnerung bleiben.

Regisseur Julien Magnat konnte in seinem erst zweiten Film (der erste: „Bloody Mallory“, ist bereits neun Jahre alt) also mit einem unverbrauchten Grundthema und einer starken Hauptdarstellerin arbeiten, doch was hat er daraus gemacht? Nun, obwohl dies sicherlich kein schlechter Film ist, siegt hier die Routine und die teilweise zu langsame Erzählweise. Thriller gibt es ja wie Sand am Meer und so ist klar, dass man die Sache mit der Gesichtsblindheit voll ausschlachten muss, um irgendwie das Gefühl von Eigenständigkeit vermitteln zu können. Leider ist bei manchen Szenen schnell klar, dass Anna sich hier umsonst fürchtet. Ein Mann verfolgt sie in der U-Bahn? „Das ist sicherlich nicht der Killer, sondern jemand der sie kennt und nur mit ihr reden möchte“ denkt man sich da als Zuschauer und genau so ist es dann auch.

Die Veränderungen der Gesichter und die damit verbundene paranoide Stimmung kommt aber doch ziemlich überzeugend daher, vor allem auch durch das Tolle Spiel von Jovovich. Sogar leicht abgründige Momente kommen vor, etwa wenn Annas Freundinnen die Vorteile ihres Zustandes sehen: sie kann jede Nacht mit einem anderen Typen im Bett sein und muss dafür nicht einmal ihren Freund betrügen. In der darauffolgenden Liebesszene schließt Anna solange die Augen, bis sie ein Geischt vor sich hat, dass ihr gefällt. Nett war auch Anna dabei zu beobachten, wie sie mit Hilfe ihrer Therapeutin lernt, Menschen auf Grund ihrer spezifischen Merkmale zu erkennen. Gerade in der heutigen ultraschnellen Gesellschaft, schaut ja keiner mehr so genau hin, dafür bleibt einfach keine Zeit. Anna muss aber diese Zeit haben, sonst ist sie verloren und damit steht sie gar nicht so alleine da, wie man denken könnte.

Ansonsten bleibt die Spannung bis zum Schluss zwar erhalten, es wäre aber eindeutig mehr mögich gewesen. Die sich anbahnende Liebesgeschichte der Hauptfiguren fand ich zu klischeehaft, der klare Psychoschwerpunkt der Story (die Darstellung grausamer Morde war dem Regisseur hier nämlich wirklich nicht wichtig) hätte drastischer oder einfach nur „mutiger“ ausfallen sollen, Jovovich zeigt ansatzweise wahnsinnige Züge, doch bleibt sie leider meistens doch nur das verängstigte und hysterische Opfer.

Insgesamt also ein leicht überdurchschnittlicher Krimi mit einer überragenden Hauptdarstellerin, der die neue Idee der Geischtsblindheit mit einem wohl bekannten Genre einigermaßen effektiv verbindet. Für Jovovich Fans ein klarer Pflichtfilm, für Thrillerfans ein netter Zwischendurchfilm und für mich ein Gesamtprodukt, das schon so in Ordnung ist, das ich aber als Ganzes gerne noch lieber gehabt hätte, als ich es am Ende tat.

Faces in the Crowd bekommt von mir 6/10 gesichtslose Empfehlungspunkte.


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