Best Of Worst Case: Earth vs The Spider (Filmkritik)

Quentin (Devon Gummersall) ist ein Träumer. Und ein Comic-Fan. Sein größter Held ist „The Arachnid Avenger“, der durch eine Mutation halb zur Spinne wird und mit seinen Superkräften Menschen rettet. Quentin selbst ist Sicherheitsbeauftragter in einem Labor, das Biowaffen für das Militär herstellt, kann aber nicht mal seine hübsche, nette Nachbarin Stephanie (Amelia Heinle) vor den Halbstarken auf der Straße beschützen. Als eines Tages das Labor überfallen und Quentins Partner erschossen wird, spritzt er sich eine an Spinnen getestete Substanz, in der Hoffnung zu einem Superhelden zu werden. Und zuerst scheinen seine Träume auch wahr zu werden. Mit seinen übermenschlichen Kräften rettet er Stephanie vor einem Mörder, aber nun ist Det. Insp. Jack Grillo (Dan Akroyd) auf seiner Spur. Quentin fühlt sich zwar als Held, hat aber übersehen, dass Spinnen auch negative Seiten haben. Zum Beispiel sind sie immerzu hungrig nach lebendigem Fleisch …

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(Quentin bewundert seinen Helden “Arachnid Avenger”.)

„Earth vs The Spider“ ist ein Creature-Feature-Film, also ist die Erwartungshaltung für den geneigten Fan natürlich hoch: Blut, Sex und Monster. Allerdings trifft das hier nicht wirklich zu und trotzdem (oder deswegen) ist es ein richtig sehenswertes kleines Filmchen, mit ein paar Mankos, geworden.

Vor allem in der ersten Hälfte des Films richtig offensichtlich, ist der Mangel an Budget. Das Labor wirkt keine Sekunde lang wie ein Labor, sondern wie ein x-beliebiger Gang in einem x-beliebigen Haus, in welches man rasch ein paar Geräte gestellt hat, damit man es Labor nennen kann. Umso erstaunlicher, dass die Make-Up und Puppeneffekte später sogar richtig gut aussehen. Wenn schon sparen, dann am richtigen Ort, scheint die Devise zu sein.

Und „Earth vs The Spider“ macht noch einiges mehr richtig: Die Geschichte rund um Quentin ist das Gegenbeispiel zu unserem allseits beliebtem „Spiderman“ Peter Parker. Zwar wird Peter von einer „radioaktiven“ Spinne gebissen und Quentin spritzt sich das Serum mehr oder weniger freiwillig (wenn man einen Nervenzusammenbruch freier Wille nennen will), aber die Nachbarin, die man aus der Ferne bewundert, aber leider nicht erreicht, weil man der Loser ist. Der Mörder, den man stoppt und ein paar andere Dinge zeigen deutliche Parallelen zu der beliebten Spinne aus der Nachbarschaft.

Nur ist „Earth vs The Spider“ eines vor allem: Dreckig. Quentin wohnt in einer düsteren, kalten, dreckigen Wohnung in einer dreckigen Gegend. Er hat eine große Liebe – seinen Hund. Und eine große Leidenschaft: The Arachnid Avenger. Die Not, die Quentin dazu führt, sich das Serum zu injizieren ist nachvollziehbar, spürbar, der psychische Druck, unter dem er sich befindet wird vom Film sehr gut dargestellt: Entweder Quentin macht das jetzt oder er dreht durch. Der letzte Strohhalm, der irgendwie Rettung verspricht. Und man versteht als Zuseher sehr gut, warum er es tut. Sicher, es gibt schlimmere Schicksale als das seine, aber der Leidensdruck, dem er sich ausgesetzt fühlt ist zu viel für den armen jungen Mann und dann plötzlich die Erlösung – das Spinnen-Superkraft-Serum.

Wie der bereits erwähnte Peter wacht Quentin auf und bemerkt, dass er plötzlich stark ist. Außerdem hängt er von der Decke, weil aus seinem Körper ein Spinnennetz geschossen ist und ihn aus dem Bett gehoben hat. Und auch da merkt man bereits den Unterschied zur Hollywood-Version: Peter schießt aus seinen Armgelenken. Wobei man niemals wirklich sieht, woher dieses Spinnenzeug kommt. Ist euch Peter Parker schon mal eklig vorgekommen? Nein? Mir auch nicht. Quentin hat ein komisches Loch in der Brust, das ein wenig entzündet aussieht und daraus schießt er Spinnennetze hervor. Das ist … eklig. Wirklich eklig. Und seine „Einstichstelle“ entzündet sich, schwarze Linien breiten sich seinen Arm entlang am Körper aus und was andere für eine Tätowierung halten bekommt auch irgendwann plötzlich Haare.

Das Quentins erster „richtiger“ Versuch als Superheld Menschen zu helfen gehörig schief geht ist wohl auch klar. Der Kerl, den er erledigt, ist kein Gauner, sondern der Freund des Mädchens, die eben gerade gestritten haben. Dazu kommt, dass Quentin immer mehr Hunger bekommt, weil er totes Fleisch nicht mehr verdauen kann und als das Mädchen dann noch aufschreit, wegläuft, die Polizei einschreitet und Quentin sich zur Wehr setzt taucht dann doch die Frage auf, ob ein Superheld sich von Polizisten ernähren sollte …

Ab der Hälfte des Films wird klar in welche Richtung es weiterlaufen wird und als Zuseher ahnt und weiß man bereits, was passieren wird, was bis zu einem gewissen grad die Spannung mindert. Wobei das Wort „Spannung“ in Bezug auf „Earth vs The Spider“ sowieso falsch ist. Wirklich spannend ist der Film nie. Eher interessant. Die Ideen sind interessant. Die Entwicklung von Quentin ist interessant. Die ganze Geschichte wirkt am Ende wie eine Mischung aus „Spiderman“ und „Die Fliege“ (mit Jeff Goldblum), tendiert aber auf jeden Fall mehr in Richtung von letzterem.

Wer sich also nackte Tatsache, Bluträusche oder rasche Action erwartet, der oder die ist hier falsch. Viel eher sehen wir dabei zu, wie ein netter junger Mann mit guten Absichten das falsche macht und den Punkt der möglichen Umkehr relativ rasch hinter sich lässt.

Okay, das Ende ist vorhersehbar, Dan Akroyd (ja, DER Dan Akroyd) ist verschenkt und Schauspiel ist das auch nicht wirklich, aber als Gegenentwurf zum hochglanzpolierten „Spiderman“ ist „Earth vs The Spider“ zu einhundert Prozent geglückt. Und selbst das man „The Spider“ nur in den letzten zehn Minuten „richtig“ zu Gesicht bekommt passt ins Konzept. Zumal das Ding auch noch verdammt gut aussieht. Also, eigentlich sieht es eklig aus. Aber dabei super. Ach, verdammt, ihr wisst, was ich meine.

Der Film bekommt von mir -7,5 von -10 möglichen, mutierten und nur mit besten Absichten versehene Punkte.


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