Best Of Worst Case: Big Ass Spider! (Filmkritik)

Alex Mathis (Greg Grundberg) denkt wie eine Spinne, er bewegt sich wie eine Spinne, er fühlt wie eine Spinne … aber er ist keine Spinne, er ist ein Kammerjäger. Er jagt Spinnen. Möglicherweise wäre er auch kein Single mehr, wenn er seine Aufreißredem nicht mit immer mit seinem Beruf in Kontext bringen würde. Oder weniger große Reden schwingen.

Das ändert sich, als er zufällig im Krankenhaus landet und dort ein Patient eingeliefert wird, der im falschen Krankehaus gelandet ist. Denn es handelt sich dabei um ein Opfer eines DNA-Prototypen und dieser Prototyp ist eine Spinne. Ahnungslos bietet Alex (nicht ganz uneigennützig) seine Hilfe an. Dabei wird er vom Sicherheitswachmann Jose (Lombardo Boyar) unterstützt.

Dann taucht da Militär auf und zwei Dinge passieren: Alex wirft ein Auge auf Lieutenant Karly (Clare Kramer) und die Spinne entkommt. Und wächst. Und frisst. Und wächst.

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Bereits der erste Trailer für „Big Ass Spider“ machte Lust auf mehr. Regisseur Mike Mendez stellte den Trailer persönlich vor und leitete ihn mit den Worten „And if you download my movie I will find you – and kill you.“ ein. Allerdings mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Genau dieses Grinsen hat er in den Film hinübergerettet bzw. aus dem Film mitgenommen, denn „Big Ass Spider“ ist ein Film, bei welchem den Machern von Anfang an klar war, was für eine Art Film sie machen. Das Tolle daran ist, dass sie es auch geschafft haben.

Allein der die ersten fünf Minuten des Films (Zeitlupenaufnahmen, einem Katastrophenfilm nicht unähnlich, super Kamerabilder, geniale Musik („Where Is My Mind“) dazu) machen schon mehr richtig als die ersten fünfzehn diverser Blockbuster. Mike Mendez weiß auf jeden Fall was er tut – apropos Mike Mendez: Der letzte Film, den ich von ihm gesehen habe ist aus dem Jahr 1996. Einer der abartigsten Filme (bezogen auf die Charaktere, die darin vorkommen), die ich je gesehen habe. Pervers, abartig, brutal – und doch irgendwie unterhaltsam (auf eine sehr abartige Art und Weise, das kann ich gar nicht oft genug betonen). Danach kamen ein paar weitere Filme (zB die Dokumentation „Masters Of Horror“) und in den letzten Jahren primär Jobs als Editor für andere, bevor er, vom kurzen Zwischenausflug „Gravedancers (2006) abgesehen, mit „Big Ass Spider“ dieses Jahr in den Regiestuhl zurückgekehrt ist – und der nächste Film (klingt auch sehr trashig) liegt schon in der Pipeline: „Don’t Kill It“.

Der Film bringt genau das, was der Titel verspricht: Eine Spinne, die riesengroß wird und Los Angeles wie der gute, alte King Kong zerlegt. Dass der Film funktioniert hat für mich ein paar Gründe:

Allem voran die Regie von Mike Mendez, der genau weiß, was die Fans wollen und die Kamera immer so einsetzt, wie die Geschichte es verlangt – das gibt es schon ein paar Szenen, die tatsächlich als Horrorfilmszenen funktionieren. Kameraposition, Belichtung, Musik – da passt alles zusammen. Nur um kurz darauf durch eine dumme Aktion von Alex oder Jose wieder witzig zu werden, ohne dadurch die Spannung zu brechen. Je länger der Film dauert, desto klarer geht der Film in Richtung Übertreibung und Satire. So gibt es einen „Spinne springt über eine Autobarriere“-Shot, der „Free Willy“-zitiert und – glaubt mir – so eine Aufnahme habt ihr noch nie gesehen (Die Sprunganimation ist super!).

Der zweite Grund für das gute Funktionieren sind die beiden Hauptdarsteller namens Greg Grundberg (primär aus Serien bekannt) und Lombardo Boyar (ebenfalls primär Serien), die sich die Pointen zuspielen. Grundberg spielt den verknallten Kammerjäger absolut sympathisch und charmant mit der richtigen Mischung aus Selbstüberschätzung und Liebenswürdigkeit. Boyar ist eine super Ergänzung, der als leicht trottelig sprechender, aber meist als einziger den Durchblick habender, Wachmann, super dazu passt. Das Team ist tatsächlich perfekt besetzt. Da können Clare Kramer (die ansonsten primär ein Produzent von TV-Serien ist: Film Pigs, Take Five oder Tweet Out) als Love-Interest und Ray Wise (unsterblich seit „Twin Peaks“) als Armymajor zwar ganz gut mithalten, aber die Zügel haben auf jeden Fall die beiden zuerst Genannten in der Hand.

Drehbuchautor Gregory Gieras hat auch das Drehbuch zu „Centipede!“ aka „Blood Cave“ geschrieben, bei dem er auch Regie geführt hat. „Big Ass Spider“ ist allein vom Drehbuch her bereits ein großer Schritt nach vor und ich bin sehr dankbar, dass er nicht selbst die Regie übernommen hat, dann obwohl „Centipede!“ ein paar gute Momente hatte, war das ja nicht unbedingt der große Bringer.

„Big Ass Spider“ bekommt von mir glatte 8 von 10 möglichen, das Monster zelebrierende, satirisch behandelnde und dennoch respektierende, Punkte

Best Of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: 3):
Ein Film für Monsterfans, die witzige Dialoge gut finden, nicht viel Gore brauchen, ein paar Horrorelemente mögen und eine vorhersehbare Handlung genießen können, wenn sie nur unterhaltsam und witzig inszeniert ist.

Fazit: Fast zu gut gemacht, um als „Trash“ bezeichnet zu werden, aber alleine vom Storyansatz her dennoch klar ein Trashfilm, bei welchem die Macher ihre Liebe zum Monsterfilme ausleben können.

Big Ass Spider! [Blu-ray]


von Mike Mendez [Splendid Film/WVG]
Preis: EUR 7,61

Big Ass Spider!


von Erik Olson [Splendid Film/WVG]
Preis: EUR 4,97


2 Gedanken zu „Best Of Worst Case: Big Ass Spider! (Filmkritik)

  1. Ach ja, der war ganz nett. ich muss sagen im Rahmen des Fantasy Filmfestes machen solche Filme Spaß, da ist man dann auch in der richtigen Laune dafür und sitzt mit lauter Menschen, die wirklich auf sowas stehen, zusammen im Kino, entsprechend stimmt dann auch die Partystimmung. Hätte ich ihn mir zuhause auf DVD angeschaut, wäre ich vermutlich alles andere als begeistert gewesen, da gibt’s einfach bessere Trash-Monster-Filme.

    • Ja? Bessere? Cool – nenn mir drei! (ich brauche neues Futter).
      Bis dato bin ich von BIG ASS SPIDER immer noch sehr positiv überrascht, vor allem auch, weil es einfach so viele nette Seitenhiebe auf andere Filme des Genres gibt und die ganze Zeit über klar ist, dass der Film einfach Spaß machen will.

      Und – ich weiß, ich wiederhole mich – alleine schon die ersten paar Minuten sind audiovisuell absolut super gemacht.

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