The Silencing (Filmkritik)

Früher war Rayburn (Nikolaj Coster-Waldau) ein begeisterter Jäger. Doch diese Tage sind lange vorbei und nun überwacht er ein von ihm gegründetes und nach seiner Tochter benanntes Waldstück, in dem Tiere vor Abschüssen geschützt werden. Seine Tochter ist mittlerweile seit fünf Jahren spurlos verschwunden, doch er weigert sich noch immer standhaft, sie für tot zu erklären und erstickt seine Sorgen in Alkohol.

Sheriff Alice Gustafson (Annabelle Wallis) hat inzwischen ganz andere Probleme, denn ganz aktuell wurde ein junges Mädchen im Wald gefunden, dass offensichtlich von einem bisher unbekannten Täter gejagt wurde. Als Rayburn auf seinen auf den Bäumen installierten Kameras einen Jäger plus ein vor ihm flüchtendes Mädchen sieht, packt er sich sein Gewehr und macht sich auf die Suche nach ihm. Ein Katz und Maus Spiel beginnt, bei dem erst noch entschieden wird, wer oder was hier nun genau die Beute ist.

Regisseur Robin Pront (The Ardennes) hatte bei dieser kanadisch-amerikanischen Ko-Produktion offensichtlich zwei Ziele, die er auch erreicht hat. Eine atmosphärisch dichte Spannung zu erzeugen innerhalb der die wichtigsten Figuren die Grenzen zwischen richtig und falsch sehr individuell auslegen, man dabei ihr Handeln immer versteht, doch nicht durchgehend nachvollziehen kann. Und nein, damit meine ich nicht den Killer, dessen Motiv ich plump und einfach viel zu seicht finde.

Was dafür sehr stimmig ist, ist der Mix der Hauptfiguren und ihre emotionalen Lasten, die sie mit sich tragen müssen. Da hast du einerseits den fanatischen Jäger, der sein Leben völlig geändert hat für seine Tochter, jedoch damals wie heute seine Probleme mit Alkohol löst. Dass sie ihm sozusagen vor der Nase weggeschnappt aka entführt wurde, macht seinen Hang zur Selbstzerstörung nicht gerade geringer. Auf der anderen Seite ist die erfolgreiche Dame, sie ist Sheriff mit politischen Ambitionen, eine der Guten eben.

Wäre da nicht ihr Bruder, um den sie sich nach dem Tod der Eltern nicht gekümmert hat, der von seinen Zieheltern gefangen gehalten und gequält wurde und jetzt als Erwachsener, ständig Probleme hat/macht. Wer hat da die Verantwortung um es wieder hin zu biegen? Richtig, sie. Und wer macht dass dann auch, wegen dem schlechten Gewissen, was ihm als Kind widerfahren ist? Richtig, wieder sie. Kollidieren ihr Beschützer-Instinkt dann mit Rayburns Suche nach der Wahrheit über seine Tochter? Natürlich tun sie das und daraus entsteht einer der überraschendsten Momente überhaupt.

Interessant sind dabei vor allem die Momente, in denen Rayburn sich auf seine alten Fähigkeiten verlassen muss und alleine (bzw. mit einem Schützling) im Wald versucht zu überleben. Die Gnadenlosigkeit eines lautlosen Killers, wird dabei in seiner Wirkung effektiv ausgeschöpft, ohne sich mit diesem Szenario zu lange aufzuhalten. Im Kern bleibt dies aber immer einem Mischung aus einem Drama mit dem Hauptthema Schuld und dem Krimi rund um die Suche nach dem Mörder der Mädchen.

Dabei kann man die Nebenhandlung mit Sheriff Alice und ihrem Bruder durchaus auch als unnötig empfinden, doch mir hat das schon gefallen, weil die Leute so noch kaputter gewirkt haben und irgendwie mehr Tiefe erreicht haben. Aber wie gesagt, der Weg dorthin ist spannend, die Auflösung (also genau gesagt die Erklärung warum) ist lächerlich und das Finale moralisch fragwürdig, doch wenn man die Figuren bis dahin begleitet hat, auch sehr stimmig.

Nikolaj Coster-Waldau (Gods of Egypt) tragt den Film über weite Strecken alleine und wie er dieses Phänomen spielt, wo unter seiner grantigen Alkoholismus-Fassade immer wieder seine früheren, positiven Charaktermerkmale aufblitzen, da ist man einfach auf seiner Seite und wünscht ihm mehr Frieden in seinem Leben. Annabelle Wallis (Come and Find Me) spielt um einiges unterkühlter und müsste man sich zwischen den beiden entscheiden, wäre man klar auf seiner Seite. Aber warum sollten sie denn eigentlich gegeneinander arbeiten?

Insgesamt für mich ein von der Stimmung her sehr gelungener, weil hinein ziehender und emotional involvierender kleiner Thriller, der mit den verschiedenen, beim Betrachten erzeugten Gefühlen punktet, über den man dann aber im Kern nicht zu viel nachdenken sollte, denn beinahe jeder liefert hier einige dumme Aktionen, das wäre auch anders gegangen. Andererseits sind wir Menschlein eben so. Und die dabei vorherrschende Ernsthaftigkeit, wirkt auch beinahe schon wieder erfrischende.

„The Silencing“ bekommt von mir 6,5/10 das Schweigen zu den falschen Zeitpunkten durchbrechende Empfehlungspunkte.


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