Wounds (Filmkritik)

Will (Armie Hammer) ist Barkeeper. Er lebt in einer Beziehung mit Carrie (Dakota Johnson). Allerdings bekommt man das Gefühl, dass er lieber mit Alicia (Zazie Beetz) zusammen wäre, die Stammgast in seiner Bar ist. Allerdings hat die gerade eine frische Beziehung am Laufen.

Eines Abends fängt in Wills Bar eine Schlägerei an und eine Gruppe Jugendlicher verlässt ziemlich rasch das Lokal. Ein Mobiltelefon bleibt liegen. Will nimmt es mit nach Hause, weil er darauf wartet, dass sich jemand meldet, der/die das vermisste Telefon wiederhaben will.

Aber es kommt anders, denn auf das Handy kommen SMS. SMS, die um Hilfe rufen. Als Will es schafft, das Telefon zu entsperren, findet er noch dazu grausame Bilder und Videos auf dem Ding. Offenbar haben die Jugendlichen mit Schwarzer Magie und Ritualen experimentiert und nach und nach beginnt Wills Leben aus dem Ruder zu laufen …

Der Trailer zu „Wounds“ war ziemlich genial und ziemlich verstörend. Ich war mir nicht sicher, ob ich mir in der aktuellen Situation diesen Film ansehen möchte, habe es aber dann dennoch getan und – was soll ich sagen? Er ist halb so wild, wie er im Trailer wirkt (vorausgesetzt man hat kein Problem mit Küchenschaben) und eigentlich – zumindest meinem Eindruck nach – von der Stimmung her ein anderer Film.

Aber kein schlechter.

Gleich vorweg: Das Ende lässt sehr, sehr viele Fragen offen und einen breiten Interpretationsspielraum zu. Ich habe meine Version gefunden und finde es rund und stimmig. Für viele wird es vermutlich zu abrupt sein. Aber ein Film ist ja nicht nur das Ende, sondern da kommt ja auch noch was davor und da ist „Wounds“ wirklich gelungen. Zumindest mit der richtigen Erwartungshaltung.

Kennt ihr diese Filme, in denen Jugendliche irgendeinen Dämon beschwören und dann versuchen ihn loszuwerden? Und hin und wieder trifft dieses „Loswerden“ völlig unbedarfte Leute, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben? Nun, „Wounds“ ist die Geschichte dieser unbedarften Person, die in eine Sache hineinzogen wird, die er jedoch (und auch wir Zuseher/innen) nie ganz verstehen, da wir sie nur am Rande mitbekommen.

Die Stimmung des Films ist allerdings wirklich düster und gut eingefangen. Vor allem der psychische Verfall von Will wird großartig gespielt und gezeigt. Ich habe Armie Hammer bis jetzt bewusst ja nur im (Hand aufs Herz) einfach nicht guten „Lone Ranger“ gesehen und wusste nicht, wie gut der Mann sein kann. Zazie Beetz kennt man mittlerweile ja aus „Deadpool 2“ oder „Joker„. Auch sie macht ihre Sache gut und ist eigentlich der einzig wirklich sympathische Charakter im Film. Dakota Johnson („Fifty Shades“ und „Supsiria 2018“) als Carrie ist … da und unheimlich. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist eigentlich mehr oder weniger von Anfang an so, dass man das Gefühl hat, dass ihre Figur der Carrie einfach ziemlich schräg ist. Und das wird während dem Film per se nicht besser.

Das Drehbuch basiert auf der Novella „The Visible Filth“ von Nathan Ballingrud und wurde vom Regisseur Babak Anvari für einen Film adaptiert. Anvari ist bekannt für seinen Debutfilm „Under The Shadows“, den ich allerdings nicht gesehen habe. Bei „Wounds“ kann man sicher über das Ende streiten und auch über den Eindruck, den der Trailer vom Film macht, was allerdings nicht geht: Über seine Regiearbeit debattieren, denn ist absolut passend und treffsicher.

Für alle, die einen Gorefilm oder einen richtigen Horrorfilm erwarten, wird vermutlich zu wenig passieren was sich nicht auf einer zwischenmenschlichen Ebene tut, aber für jene, die dem Verfall einer menschlichen Psyche zusehen wollen und am Ende Interpretationsspielraum haben möchten – das hier ist euer Film.

„Wounds“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, weiten Spielraum ausnutzende und vieles im Dunkeln lassende, Punkte.


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