Kill Chain (Filmkritik)

Eine Dame in Rot (Anabelle Acosta) auf der Flucht bzw. Suche nach einem besseren Leben. Geheimnisvoll, verführerisch, mit Gefahr ausstrahlendem Charisma versehen. Ein alter Auftragskiller (Enrico Colantoni), der aus Scham seine Tochter seit Jahren nicht gesehen hat und nicht weiß, wie er abgesehen von sporadischen Telefonaten, sich ihr wieder annähern kann.

Beide landen im Hotel eines Mannes (Nicolas Cage), der schon bessere Zeiten erlebt hat. Doch er ist fokussiert, hat einen Plan an dem er festhält und am Ende der Nacht werden einige der an diesem Abend das Hotel besuchenden Menschen, es nur mehr tot wieder verlassen…

Vier Jahre ist es her seit Ken Sanzel zuletzt einen Film in seiner Doppelfunktion als Regisseur und Drehbuchautor heraus gebracht hat. Gedreht wurde in Kolumbien und Nicolas Cage konnte als Produzent und Hauptdarsteller für das Projekt gewonnen werden. Der Film ist gedacht als Hommage an die Ära der großen Detektiv-Noir Filme bzw. soll er ihnen Tribut zollen.

So weit der Anspruch. Was man zunächst jedoch braucht, ist etwas Geduld. Der Vorspann – besonders was die Musik aber auch die Bilder-Montage betrifft – wirkt als Ganzes furchtbar billig. Auch einfache TV-Produktion, bekommen so etwas hochwertiger und vor allem weniger langweilig hin. Das Interesse leidet hierbei also stark und dann fängt die Story auch noch langsam an.

Man kommt emotional einfach nicht gleich hinein in die Geschichte und braucht etwas, bis sich das Ganze stimmig anfühlt. Nach einiger Zeit bemerkt man dann aber plötzlich, dass einen der Film doch gefühlsmäßig involviert hat. Es ist ein Film ohne viel Action, der Spannung vor allem durch zwischenmenschliche Interaktionen erzeugt und sich dabei sehr auf die Unberechenbarkeit der wichtigsten Charaktere verlassen kann.

Dabei wird mit verschiedenen Zeitebenen gespielt und die Sicht der Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Ohne dabei die Leute wirklich zu verurteilen, eher beobachtend, wobei die Protagonisten ihr meist düsteres Schicksal, selbst herbei geführt haben. Wenn dann die titelspendende tödliche Kettenreaktion am Ende aufgedeckt wird, sollte man die Coolness genießen und lieber nicht darüber nachdenken, ob man das alles wirklich so planen hätte können.

Als Fan Nicolas Cage hier zu beobachten, ist jedoch wieder mal eine Freude. Zuletzt ist er ja mit Mandy und Mom and Dad wieder voll in seiner „Cage-Rage“ aufgegangen, doch hier spielt er seinen Hotelbesitzer ruhig und nach außen hin sich unwissend gebend. Dass mehr hinter ihm steckt ist jedoch offensichtlich und man ist schon gespannt zu erfahren, was hinter seiner Fassade steckt.

Noch ein bißchen besser hat mir Anabelle Acosta (Quantico) als Lady in Rot gefallen (nein, nicht nur optisch), die bei der Vorbereitung für ihre Rolle, laut eigenen Aussagen einige Serienkiller-Biographien studiert hat. Sie ist smart, cool, manipulativ und verführerisch und somit eine ebenbürtige Mitspielerin (ich nenne sie hier absichtlich nicht Gegnerin) für Mister Cage.

Ein kleiner Thriller also, mit miesem Vorspann, stimmungsmäßigen Startschwierigkeiten und einer Logik, die an einigen Stellen nicht hinterfragt werden sollte. Ansonsten ist der Film trotz der Gefahren angenehm unaufgeregt in der Inszenierung und mit Cage und Acosta sind zwei Menschen dabei, die ihren grundsätzlich nicht uninteressanten Rollen, mehr Leben einhauchen, als man es zunächst vermutet hätte.

„Kill Chain“ bekommt von mir 6/10 jedem das was er verdient hat überbringende Empfehlungspunkte.


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