Crawl (2019 Filmkritik)

Für die Familie macht man oft auch unvernünftige Sachen. Deshalb begibt sich Schwimmerin Haley (Kaya Scodelario) während eines Kategorie 5 Tornados, zurück in ihrer Heimatstadt Florida. Sie will ihren Vater finden, da er auf ihre und die Anrufe ihrer Schwester, nicht reagiert. In letzter Zeit hatte sie mit ihm jedoch kein gutes Verhältnis gehabt.

Sie findet Dave (Barry Pepper) schließlich im Keller ihres Elternhauses, verletzt und ohne Bewusstsein. Als sie ihn in Sicherheit bringen will, taucht plötzlich ein Alligator auf und sie kann sich und ihren Vater in letzter Sekunde in eine Ecke des Kellers verfrachten, in die das Reptil nicht vordringen kann. Doch das Wasser steigt und der einzige Ausweg ist blockiert…

Der französische Horror-Spezialist Alexandre Aja (The Hills Have Eyes, Piranha 3D) hat sich zuletzt mit dem Mystery-Thriller „Das 9. Leben des Louis Drax„, mehr dem Mainstream zugewandt. Mit Crawl geht es nun wieder einen Schritt zurück zu seinen Ursprüngen, wieder mit Aja typischen Gewaltspitzen, dennoch aber sehr tauglich für die breite Masse.

Besonders freut es mich hier, dass endlich wieder einmal ein Creature-Feature entstanden ist, dass nicht in die Trash-Ebene gehört und man von vorne bis hinten ernst nehmen kann und dabei seine Geschichte ohne Ironie erzählt. Seit dem richtig spannenden „Black Water“ aus dem Jahr 2007, fällt mir kein guter und vor allem ernst gemeinter Film mit Alligatoren als Antagonisten ein. Bis jetzt.

Etwas Bedrohliches schwingt dabei von der ersten Szene an mit. Es beginnt mit einer Schwimm-Veranstaltung und Haleys Blicke sagen alles, glücklich ist sie nicht. Später findet man heraus, dass ihr Verhältnis zu ihrem Vater seit der Scheidung der Eltern gestört ist. Dann die offensichtliche Bedrohung durch den Tornado und als Hauptattraktion dann auch noch die Reptilien.

Schöner Aufbau des Unheilvollen und wenn dann der Alligator seinen ersten Auftritt hat, dann wird man förmlich in den Sessel gedrückt. Es spielt für mich auch keine Rolle, in wie weit das Verhalten der Tiere realistisch ist, ihre Angriffe sind einfach effektiv, man hat ziemlichen Respekt vor ihnen. Pläne schmieden bringt dich als Mensch nur so weit, bis Kraft und Instinkte deine Bemühungen zunichte machen und Luft holen muss man auch früher oder später.

Technisch und atmosphärisch kann man hier wirklich nichts aussetzen, auch die Jump Scares fühlen sich nie wie reiner Selbstzweck an und optisch brilliert die von Wasser durchtränkte Trostlosigkeit. Dass Heldin Haley gleich mehrfach gebissen wird und dabei so gut wie keine sichtbaren physischen Einschränkungen trägt, ja, da könnte man sich sicherlich aufregen, ich habe diese Tatsache jedoch nicht als störend empfunden.

Das liegt sicherlich auch an Kaya Scodelario (Tiger House), die hier eindeutig eine „all in“ Performance abliefert. Dabei läuft sie in Sachen Angst und Terror die gesamte Bandbreite der Emotionen durch, ist verletzliche Tochter und gleichzeitig beschützende Mutter für den verletzten Vater. Der wird von Barry Pepper (Monster Trucks) sehr geerdet gespielt, seine eigenen Fehler erkennend und bereuend, doch immer hundert prozentig hinter seiner Tochter stehend.

Insgesamt daher ein spannender, kleiner und auch gemeiner Tier-Thriller, mit fiesen übermächtigen Alligatoren als Gegnern und einer alles gebenden Kaya Scodelario. Ein bißchen Hollywood-Kitsch darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Bin schon gespannt, in welche Richtung es bei Aja in Zukunft weiter gehen wird. Dem Genre bleibt er jedenfalls treu, das hat er bereits versprochen.

„Crawl“ bekommt von mir 7,5/10 trotz Aussichtslosigkeit nie aufgebende Empfehlungspunkte.


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