Schneller als der Tod – The Quick and the Dead (Filmkritik)

Im Jahr 1981 reitet eine einsame Revolverheldin (Sharon Stone) in eine kleine Stadt namens Redemption. Dort herrscht der brutale Bürgermeister Herod (Gene Hackman) mit eiskalter Härte. Um seine Feinde unter Kontrolle zu halten, veranstaltet er regelmäßig Duelle, bei denen es am Ende immer nur einen Gewinner/Überlebenden gibt und das ist er selbst.

Zur Verwunderung aller, meldet sich die Lady bei diesem Wettbewerb an. In Herod´s Sohn, der nur als The Kid (Leonardo DiCaprio) bekannt ist, findet sie bald einen möglichen Verbündeten. Doch es ist der ehemalige Partner von Herod namens Cort (Russell Crowe), der ihr bei ihrer ganz persönlichen Vendetta, noch sehr nützlich werden könnte.

Wie doch die Zeit vergeht, der Film ist nun auch schon wieder über 20 Jahre alt. Im Jahr 1995 entstand unter der Regie von Sam Raimi dieser Western, der als Hommage an die Spaghetti Western eines Sergio Leone gedacht war. Zahlreiche spätere Stars und bekannte Gesichter tummeln sich hier, doch das konnte das schlechte Einspielergebnis, nicht verhindern. Entweder die Zeit war noch nicht bereit für eine weibliche Heldin, oder der Film wurde einfach missverstanden.

An Sam Raimi (Spiderman) habe ich schon immer geschätzt, dass er selbst ein Fan ist. Wenn er einen Film macht, dann nicht nur wegen des Geldes oder wegen uns Zuschauer, sondern man spürt richtig, dass immer auch sein Herz drinnen steckt und er seinen individuellen Stempel hinterlässt. Neben der Huldigung der ganz Großen im Genre, ist dieses Abenteuer für mich ein reines Spielen mit Genre-Konventionen innerhalb einer Story, die sich am Besten als einziger, langer Showdown bezeichnen lässt.

Besonders dynamisch und den Eindruck des ständigen Höhepunkts unterstützend, sind neben der ins Ohr gehenden Musik von Alan Silvestri, die Kameraführung und der Schnitt. Schräge Zooms auf Gesichter, die Augenpartie in Großaufnahme kurz vor dem Schuss, Zwischenschnitte auf die Turmuhr und gespannten Zuseher. Das zieht ins Geschehen, fordert das Herzklopfen und involviert dich in die Handlung. Das ist eine feine Sache und kann so nicht jeder inszenieren.

Natürlich ist diese Tatsache besonders bei diesem Film essentiell, denn im Vergleich zu seinen Vorbildern, ist dies klar eine „Fast Food“ Version. Man sieht zwar das Verhalten der wichtigsten Figuren und hat sie schnell in gut und böse bzw. sympathisch und ekelhaft eingeteilt, auch wird das eine oder andere erklärt und Rückblicke werden eingesetzt, im Prinzip ist dies aber kein Abenteuer, das sich auf irgendeine Form von Substanz verlassen kann.

Durch die hohe Geschwindigkeit, kann man sich dann am Ende durchaus auch geschlaucht und nicht (wie es wohl sein sollte) erleichtert oder befreit fühlen. Ich persönlich hatte damals und auch heute meinen Spaß, denn die Highlights eines Genres abzufeiern, dass heutzutage sowieso nur mehr alle paar Jahre einen guten Beitrag spendiert bekommt, da muss ich ja fast meine Freude damit haben. Den Rest erledigen dann die gut aufgelegten Darsteller.

Ich war ja nie Sharon Stone (Catwoman) Fan, doch diese auf der einen Seite unnahbare Art der einsamen Heldin, gepaart mit diesem schmerzenden Verlangen in den Augen, das vermittelt sie richtig gut. Für Russell Crowe (Gladiator) war dies der erste Film, den er außerhalb seiner Heimat Australien gedreht hat. Als Cort vereint er Coolness und Verletzlichkeit und die Zerrissenheit zwischen dem Spaß am Schießen und dem Wunsch ein besserer Kerl zu sein, das nimmt man ihm sofort ab.

Gene Hackman (Narrow Margin) hat sich ja bereits 2004 aus dem Filmbusiness zurück gezogen (er ist mittlerweile auch schon 89 Jahre alt). Als Herod beweist er einmal mehr, dass ihm in Sachen Leinwandpräsenz und was das Ausspielen seiner Überlegenheit angeht, keiner so schnell etwas vormacht. Leonardo DiCaprio (Der Rückkehrer) als dessen Sohn Kid ist wie sein Name schon sagt ein richtiges Bürschchen, doch seine angeberische Art ist ziemlich sympathisch und man ist auf seiner Seite, auch wenn ein Dämpfer seines Hochmutes, unausweichlich erscheint.

Insgesamt daher für mich eine schnelle, grelle, unheimlich kurzweilige Huldigung an die großen Western und das Genre an sich. Nicht ohne Fehler und ohne lange nach zu wirken, doch mit dem Herz klar an der richtigen Stelle. Plus einer Menge an spielfreudigen und heute teilweise noch viel bekannteren Gesichtern, die allesamt voll in ihren Rollen aufgehen. Raimi Filme kann man auch nicht mögen, doch belanglose Auftragsarbeiten, sind sie eben nie.

„Schneller als der Tod“ bekommt von mir 7,5/10 das finale Duell für sich entscheiden könnende Empfehlungspunkte.


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