Der Rückkehrer – The Revenant (Filmkritik)

1823 – Der legendäre Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) zieht durch die trostlos scheinenden Weiten Nord Amerikas, wo er Teil einer von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Expedition ist. Bei einer Erkundungstour im Wald wird er in einem unachtsamen Moment von einem Grizzly angegriffen, der ihn scheinbar tödlich verletzt. Glass schwebt daraufhin in Lebensgefahr.

Seine Begleiter glauben nicht an sein Überleben und lassen ihn daher unter der Aufsicht von John Fitzgerald (Tom Hardy) und Jim Bridger (Will Poulter) zurück, die ihn nach seinem Ableben begraben sollen. Doch Fitzgerald möchte das Ableben von Glass beschleunigen und wird dabei von dessen Sohn Hawk überrascht. Hawk stirbt bei dem drauffolgenden Handgemenge. Glass sieht dies mitan und wird von Fitzgerald lebendig begraben, da dieser keine Lust mehr hat, auf dessen Tod zu warten. Doch Glass überlebt und kämpft sich schwer verletzt durch die eisige Wildnis, mit nur einem Ziel: Rache!

the revenant

„And the Golden Globe goes to“ hieß es am 10.01.2016 und „The Revenant“ gewann gleich 3 der begehrten Statuen. So räumte unter anderem Leonardo DiCaprio einen Globe für den besten Hauptdarsteller in einem Drama ab. Weiters gewann Alejandro G. Iñárritu einen Award für beste Regie und ganz nebenbei gewann „The Revenant“ noch die Statue für den besten Film (Drama).

„The Revenant“ spielt im Jahr 1823 Montana und North Dakota und ist inspiriert von den Erlebnissen von Pelz-Trapper Hugh Glass, basiert allerdings auf einem gleichnamigen Roman von Michael Punke. Allerdings unterschied sich die Realität ein wenig von den im Film dargestellten Ereignissen (vor allem das Ende mutete weniger rachsüchtig an). Unbestritten ist allerdings, dass die Geschichte von Hugh Glass eine fantastisch und unrealistisch anmutende ist und dass es ein Wunder scheint, dass ein Mensch derartige Verletzungen überleben kann.

Die Schauspieler sind allesamt fast unerkennbar, da sie sich unter 1 cm dicken Dreckschicht, langen, fettigen Haaren und einem ungepflegten Bart verstecken. Das man unter diesen Umständen noch schauspielern kann, ist kaum zu glauben. Man hat fast das Gefühl, die Männer riechen zu können.

Leo DiCaprio (The Wolf of Wall Street) als Hugh Glass ist extrem glaubwürdig. Wenn man es nicht anders wüsste, würde man ihn nicht wirklich hinter der schmutzigen Fassade vermuten, die den Charakter optisch auszeichnet. Nicht umsonst gewann er für diese Rolle bereits 11 verschiedene Awards. Glass ist anfangs ein eher eintöniger Charakter, der dem Zuseher erst langsam ans Herz wächst, bzw. interessant wird. All das schafft er auch ohne viel Dialog, denn über weite Strecken ist er alleine auf der Leinwand. Ihm bei seinem einsamen Überlebenskampf zuzusehen, war für mich fast unbequem, bzw. unangenehm und mehr als einmal konnte ich beinahe nicht hinsehen, z.B. als Glass von dem Bären schwer verletzt wird. Vielleicht ist es diese Performance, die DiCaprio nach 4 Nominierungen den schon längst verdienten Oscar einbringt.

Tom Hardy (Mad Max: Fury Road) hätte ich nie erkannt, wenn ich nicht nachgelesen hätte, wer diese Rolle spielt, denn dass sich unter diesem Äußeren und hinter diesem Akzent dieser Schauspieler versteckt, hätte ich nun wirklich nicht vermutet. Er holt aus der Rolle des grobschlächtigen Fitzgerald heraus was nur geht und sorgt dafür, dass die Zuseher ihm wünschen, dass ihn Glass noch findet und die Möglichkeit hat, Rache für den Mord an seinem Sohn zu nehmen.

Ansonsten blieb mir noch Domhnall Gleeson (Brooklyn) positiv in Erinnerung, der als rechtschaffener Captain Andrew Harry einen krassen Gegenpol zu Fitzgerald bildet. Newcomer Will Poulter (Maze Runner) konnte in seiner Rolle als Bridger ebenfalls überzeugen.

Mit seinem Cannes-Debüt im Jahr 2000 „Amores Perros“ machte Regisseur Alejandro González Iñárritu von sich reden und etablierte sich mit Filmen wie „21 Gramm“ und „Babel“ noch weiter. Sein absoluter Durchbruch gelang ihm allerdings letztes Jahr durch den Film „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“, der 4 Oscars gewann. Nun gilt „The Revenant“ nach den Golden Globes als heißer Oscar-Favorit. Er setzt seine Schauspieler gut in Szene und schafft es den Zuseher förmlich zu fesseln. Die diversen Schauplätze in der trostlosen Wildnis wirken beinahe für sich wie Antagonisten, die es darauf abgesehen haben, es den Männern möglichst schwer zu machen und vor allem Glass Steine in den Weg zu werfen. Beinahe hat man rückblickend Mitleid mit den Schauspielern, die sich tatsächlich bei eisigen Temperaturen mitten in der Pampa ihr Geld verdienen mussten.

Iñárritu machte sich mit seinen Ansprüchen nicht bei allen Mitwirkenden beliebt, so bestand er darauf an Original-Schauplätzen, ohne künstliches Licht und in chronologischer Reihenfolge zu drehen. Dadurch kam Iñárritu mit seinem Budget von 60 Millionen Dollar bei weitem nicht aus, vielmehr stiegen die Produktionskosten auf 135 Millionen Dollar. Viele Crew-Mitglieder verließen die Produktion, aufgrund der widrigen Umstände beim Dreh und da sich die Dreharbeiten immer weiter verschoben, war Tom Hardy schließlich gezwungen, seine Rolle in „Suicide Squad“ aufzugeben.

Optisch machte sich die Beharrlichkeit Iñárritu´s aber auf jeden Fall bezahlt, denn was man zu sehen bekommt, ist atemberaubend, sei es vor Schönheit, Grausamkeit oder Ekel. Am meisten in Erinnerung wird mir wohl für immer der genial choreographierte und mit beinahe fotorealistischer Computeranimation umgesetzte Grizzly-Angriff bleiben, bei dem es mir kalt über den Rücken lief.

Fazit: Es wird nicht jedermanns Sache sein, Leonardo DiCaprio bei einem 1,5-stündigen Überlebenskampf zuzusehen und für mich war das stellenweise schon sehr unangenehm, wenngleich ich natürlich die außergewöhnliche Handlung, die genialen Performances und die gute Regie zu würdigen weiß.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 bärigen Punkten.


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