Asylum (Filmkritik)

Madison (Sarah Roemer) beginnt ihr Schuljahr auf einem neuen Collage an dem sich vor einem Jahr ihr Bruder umgebracht hatte. Sie möchte auf diese Weise einen Schlussstrich ziehen, denn sie konnte sich nie richtig von ihrem Bruder verabschieden. Außerdem hat sie als Kind eine ähnliche Tragödie mit ihrem Vater erlebt.

Was aber weder Madison noch ihre neuen, bunt zusammen gewürfelten Collagekameraden wissen, ist dass das neu eröffnete Schulgebäude früher eine Anstalt für geistig abnorme Jugendliche war, in der ein Doktor (Mark Rolston) ausschließlich an jungen Menschen mit gequälten Seelen seine unmenschlichen „Heilmethoden“ angewendet hat. Dieser Arzt wurde nach einer Revolte der Patienten zwar getötet, er soll aber heute noch seine Opfer als Geist heimsuchen und zu Tode heilen.

Asylum

Ist schon eine ziemlich offensichtliche Kopie von „House on Haunted Hill“ gepaart mit einer Prise „A Nightmare on Elm Street“ was Regisseur David R. Ellis (Shark Night) da im Jahre 2008 für den DVD-Markt produziert hat. Die Gemeinsamkeiten? Nun aus der Irrenanstalt wurde hier eine frühere Heilanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, das Haus ist hier keine Sehenswürdigkeit sondern ein College-Gebäude und der verrückte Doktor, der wurde in beiden Fällen von seinen Patienten umgebracht, die sich für seine Grausamkeiten gerächt haben. Nun ist er als Geist zurück und sucht weiter Opfer, so sind diese Killer-Docs eben.

Egal, ich konnte der Sache zumindest mit einer gewissen Ironie begegnen. Ein Doktor, der den oft auftretenden „Gott in Weiß“ Komplex auf die Spitze getrieben hat und sich als einzig wahrer Retter von gepeinigten Kinderseelen sieht. Bevorzugte Heilungsmethode ist das Einführen dieser Schraubenzieher ähnlichen Lobotomie-Geräte (keine Ahnung wie die Dinger wirklich heißen) durch die Augen ins Gehirn. Wenn das nicht ein Seitenhieb ist, auf sich allmächtig fühlende Doktoren und den Druck der Gesellschaft, schlechte Erlebnisse völlig aus unseren Leben löschen zu müssen (alles ist positiv, Negatives einfach wegdenken), dann weiß ich auch nicht.

Aber gut, kommen wir zurück zu den Teenies um die es hier geht. Das Computer-Genie war lange Bettnässer, hatte noch nie eine Freundin und seine Mutter hasste ihn. Die toughe Latina hatte einen schwer gewalttätigen Freund, der durchtrainierte Schönling war früher fett, die sexuell offensive Dame wurde als Kind missbraucht und der alternative Künstlertyp, der hatte ein großes Drogenproblem. Schöne Klischees, diese Reißbrett-Charaktere, hätte ich so auch spontan entwerfen können. Offensichtlich müssen hier wohl alle einen Schaden haben, sonst hätte der liebe Doktor ja nichts zu reparieren.

Wenn er dann kommt, versetzt er seine Opfer in die Zeit in deren Vergangenheit zurück, in der sie die größten Schmerzen erlitten haben. Dann verlangt er nach ihrem Leiden und beendet es kurz darauf endgültig. Da der Typ ein derart unsympathischer Mistkerl ist und so richtig nichts von einem Bösewicht hat, den man auch cool finden kann, habe ich die ganze Laufzeit über sein schnelles Ende herbeigesehnt. Gerade weil man von allen jungen Leuten ihre Probleme kennt will man sie nicht noch mehr leiden sehen, bzw. ist es mir als Zuschauer nicht egal. Genau diese Tatsache kann oft auch positiv sein und das schafft nicht jeder Film, doch hier wollte ich einfach nur dass der Bastard endlich zur Strecke gebracht wird.

Sarah Roemer (Disturbia) als Madison macht ihre Sache gut als Außenseiterin, die mit ihrer Vergangenheit abschließen möchte und ständig mit der Gefahr lebt, auch wie ihr Vater und ihr Bruder als psychisch krankes Wrack zu enden. Travis Van Winkle (The Last Ship) macht Spaß in seiner Rolle als Tommy, da er dauernd mit seinem Körper angibt und somit völlig offensichtlich über seine Unsicherheit hinwegtäuschen möchte. Genau wie Ellen Hollman (Into The Badlands) als Ivy, bei der man ganz genau weiß, dass unter ihrer coolen Schale der zerbrochene Kern steckt.

Dass ich den Doktor nicht ausstehen konnte, da gebe ich jetzt nicht unbedingt Mark Rolston (Aliens: Die Rückkehr) die Schuld, denn der macht seine Sache nicht schlecht. Wie soll man aber auch Fans gewinnen, wenn man ein überheblicher, amoralischer Typ ist, der sich selbst für den Größten hält? Einen „netten“ Cameo-Auftritt in einer Vision des Docs hat übrigens Lin Shaye (Insidious 3) als Mutter des Hackers. Ich muss schon sagen wer so eine Mama hat, der ist hundert prozentig ohne sie um einiges besser dran.

Die Inszenierung ist routiniert, die blutigen Effekte sehen echt und handgemacht aus und die jungen Darsteller sind mehr oder weniger voll bei der Sache. Insgesamt ist dies jedoch leider ein Genre-Film, den man schnell wieder vergessen hat, weil er einfach keine echten Highlights zu bieten hat, zu viele Klischees anhäuft und der Bösewicht ein echter Widerling ist, der nur Ärger auslöst, jedoch keine Furcht erzeugt. Meine Lebensweisheit die ich aus diesem Film gezogen habe? Physische Schmerzen versucht man zu beheben doch mit den psychischen da arrangiert man sich, sie herzugeben würde bedeuten einen der Bausteine der eigenen Persönlichkeit zu verlieren oder wie in diesem Film, gleich zu sterben.

„Asylum“ bekommt von mir 5/10 den Tod als Lösung aller Schmerzen herbeiführende Empfehlungspunkte.

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