See No Evil 2 (Filmkritik)

Amy (Danielle Harris) möchte gerade ihre Arbeit im Leichenschauhaus verlassen, um mit ihren Freunden ihre Geburtstagsparty zu feiern, als ihr Chef Holden (Michael Eklund) einen Anruf bekommt. Die Leiche des irren Killers Jacob Goodnight (Glenn „Kane“ Jacobs) inklusive einige seiner Opfer aus dem Blackwell Hotel, sind gerade auf dem Weg zu ihnen. Obwohl sie es nicht muss, entschließt sich Amy, ihre Kollegen zu unterstützen.

Als sie mit ihren Tätigkeiten fertig ist, tauchen überraschend ihre Freunde, angeführt von ihrer besten Freundin Tamara (Katharine Isabelle) auf, um die Feier gleich vor Ort zu veranstalten. Blöd nur, dass Jacob nicht wirklich tot ist und sein Sündenbewusstsein nicht gerade erfreut ist, dass Tamara mit ihrem Freund, genau neben seiner angeblichen Leiche Sex hat. Eine Nacht des Schreckens beginnt und dieses Mal, wird wirklich kein einziger verschont.

See No Evil 2

Acht Jahre nach seinem ersten Auftritt in „See No Evil„, ist Jacob Goodnight wieder zurück, um böse Menschen (in seinen Augen also so gut wie jeden) zu bestrafen. Nachdem der erste Teil zwar eine eingefleischte Fangemeinde entwickelt hatte, doch von Kritikern gehasst wurde, kommt dieses Projekt doch unerwartet. Als dann auch noch die kanadischen Schwestern Jen und Sylvia Soska als Regisseure verpflichtet wurden, sie ihre „American Mary“ Hauptdarstellerin Katharine Isabelle mit im Gepäck haben und zusätzlich die Genrelieblinge Danielle Harris und Michael Eklund mit an Bord sind, war die Überraschung perfekt. Diese Zutaten müssten doch eigentlich ein den ersten Teil klar hinter sich lassendes Endergebnis ergeben.

Ja, könnte man meinen, ist aber nur teilweise so. Die Grundstimmung hier ist viel durchdringender düster, die Grabesstimmung der Leichenhalle als Schauplatz, ist permanent spürbar und wirkt noch klaustrophobischer, als das doch weitläufige Hotel im ersten Teil. Die Schnitte sind viel langsamer, eher wie in einem klassischen Horrorfilm, so wirkt alles flüssiger bis auf eine bestimmte Szene, wo eine Glasscheibe zerbrochen wird, da passt irgendwas mit dem Schnitt nicht und man wird aus der Handlung geworfen.

Was für einen Beitrag des Slasher-Genres hier gut gelingt, ist die Charakterzeichnung der Figuren, in der ersten Hälfte des Filmes. Man weiß schnell wie wer funktioniert und keiner ist völlig klar einem Klischee zuzuordnen. Dabei wird mit der Erwartungshaltung des Zuschauers auch auf gewisse Weise gespielt, denn gegen Ende gibt es dann auch eine kleine Überraschung. Wenn dann das Sterben losgeht, dann fühlt man mit und hat gleich ein paar Personen, denen man so ein brutales Ende nicht gewünscht hätte. Das wirkt alles realistischer als im ersten Teil, was mich zu Jacob Goodnight bringt.

Mehr als noch im Original ist hier klar, dass er übernatürliche Kräfte besitzt. Schon klar, den Weg sind auch Jason und Co. schon vor ihm gegangen, doch passt es für mich nicht zum Grundtenor der Produktion. Gezwungen wirkt auch die Tatsache, dass Jacob zu einer neuen Ikone seiner eigenen Franchise aufgebaut werden soll, wie es auch „Joy Ride 3“ mit Rusty Nail probiert hätte. Entweder ich habe Opfer, zu denen ich halte, oder ich helfe zum Killer. Beides ist ein etwas schizophrenes Unterfangen und Kultstatus kann man nicht erzwingen. Abgesehen davon, fand ich Jacobs Abgang im Original sehr befriedigend und gelungen.

Schauspielerisch gibt es, wenn man genau ist, nur eine zu erwähnen, aber die ist dafür wunderbar in jeder Minute Film, die sie zu sehen ist. Die Soska Schwestern scheinen ja ein echtes Händchen dafür zu haben, aus Katharine Isabelle (Monster Village) die jeweils bestmögliche Performance heraus zu holen. Ihre Figur Tamara ist dabei eine angenehme Abwechslung zu ihren sonst eher ernsteren Rollen, völlig überdreht, morbid in ihrer Faszination für den Killer, so angeturnt, dass sie neben seiner Leiche mit ihrem Freund Sex haben muss. Bis der dann aufwacht, dann ist sie so richtig schön hysterisch und vor allem ihre Blicke und der Tonfall, machen einfach Spaß.

Ansonsten gibt es keine Highlights. Kane verkommt zur eiskalten Killermaschine, der Psychoanteil wird zurückgeschraubt und so wirkt er hier eigentlich nur mehr unsympathisch, den sollte echt endlich jemand mal endgültig stoppen. Danielle Harris (The Black Waters of Echo’s Pond) spielt ihre Final Girl Routine gekonnt, aber ohne im Höhepunkte und Michael Eklund (Hunt to Kill) als Rollstuhl Fahrer, hat nur ein oder zwei gute Momente, wird sonst aber völlig verschenkt, was angesichts seines Talents kranke bzw. schräge Typen zu porträtieren (siehe „The Call„), eine echte Schande ist.

Klar, dies soll kein Spaßfilm sein, sondern ernster Horror, gespickt mit leichten Spielereien mit den Regeln des Horrorfilms, dies ist aber immer noch ein Slasher. Darum fällt es auch auf, dass Jacob seiner blutige Arbeit immer wieder mal abseits der Kamera nachgeht, was wiederum die Wirkung dieser Taten abschwächt, obwohl einem ja die Opfer nicht egal sein sollten. Bis auf drei Szenen, die plötzlich kommen und auch den Zuschauer unvorbereitet treffen, ist der Splatteranteil im Gegensatz zum Vorteil, hier um einiges zurück geschraubt. Logisch, ein Overkill hätte nicht zur Grundatmosphäre gepasst, aber ganzheitliche Härte, wäre wohl konsequenter gewesen.

Im Grunde daher ein zweiter Teil, der besser gemacht ist als der erste und auch mit besseren Schauspielern (vor allem Isabelle, die reißt hier einiges wieder raus) aufwarten kann, ja vielleicht sogar insgesamt der bessere Film ist. Ich für meinen Teil habe aber das Original lieber gesehen, auch weil mir das Finale hier nicht gefallen hat und ich Jacob Goodnights Weg als Serienkiller, nach seinem Fensterflug im Jahre 2006, als passend abgeschlossen betrachte und ihn nicht mehr als Figur auf der Leinwand sehen muss.

„See No Evil 2“ bekommt von mmid 5/10 die eigenen Ansprüche zu schizophren verwirklichende Empfehlungspunkte.


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