Let’s Be Evil (Filmkritik)

Jenny (Elisabeth Morris) braucht Geld um für ihre Schwester sorgen zu können. Also nimmt sie einen Job an, der sie in eine sehr seltsame Situation zwingt. Gemeinsam mit zwei anderen Kollegen muss sie auf ein paar extrem intelligente Kinder aufpassen, die irgendwo tief unter der Erde in einem großen, geheimen Komplex mit Virtual-Reality-Brillen schneller lernen sollen.

Auch Jenny, Tiggs (Kara Tointon) und Darby (Elliot James Langridge) müssen VR-Brillen (bzw. eigentlich sind es Augmented Reality-Brillen) tragen, da sie ohne diese in absoluter Dunkelheit herumstehen würden. Nur durch die Brillen sieht man etwas: Kunterbunt, Neon und seltsam. Vor allem als die Kinder „beschließen“ ihre Aufpasser nicht mehr zu mögen …

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Ich bin mir nicht ganz sicher, was Jonathan Willis mit „Let’s Be Evil“ produzieren wollte. Vielleicht wusste er es selbst nicht. Einen Thriller? Einen Horrorfilm? Eine Komödie? Ein Drama? Ein Werbevideo mit kunterbunten Farben für die Augmented-Reality-Pokemon-Generation? Keine Ahnung. Geworden ist es jedenfalls nichts davon.

Die Machart von „Let’s Be Evil“ ist an sich interessant, denn ein großer Teil des Films wird über die First-Person-Perspektive der drei Hauptpersonen Jenny, Tiggs und Darby gezeigt, während die ganze Zeit ein Display angezeigt wird und verschiedene Informationen durch das Bild laufen. Je nachdem durch wessen Brille man sieht, ändert sich auch die Anzeige, was wirklich hilft, da es sonst teilweise verwirrend wird.

Die Handlung von „Let’s Be Evil“ ist alles andere als neu und das Drehbuch hält die gesamte Laufzeit nicht einmal im Ansatz durch. Dazu ist sie schlichtweg zu dünn UND nicht bis zu Ende gedacht. Martin Owen hat Regie geführt und macht das auch halbwegs souverän, auch wenn es tatsächlich nicht allzu viel gibt, was er irgendwo rausholen könnte. Die Optik ist neonfarben und kunterbunt, wenn es nicht gerade zappenduster und schwarz ist.

Das Drehbuch haben Regisseur Martin Owen, Schauspielerin Elizabeth Morris und Produzent Jonathan Willis geschrieben. Was die drei da zusammengeschrieben haben ist zwar nicht auf ganzer Linie langweilig, vor allem die Interaktion zwischen den drei Hauptcharakteren ist manchmal ganz witzig, wobei sich die flirtende Tiggs rasch als mein Lieblingscharakter herausstellte. Die anderen sind für meinen Geschmack zu brav und berechenbar, bzw. langweilig.

Warum die Charaktere in einer Gegend rumlaufen, die ohne AR-Brille völlig dunkel ist kann mir wohl niemand erklären und es fragt witzigerweise auch niemand danach (oder ich habe es überhört), wie auch sonst viel Sachen im Film einfach nicht erklärt werden. Was grundsätzlich ja okay ist, wenn sich bestimmte Fragen nicht einfach aufDRÄNGEN würden – das wäre wohl die erste Frage, die ich stellen würde: „Warum joggen die Kinder hier in absoluter Dunkelheit rum?“ oder „Gibt es hier keine Lichtschalter?“.

Witzig fand ich auch, wovor genau sich die Leute bei den Kindern fürchten. Ich verstehe es nicht wirklich. Die haben keine Waffen (zumindest sieht man sie nie mit welchen, weder mit Messern noch sonst etwas). Ich meine, wir sprechen hier von Augmented Reality! Augmented! Da kann ich schon sehen, wie ein Blitz auf mich zuschießt – es ist nur eine Grafik! Eine verdammte optische Täuschung. In „Matrix“ wäre das ein Problem gewesen, da war ja das Hirn mit dem Teil verbunden, aber hier tragen die Leute verdammte Brillen(!). Da gehen keine Kabel in den Kopf und nix. Interessant übrigens: Gerade die Tatsache, dass man die Leute durch falsche Bilder (ist da jetzt eine Wand, oder siehst du nur eine Wand?) in die Irre führen könnte – das kommt überhaupt nicht vor! Überhaupt nicht. Schade. Andererseits hätte das dann ein sehr kurzer Film werden müssen.

Naja, eigentlich egal, weil „Let’s Be Evil“ ziemlich rasch langweilig wird und nach einer Weile hofft man schon direkt darauf, dass die Kinder durchdrehen. Aber dadurch wird es dann nicht besser. Peinlich ist es allerdings immer wieder, wenn da ein Kind auftaucht, die drei(!) Erwachsenen aufschreien und abhauen. Ich werd es nicht verstehen und mir konnte die Bedrohung auch nicht vermittelt werden.

Sorry. Das war wohl nichts. Technisch absolut überzeugend, aber inhaltlich absolut leer. Tut mir leid für die MacherInnen, denn die arbeiten ja schon eine Weile in dieser Konstellation zusammen („L.A. Slasher“ und bald „Kung Fu Princess“). Ich wünsche ihnen in Zukunft mehr in Richtung Inhalt und Drehbuch zu arbeiten, denn technisch, ja, technisch hätten sie es drauf.

Was ist dieser Film nun? Drama? Thriller? Action? Horror? Alles davon? Nein, leider nichts. Leider gar nichts, von optisch gut gemacht und trotzdem langweilig mal abgesehen.

„Let’s Be Evil“ bekommt 3,5 von 10 möglichen, auf inhaltlicher Storyebene leider absolut versagende, Punkte.


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