Little Evil (Filmkritik)

Gary (Adam Scott) ist glücklich. Gerade ist er mit seiner Traumfrau Samantha (Evangeline Lilly) zusammen gezogen und beide lieben sich aus ganzem Herzen. Das einzige Problem ist ihr sechs Jahre alter Sohn Lucas (Owen Atlas). Der ist schweigsam, irgendwie auch seltsam und Gary schafft es trotz wiederholter Bemühungen nicht, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.

In einer Selbsthilfegruppe erkennt er zunächst, dass es ganz normal ist in Stiefkindern nur das Schlechte zu sehen. Mehr und mehr und nicht zuletzt auch auf Grund von seltsamen Ereignissen, wird Gary jedoch schließlich klar, dass Lucas nicht nur im übertragenen Sinn sondern auch wörtlich wirklich das Böse ist. Wie soll er das jetzt seiner Frau beibringen und was kann man in so einer Situation nur tun?

Auf „Little Evil“, der seit Anfang September auf Netflix zu sehen ist, bin ich gestossen, da ich seit „Tucker and Dale vs Evil“ nichts mehr von Regisseur und Drehbuchautor Eli Craig gehört hatte und wissen wollte, ob er auch bei seinem neuen Projekt einen so hohen Unterhaltungswert wieder erzeugen kann. Für „Parks and Recreation“ Fans, gibt es hier außerdem ein Wiedersehen mit dem immer sympathischen Adam Scott. Gute Voraussetzungen also für ein Abenteuer, das man eindeutig gewollt als Parodie auf Filme wie „Das Omen“ bezeichnen kann.

Die ganze Geschichte lebt im Prinzip von den zunehmend eskalierenden Szenen zwischen Stiefvater und Sohn. Von Irritationen bis hin zur richtigen Angst, durchlebt Gary so einiges. Dieser Spiegel zur Realität durch die Therapie regt dann auch durchgehend zum Schmunzeln an. Kinder hassen scheinbar immer ihre Stiefväter und spielen ihnen ständig Streiche. Die Väter schimpfen dafür oft über sie, führen dann aber jede positive Veränderung, natürlich auf sich selbst zurück.

Das ist witzig und macht es für Gary nicht gerade leichter, denn eine Mutter sieht niemals das wahre Böse in ihrem Kind, auch wenn dies der Wahrheit entspricht. Wenn der Junge dann sein wahres Gesicht zeigt, dann kann man seine Aktionen wohlwollend als klassisch oder kritisch als klischeehaft bezeichnen, auf jeden Fall verfehlen sie ihre Wirkung nicht. Das Finale selbst, ist dann von den Effekten her nicht ganz überzeugend, jedoch rettet der Kitsch-Faktor einiges in dieser Situation.

Ein zweites Standbein hier ist die Beziehung von Gary zu seinen Kumpels aus der Therapie und wie sie gemeinsam eine Lösung finden wollen. Das ist charmant – wie der gesamte Film – regt zum Kopfschütteln an und es kommen einige Sprüche vor, die im Gedächtnis bleiben. Angst um wichtige Figuren hat man freilich nie, dafür ist alles viel zu harmlos gestaltet, auch wenn es laut Thema ja um viel mehr geht. Das soll jetzt nicht negativ klingen, denn ich schätze durchaus die Qualität eines leckeren Snacks zwischendurch, egal ob essbar oder in filmischer Form.

Adam Scott (Das erstaunliche Leben des Walter Mitty) als Gary ist das Herz des Filmes und perfekt als Identifikationsfigur geeignet. Alle gescheiterten Versuche dem Stiefsohn näher zu kommen, die Art wie er sich verbal zusammenreißen muss, wenn er mit seiner Mutter über ihn spricht, das ist alles 100 prozentig nachvollziehbar und man leidet mit ihm mit. Auf Evangeline Lilly (Ant-Man) als Samantha kann aber irgendwie auch nicht richtig böse sein, dafür ist sie viel zu lieblich.

Zusätzlich ist sie dann auch noch so gut wie blind auf all die Anzeichen bezogen, die ihren Sohn in ein schlechtes Licht rücken würden. Da waren alle Tode der verstorbenen Ex-Beziehungen in ihren Augen eben nur Unfälle bzw. hatten natürliche Anlässe. Dale-Darsteller Tyler Labine (Planet der Affen: Prevolution) hat einen kleinen, aber fein paranoid-überdrehten Auftritt als Fotograf und Clancy Brown (Highlander) als Reverend Gospel, beweist dass er nichts von seiner einschüchternden Ausstrahlung verloren hat.

Charmant, sympathisch, witzig und harmlos. Das sind die Worte, die für mich diesen Film am Besten beschreiben. Da es sich ja um eine Horror-Komödie handelt, hat wohl niemand viel Substanz erwartet und so war ich für meinen Teil, auch nicht enttäuscht. Wer also Lust auf einen kleinen Genre-Film hat, der auch noch gut gespielt ist und für Fans ein paar Anspielungen auf andere Horror-Erlebnisse eingestreut hat, der ist hier genau richtig. Ein 7,5 Millionen Dollar Budget so effektiv einsetzen wie hier, das kann auf jeden Fall sicher nicht jeder.

„Little Evil“ bekommt von mir 7/10 das Böse nicht auf die dafür vorgesehene Art bezwingende Empfehlungspunkte.


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