Terry Pratchett’s Going Postal (Filmkritik)

Moist von Lipwig (Richard Coyle) ist ein Trickbetrüger. Aber er hält etwas auf sich, weshalb klar ist, dass er nur Verbrechen begeht, bei denen es keine Opfer gibt. Also handelt mit falschen Wertpapieren und verkauft schon mal einen Esel als Pferd. Das geht eine Weile gut, bis er sich mit den falschen anlegt und er verhaftet wird. Die Stadtwache von Ankh-Morpork (die Hauptstadt der Scheibenwelt) nimmt ihn fest und er wird gehängt. Als er wieder erwacht wird er Lord Vetinari (Charles Dance) vorgeführt, dem Herrscher der Stadt, der ihm die Option gibt: Entweder Moist baut das Post-System von Ankh-Morpork wieder auf, oder er geht durch eine „andere Tür“ aus seinem Büro. Wer Vetinari kennt wird die Tür scheuen, also macht sich Moist daran, das Postsystem wieder auf Vordermann zu bringen.

Allerdings ist das einfach als gedacht, denn die Klacks-Türme (sozusagen ein Telegrafensystem mit Licht) hat Einzug gehalten und haben ein Monopol. Die wollen verhindern, dass es die Post gibt, denn die Konkurrenz würde vor allem eines bedeuten: Profitverlust. Nach einem Anschlag auf sein Leben wird die Sache für Moist persönlich und unterstützt von Ms. Dearheart (Claire Foy), dem Golem „Pump 19“ und seinen beiden Postgehilfen nimmt sich Moist der Sache nun so richtig an …

Terry Pratchett - Going Postal

Es ist halt wirklich schwer. Wenn ein Roman verfilmt wird, der auf einer Fantasywelt spielt, dann muss man ja für das richtige Feeling sorgen. Und gerade die „Scheibenwelt“ von Terry Pratchett ist ja jetzt keine unbekannte Welt/Reihe. Ich selbst bin seit Jahr und Tag Riesenfan und habe jedes Buch gelesen (und freue mich dann immer bereits wieder auf das nächste). So gesehen war ich skeptisch, als ich gehört habe, dass man bereits ein paar von den Bücher verfilmt hat. Soweit mir bekannt sind die Filme Fernsehproduktionen und bis jetzt sind „Die Farben der Magie“, „Schweinsgalopp“ und eben „Going Postal“ verfilmt worden. Ich erinnere mich, dass ich mir vor einiger Zeit (Jahren) mal „Schweinsgalopp“ (bzw. Hogfather) angesehen habe und halbwegs enttäuscht war. Ich muss aber auch anerkennen, dass dies ein Buch ist, das wirklich, wirklich sehr schwer zu verfilmen sein muss. Vor allem der Humor darin war generell selbst für Scheibenwelt-Verhältnisse sehr speziell. „Die Farben der Magie“ habe ich nicht gesehen, habe aber gehört, dass er sehr gut sein soll.

Was also jetzt „Going Postal“ betrifft, so kann ich nur sagen: Mission gelungen. Wenn man im Kopf behält, dass es sich um eine TV-Produktion handelt, dann kann man auch mit manch nicht so gelungenen Effekten (die Golems sehen halt doch sehr plastikmäßig aus) rechnen. Was aber außer Frage steht: Das Herz des Films ist am richtigen Fleck. Die Handlung wurde auf zwei Filme aufgeteilt, die jeweils eineinhalb Stunden dauern, dabei aber keineswegs langweilig werden. Das liegt am gelungenen Wortwitz, der von den Schauspielern wirklich gut mitgenommen wird, zum anderen am liebevollen Produktionsdesign und an der auch sehr passenden Musik. Der Film ist angenehm langsam, schnelle Schnitte kommen selten vor und größter Wert wird klar auf die Charaktere gelegt. Die sind von Pratchett natürlich super ausgearbeitet – und wurden hier wirklich toll auf den Bildschirm übertragen.

Das Schöne ist, dass ich die Scheibenwelt-Romane immer auf Englisch lese und so für mich die Leute dort ohnehin immer mit britischem Aktzent im Kopf gesprochen haben – da passt die Sache natürlich doppelt. Richard Coyle (Grabbers) als „Moist von Lipwig“ spielt sich die Seele aus dem Leib und auch wenn ich wenig brauchte, bis ich mit ihm warm wurde, so muss ich nachträglich anerkennen, dass er seine Sache wirklich super macht. Streckenweise erinnerte er mich (im positiven Sinne) an Cumberbatch. Ganz anders Claire Foy (Season of the Witch), die hatte als Ms. Dearheart von der ersten Szene weg gewonnen, denn genauso hatte ich mir die vorgestellt. Kettenrauchend, abgebrüht und hart wie ein Felsen, die Armbrust immer im Anschlag. Allein der erste Dialog zwischen Dearheart und Moist ist wirklich super.

Der Auftritt von Timothy West (einer dieser Schauspieler, deren Namen man nicht kennt, die aber sofort bekannt sind, wenn man ihr Gesicht sieht) als Ridcully ist super – so stellt man sich Ridcully vor. Charles Dance („Patrick„, aktuell vermutlich am besten bekannt als „Tywin Lannister“ von „Game of Thrones“) als Lord Vetinari – perfekt besetzt. So kalt und undurchschaubar und dennoch keiner von den Bösen … auch wenn es keinen Grund gibt, ihn für einen Guten zu halten.

Die Regie von Jon Jones ist absolut gelungen und setzt die richtigen Momente richtig in Szene. Wie gesagt: Fernsehfilm. Also keine Erwartungen auf „Wow“-Aufnahmen oder ähnliche Dinge, aber die Geschichte wird flott und gut erzählt und man weiß immer wo und wie alles ist und kann der Sache absolut super folgen.

Ich war, wie gesagt, skeptisch – bin aber letztlich mit einem breiten Grinsen da gesessen und musste mehrmals laut auflachen. Sicher wirkt der Film streckenweise ein wenig wie ein Kindertheater (Golem-Optik, Optik des Banshee, etc), aber das passt doch wirklich gut zur Scheibenwelt. Auch kurze Gastauftritte bekannter Charaktere (Angua aus der Stadtwache) sind wirklich ein nettes Fanservice (hätte man ja auch aus dem Film streichen können).

„Going Postal“ ist eine absolut gelungene Verfilmung eines der „neueren“ Pratchett-Werke und kann mit gutem Gewissen auch jenen empfohlen werden, die sich auf der Scheibenwelt nicht blind zurechtfinden – die wichtigsten Dinge werden erklärt und jene Teile, die Fans wohl ein leichtes Grinsen ins Gesicht zaubern verwirren jene die keine Ahnung von der Materie haben zumindest nicht.

„Terry Pratchett’s Going Postal“ bekommt 8,5/10 von möglichen, die Scheibenwelt zum Leben erweckende und dabei auch Spaß machende, Punkte.

Going Postal. A Discworld Novel.


von Terry Pratchett [Corgi]
Preis: EUR 6,99


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