Legends – Staffel 1 (Serienkritik)

Martin Odum (Sean Bean) ist einer der besten Undercover Agenten, die das FBI derzeit hat. Bei jedem Fall entwickelt er dabei eine Legende oder greift auf bereits bestehende zurück, auf eine erfundene Person, mit Hintergrundgeschichte, Lebenslauf, Familie, Job, eben allem was dazu gehört zu einem Menschen. Nur dass alles nur Schauspiel ist. Dieser harte Job hat Martin bereits seine Ehe gekostet, was sich natürlich auch auf die Beziehung zu seinem Sohn auswirkt und es ihm immer wieder schwierig macht, in das normale Leben zurück zu kehren.

Richtig an sich selbst zu zweifeln beginnt er aber erst, als ihm ein geheimnisvoller Mann, der ihn anscheinend von früher kennt, erzählt, dass Martin Odum selbst nur eine Legende ist und er nach seinem angeblichen Autounfall mit dem darauffolgenden Gedächtnisverlust, von allen Menschen in seinem Umfeld belogen wurde. Martin´s Neugierde und einige Zweifel werden dadurch geweckt und sein wenig ausgeglichener Geisteszustand wird im Angesicht dieser Zusatzbelastung, noch mehr auf die Probe gestellt.

Legends

Diese Serie basiert auf dem Roman „Legends: A Novel of Dissimilation“ aus dem Jahre 2005, geschrieben von Autor Robert Littell. Auf der Comic Con dieses Jahr wurde man erstmals aufmerksam auf die Serie, da auf Twitter eine Kampagne gestartet wurde, bei der ein paar bekannte Persönlichkeiten (unter anderen Game of Thrones Autor George R. R. Martin und Kiefer Sutherland) ihre T-Shirts mit der Aufschrift #DontKillSeanBean getragen haben, in Anspielung auf die zahlreichen oft brutalen Leinwandtode des beliebten Darstellers. Dass dadurch eingeleitete virale Marketing, funktionierte perfekt als Werbung für die Serie.

Nach Sichtung der zehn Folgen umfassenden ersten Staffel – es ist übrigens derzeit noch unsicher, ob eine zweite folgen wird – muss ich sagen, dass es sehr klug war, das Zentrum der Aufmerksamkeit auf Sean Bean zu richten. Nicht dass da rund um seine Figur irgendetwas schlecht gemacht wäre, doch seine zentrale Rolle und sein damit verbundenes intensives Spiel, verleihen der Serie die gewisse Eigenständigkeit, die sie bitter nötig hat. Denn mehr oder weniger realistische Serien, in denen böse Jungs auf unterschiedlichsten Ebenen gejagt werden, gibt es wirklich genug. Auch die obligatorische Verschwörung in den eigenen Reihen ist da nicht gerade neu.

Schon in der allersten Episode bekommt man eine Verwandlung zu sehen, die wirklich beeindruckend ist. Als Martin von der Vergangenheit seiner Legende erzählt, fängt er plötzlich zu stottern an und ändert den Akzent, weil er so in der Erzählung gefangen ist. Besonders wenn Bean in einem Moment normal und lässig mit seinem englischen Akzent redet und dann im nächsten Augenblick zögernd und unsicher wie ein Amerikaner wirkt, dann ist seine Transformation durchaus faszinierend. Zwar kann man seinen Legenden durchaus die Erfüllung einiger Klischees unterstellen, doch hervorstechende Merkmale sind bei diesen Rollen sicherlich notwendig.

Dabei ist es jedes mal wieder eine wahre Freude, den Bildschirm völlig für sich einnehmenden Bean in Legende zu sehen. Egal ob als eiskalt berechnender Waffenschmuggler, als Cowboy und somit natürlich Frauenheld mit großer Klappe, als dem Alkohol nicht abgeneigter Journalist für brisante Stories oder eben als ein vom System im Stich gelassener Durchschnittstyp mit Rachegedanken, er täuscht alle Beteiligten und würde das auch beim Zuschauer schaffen, wenn der nicht schon vorher wüsste, was gespielt ist und was nicht.

Und da kommt eine zweite Stärke der Serie ins Spiel, man weiß eben wie die Hauptfigur selbst doch nicht so genau was nun die Wahrheit ist und wie es dazu gekommen ist. Ist Martin Odum auch eine Legende? Wenn ja, warum? Wer steckt dahinter? Hier entsteht die nötige Spannung, die den Helden noch gebrochener erscheinen lässt, bietet den nötigen Kick und bringt Tiefe, was der Terrorist der Woche alleine, eben nur in unglaublich kurzweiliger und plakativer Form hätte bringen können. Somit gibt es auch keine Einzelfolgen, die sich nur mit dem aktuellen Fall beschäftigen, die Welt rund um Martin, gerät ständig und zunehmend ins Wanken.

Vom überragenden Sean Bean (Cleanskin), über den wich wohl keine weiteren Worte des Lobes mehr verlieren brauche, lassen sich auch alle anderen Darsteller zu starken Leistungen mitreißen. Da wäre zunächst Ali Larter (Claire Redfield aus „Resident Evil Extinction“ und „Afterlife„) als Crystal McGuire, Martin´s direkte Vorgesetzte und Kollegin, die sehr gut und effizient in ihrem Job ist, mit den Methoden und dem Geisteszustand ihres Partners, aber so ihre Probleme hat. Tina Majorino (Veronica Mars) ist die gewitzte Computerexpertin, Morris Chestnut (The Call) ist der zunächst lästige Agent, der sich zu einem treuen Mitstreiter wandelt und Amber Valletta (Spy Daddy) ist Sonya Odum, die Exfrau des Helden, die Martin zwar noch liebt, doch auch Geheimnisse vor ihm hat.

Insgesamt somit eine Serie, die von ihrem Hauptdarsteller her uneingeschränkt empfehlenswert ist und wer sich Fan von Sean Bean nennt, der wird hier sowieso nicht wegsehen können. Für alle anderen gibt es coole Sprüche, eine einnehmende Optik, spannende Ermittlungen inklusive den obligatorischen Schießereien und ein paar fragwürdigen aber wohl nötigen Foltermethoden des Helden und eine große Verschwörung im Hintergrund, die am Ende teilweise aufgedeckt wird, was eine mögliche zweite Staffel, durchaus auf eine eigenständige Ebene heben sollte. Moment, jetzt habe ich gar nicht verraten ob Bean beim Finale stirbt höre ich da jemand sagen? Richtig, habe ich nicht.

„Legends“ bekommt von mir 7/10 die Legenden von Sean Bean in ansprechender Form präsentierende Empfehlungspunkte.


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