Armageddon (Filmkritik)

Zur Zeit der Dinosaurier war die Erde ein fruchtbarer grüner Planet und alles was es brauchte um das zu ändern, war ein Asteroid mit einem Durchmesser von gerade einmal 10 Kilometer. Es wurden mit der Wucht von 10.000 Atombomben eine Billion Tonnen Staub und Gestein in die Atmosphäre geschleudert und die Sonne für die nächsten tausend Jahre verdunkelt. Die Frage ist nicht ob es wieder passieren kann, sondern wann es passieren wird.

Als ein Meteor-Schauer das Space Shuttle Atlantis während eines Routineeinsatzes zerstört und mehrere Städte bombardiert muss die NASA feststellen, dass jetzt die Zeit gekommen ist. Da die einzige Möglichkeit das Ende der Welt zu verhindern darin besteht, den Asteroiden zu sprengen, schickt man mangels anderer Alternativen Harry Stamper (Bruce Willis) und sein Team hoch. Die Jungs sind zwar keine Astronauten, sind aber die Besten wenn es darum geht unter widrigen Umständen ein Loch in den Boden zu bohren.

Armageddon

Spätestens seit der momentan dreiteiligen Verfilmung von Hasbro-Spielzeug (gemeint ist natürlich die Transformers-Reihe) verbindet man Michael Bay wie kaum einen zweiten mit seichten aber dennoch unterhaltsamen Actionkrachern, der auf Hochglanz polierten Spitzenklasse. Würde man Bay fragen, wie denn seiner Meinung nach der perfekte Sommerblockbuster auszusehen hat, würde man vermutlich eine Liste erhalten mit folgenden Elementen:

Must-Have-For-Epic-Blockbuster: [ob in Armageddon vorhanden]

  • Eine epische Geschichte [Check] und damit verbunden
  • Persönliche Einblicke in die Charaktere und Heldenmomente [Check]
  • Jede Menge Stars [Check] und damit verbunden
  • Genug coole Sprüche um damit ein Buch zu füllen [Check]
  • Ein dickes Budget [Check] und damit verbunden
  • Specialeffekte die auf der Höhe ihrer Zeit sind [Check]
  • Einen Soundtrack der zum Thema passt mit hohem Wiedererkennungswert [Check]
  • Eine Laufzeit von mindestens 2,5 Stunden [Check]
  • Für Sie: Ausreichend Schmalz auch bekannt als Romantik [Check]

Als der Film 1998 raus kam, war er eigentlich vierzehn Jahre zu früh in den Kinos, um das Thema Weltuntergang ernsthaft behandeln zu dürfen. Dennoch tut er es auf die Bay typische Art und Weise und stellt dabei das Ende der gesamten Menschheit in Aussicht. Dabei ist die Erzählweise so schnell und der Spannungsbogen so hoch, dass man selbst beim wiederholten Ansehen des Films gebannt vor dem Fernseher sitzt.

Etwas für das sich dieser Film sehr viel Zeit genommen hat, ist die Charaktere vorzustellen. Dabei wirken sie durch die Bank auf den ersten Moment sympathisch und das ist auch wichtig, denn der Film zieht einen großen Teil seiner Spannung daraus, dass man praktisch nie weiß ob und was mit Harry und seiner Crew als nächstes passiert.

Zum Thema Stars werde ich mich auf die wichtigsten beschränken, da es hier einfach zu viele zumindest bekannte Gesichter gibt. Ein etwas jünger wirkender Bruce Willis (Stirb Langsam 4) spielt hier die Rolle seines Lebens und wirkt dabei so cool wie kaum ein zweiter es könnte. Als Harry hat er zudem einen der coolsten Abgänge der Filmgeschichte. Ihm zur Seite steht der bald den neuen Batman spielende Ben Affleck (Argo).

Als A.J. wirkt Affleck wie der typische Heißsporn, der gerne sein Ding durchzieht, weil er glaubt es besser zu wissen. Dass er eine romantische Beziehung mit Harrys Tochter Grace hat und Harry natürlich damit keine Freude hat, macht Afflecks Rolle nicht weniger klischeehaft, aber der gute Ben schafft es mit ganzem Körpereinsatz etwas brauchbares daraus zu machen.

Des Weiteren mit an Bord des Shuttles sind Will Patton (Nur noch 60 Sekunden) der als Chick familiäre Probleme hat, Steve Buscemi (Der unglaubliche Burt Wonderstone), der mehr als ein Problem hat und William Fichtner (Drive Angry), der als Colonel Sharp stellenweise beinahe so cool wirkt, wie Bruce Willis selbst. Ich war etwas überrascht Owen Wilson (Zoolander) zu sehen, bis ich realisierte, dass er nur wenige Szenen dabei ist und bereits zum Beginn der Operation einen mehr oder weniger tragischen Tod stirbt.

Am Boden unterstützt wird das Team von Billy Bob Thornton (Faster) als NASA Wissenschaftler Dan Truman und Liv Tyler (Super) als Harrys Tochter Grace. Liv Tyler schafft es nicht zuletzt dank stimmiger und kitschiger Inszenierung die Spannung und die Emotionen perfekt auf die Erde zu holen. Der Film ist zwar für große Jungs, dennoch ist es meiner Meinung nach keine Schande, hier und da ein Taschentuch zu benutzen.

Wer Bays Filme kennt weiß dass der offensichtlich ein Fan der amerikanischen Streitkräfte ist. Zwar könnte man meinen dass hier Amerikaner die Welt retten, dennoch gibt es eine Person die diesen Umstand maßgeblich entschärft: Peter Stormare (The Last Stand) als russischer Kosmonaut ist nicht nur einer der wenigen richtigen Astronauten, sondern darf auf seine schräge Art mehrmals die Situation retten (nicht zuletzt dank seiner Kenntnis taiwanesischer Bauteile!).

Zu den coolen Sprüchen muss man sagen, dass diese in vielen Fällen nicht alles sind, da oft gesamte Szenen so inszeniert sind, dass man sich mit einem leichtem Lächeln im Gesicht „ja genau“ denkt. Zum Beispiel als Sharp seine Einweisung zur X-71 beginnt und in die Runde fragt, ob noch irgendjemand eine intelligente Frage hätte. Frage Chick: Was ist eine X-71?

Seinerzeit hat der Film stolze 140 Millionen Dollar gekostet um später eine halbe Milliarde Dollar wieder einzuspielen. Etwas dass man Bay ohne Frage zu Gute halten kann, ist dass er etwas von der optischen Inszenierung versteht und mit „Armageddon“ hat er gleich noch den gleichnamigen Shot eingeführt. Dem Film sieht man sein Alter von immerhin 15 Jahren kaum an und selbst Szenen, die aus dem Computer zu stammen scheinen, wie die Landung auf dem Asteroiden, sehen heute noch gut aus.

Das Geld das dann nach Abzug der Gagen und der Specialeffekte übrig blieb, ging dann für Spielzeug wie den Armadillo drauf (Nein Bay kann halt nicht ohne sein Spielzeug und Nein ich habe keine Ahnung wozu man eine Minigun auf ein Fahrzeug montiert das dazu konzipiert ist, ein Loch in einen Asteroiden zu bohren). Zu guter Letzt möchte ich noch den Soundtrack erwähnen, der zum wesentlichen Teil von Aerosmith beigesteuert wurde und deren Song „I Don’t Want to Miss a Thing“ man mit diesem Film verbindet wie keinen zweiten.

Insgesamt ist „Armageddon“ nicht der Beste Film aus dem Hause Bay aber definitiv vorne mit dabei und schafft es dabei als Sommerblockbuster zu funktionieren, ohne im Strudel aus glattgebügelten Hollywoodproduktionen unterzugehen oder langweilig zu wirken.

Von mir bekommt „Armageddon – Das jüngste Gericht“ 8,5/10 die Welt gerade noch so rettende Empfehlungspunkte.

Zitat Harry: Wir gewinnen Gracie!!

Armageddon - Das jüngste Gericht [Blu-ray]


von Michael Bay [Touchstone]
Preis: EUR 9,99


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