Denise (Anne Hathaway) und Greg (Ewan McGregor) sind verheiratet, haben zwei Kinder und einen Hund. Aber die Ehe bröckelt. Er trinkt, sie schreibt an einem Roman, in dem es um eine Frau mit zwei Kindern geht, die sich scheiden lassen will. Die Kinder hören nur durch die geschlossene Kinderzimmertür, wie sich die Eltern immer mehr voneinander entfernen.
Eines Morgens ist aber alles anders, denn in der Nacht sind seltsame Lichter aufgetaucht und die Familie steht vor einer Herausforderung, die niemand kommen sehen kann: Das gesamte Viertel wurde scheinbar in der Zeit zurückgeschleudert und ist jetzt umgeben von Urwald. Und in dem Leben Dinosaurier. Die sich langsam mal das Viertel ansehen, scheinbar genauso überrascht wie die Familie. Nur zählt für die Dinos nur eins: Sie haben Hunger.
Kann sich die Familie zusammenraufen und ihre Konflikte überwinden, um das hier zu überleben?

Da haben wir also wieder einen Dino-Film, der an der Kinokasse abstaubt und scheinbar in den ersten beiden Tagen nach seiner Veröffentlichung bereits rund 60 % seines Budgets wieder eingespielt hat. Gratulation an alle Involvierten, allen voran natürlich dem Regisseur David Robert Mitchell. Der Mann hat vorher „It follows“ und „Under The Silver Lake“ gemacht. „It follows“ wurde damals ja quasi als Neuerfindung des Horrorfilms gefeiert. Habe ich nicht so empfunden, aber ich gönne allen ihren Erfolg.
Für „Oak Street“ gibt sich Mitchell allerdings sehr handzahm und der Film bietet eigentlich keine Überraschungen. Die Einzige, die man vielleicht so nennen kann, ist, dass die Figuren ein wenig mehr Tiefe bekommen als in vielen anderen Filmen. Aber im Grunde geht es auch hier nicht über Klischees hinaus. Greg, ein grandioser Ewan McGregor, er immer optimistisch ist und seine Frau Denise, Anne Hathaway spielt wie üblich Anne Hathaway, die das schön langsam zum Kotzen findet, sich aber den Schritt in Richtung Trennung nicht zu gehen traut und stattdessen lieber ihren Wunsch in Romanform auslebt. Familiendramastoff, wie er im Buche steht.
Dann streut man Dinos darüber und das alles rückt in die Hinterhand. Und natürlich – wie auch sonst – rauft die Familie sich zusammen, entdeckt, wie sehr man sich ja eigentlich liebt und bla bla bla. Schön, wenn einen die Dino-Apokalypse wieder zusammenbringen. Freut mich für euch.
Was die Dinos betrifft: Die Effekte und Optik sind wohl auf dem neueren Stand der Erkenntnis, soll heißen, sie sehen gut aus, passen super ins Bild (großteils zumindest) und sie haben teilweise Federn. Ungewohnt, aber passend.
Weniger passend finde ich den Mangel an Spannung, der im Film vorherrscht. Ja, am Anfang, als noch der Panikmodus regiert und die Platts (so der Nachname der Familie) sich im Haus einsperren, bekommt man durch die Geräuschkulisse im Außen mit, wie die Nachbarschaft dezimiert wird und einen Pterodactyl-Angriff auf einen Nachbarn beobachtet die Familie auch. Schreitet aber nicht ein. Wenn das eine Metapher sein soll, dann ist sie ein wenig plakativ geraten.
Generell dachte ich mir nach gut drei Viertel des Films, dass die unterliegende Message zu sein scheint: Hilf niemanden, denn du stirbst sonst. Das passiert nämlich so gut wie allen Leuten, auf welche die Platts treffen. Ein paar kommen wirklich nur aus ihren Verstecken, um ihnen zu helfen – meistens, weil sie sich aus Dämlichkeit in dumme, ausweglose Situationen gebracht haben – und gehen dann als Dank sozusagen dafür drauf. Schöne Message, oder?
Generell fand ich die Idee toll, die Kameraführung und Inszenierung funktioniert super mit ein paar coolen Entscheidungen, was die Bildkomposition betrifft, aber in Summe war der Film eine herbe Enttäuschung für mich. Zum einen – und das schreibe ich nicht, weil es mich grundsätzlich stört, sondern weil es wieder dermaßen plakativ ist -, sind hier die Frauen wieder einmal die wahren Heldinnen und die Männer sind alle Idioten. Und das meine ich genauso.
Beispiel: Der Sohn der Familie nimmt Pfeil und Bogen mit, weil … Gründe. Und wenn es dann darum geht, jemand zu retten, dann trifft er natürlich kein einziges Mal und er muss immer gerettet werden. Entweder von seiner Mutter oder seiner Schwester, aber der bekommt allein nie was auf die Reihe. Er ist auch der Grund, warum – im Grunde – ein Familienmitglied draufgeht. Er sieht nämlich seinen Hund draußen, weshalb er aus dem sicheren Haus ausbricht und ihm folgt. Dann folgt ihm seine Schwester und dann folgen ihnen die Eltern. Ja. Es ist diese Art von Film.
Auch der Papa – da rettet er Denise, indem er einen T-Rex (oder Allosaurus, bin ich mir nicht mehr sicher) einen Schlegel gegen die Birne donnert, was ihn von den Socken wirft, nur um ihm dann den Rücken zuzudrehen und mit seiner Frau zu reden. Dümmste Entscheidung überhaupt.
Und ja, es gibt einen Todesfall in der „nuclear familiy“. Das hat mich dann doch überrascht. Auch der Umgang damit. Das ist wirklich eine starke Szene, weil die Reaktionen so nachvollziehbar sind. Die sichtlich unter Schock stehende Mutter funktioniert und auf die Tipps ihres Sohnes, der ihr sagt, was sie machen sollen, reagiert sie, indem sie ihn anschreit, dass sie gerade gesehen hat, wie X gefressen wurde. Der Sohn starrt sie kurz an, dann treten Tränen in seine Augen und er sagt: „Ich auch.“ Dann erst macht es „klick“ bei der Mama und sie checkt, dass es jetzt nicht um sie gehen kann, sondern sie sich zusammenreißen und stark sein muss. Das hat mir gefallen. Danach nimmt sich der Film auch ein wenig Zeit, um die Trauer zu zeigen. Das finde ich in Filmen immer gut.
Und für alle, die es wissen wollen: Nein, der Film hält das nicht durch. Natürlich wird wieder alles gut, immerhin reden wir hier von „Zeitreisen“. So wie generell das Ende ein Haufen Kitsch ist und einfach nicht logisch zum Rest passt. Sorry, leichte Spoiler, aber wir sehen dann Personen, die vorher gestorben sind, weil sie jemand angerufen hat und ihnen gesagt hat, sie sollen abhauen – die Familie landet nämlich ein paar Minuten vor den komischen Lichtern in der Jetztzeit. Genau. Der Nachbar, der wohl das A****loch im Film sein soll, verlässt mitten in der Nacht sein Haus und fährt irgendwohin, weil ihm die Nachbarin, die er ohnehin nicht mag, sagt, er soll das tun. Mhm. Also die Dinosaurier sind glaubwürdiger.
Egal – ich bin ohnehin nicht wirklich begeistert vom Film. Er ist okay, hat aber so viel mehr Potenzial geboten als hier umgesetzt wird. So viele Drehbuchmomente, in denen ich mich gefragt habe, warum man das nicht weggelassen hat oder zumindest anders gemacht. Ich fand es zum Ärgern. Zu viele Klischees. Und manche Dinos tauchen aus dem Nichts auf, einfach, damit man „Spannung“ erzeugen kann (gähn), gerade gegen Ende des Films hagelt es viele dieser Momente. Schade. In der ersten Hälfte wurde das alles entspannter und besser inszeniert.
Nochmals kurz zurück zum Ende: Die Entscheidung, die hier getroffen wird, bzw. was hier gemacht wird – da darf man wirklich keine paar Minuten lang nachdenken, denn eigentlich ist das moralisch ein Wahnsinn. Aber vielleicht war das Absicht. Vielleicht hat Mitchell seinen Horrorfilmfaible doch ein wenig einfließen lassen und er wollte, dass die Leute sich denken „Moment“ – und dann in Horror und Schockstarre über die Kaltschnäuzigkeit und einer der Figuren entsetzt sind?
Keine Ahnung. Vermutlich denke ich da mehr drüber nach als die Macher selbst. Vielleicht fanden sie es einfach nur cool oder ihnen sind andere Ideen ausgegangen.
„The End Of Oak Street“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, leider in der zweiten Hälfte ganz stark nachlassende und sogar verärgert machende, Punkte.



