The Substance (Filmkritik)

Elisabeth (Demi Moore) ist Fitnesstrainerin in Hollywood – also TV-Fitnessshow und -videos. Wie Jane Fonda. Eines Tages eröffnet ihr ihr Produzent Harvey (Dennis Quaid), dass mit 50 im Grunde die Karriere vorbei ist für Frauen in Hollywood. Auch wenn er das nicht von ihr behauptet, so ist Elisabeth völlig klar, was er meint.

Da sie sonst nichts hat in ihrem Leben – keine Freunde, keine Hobbys, schlichtweg kein Leben, fährt sie deprimiert nach Hause, baut einen Unfall und landet im Krankenhaus. Mit Glück kommt sie nur mit ein paar Schrammen davon. Aber einer der Pfleger im Krankenhaus meint, sie wäre eine gute Kandidatin. Wofür? Für „The Substance“.

Zuerst ist Elisabeth zögerlich, aber rasch nimmt sie das Angebot an und bekommt die erste Dosis geliefert. Denn „The Substance“ liefert dir eine zweite, junge, energische Version von dir. Im Falle von Elisabeth ist das Sue (Margaret Qualley) und die ist sehr auf Erfolg und Erfolg und Erfolg gebürstet. Es funktioniert also.

Das Thema ist: Sue ist eine physische Abspaltung von Elisabeth, braucht diese also zum Leben. Das bedeutet, dass sie Flüssigkeit aus Elisabeths Körper braucht, diese muss sich aber erst nach und nach regenerieren. Das heißt: Eine zeitlang kann sie Sue sein, dann muss sie jedoch wieder Elisabeth werden.

Das gefällt Sue gar nicht. Nämlich so richtig gar nicht … zumal das Absaugen der Flüssigkeit für Elisabeth verheerende Konsequenzen zu haben scheint …

Von diesem Film habe ich ja sehr oft gehört. Und im Zuge dessen, wie großartig er ist und wie grandios Demi Moore hier aufspielt. Nun, zum zweiten Punkt: Demi Moore kommt zwar immer wieder vor, ist aber mit Sicherheit nicht die Hauptrolle. Und noch dazu ist sie am Anfang vielleicht als Demi Moore zu erkennen – aber nicht wirklich lange. Und dann – nun, dann kann man dem Make-Up-Department wirklich gratulieren, das gebe ich zu. Aber Schauspiel? Das braucht es dann nicht mehr so wirklich, würde ich mal sagen. Abgesehen davon – wovon der Film wirklich lebt, ist seine Machart – und Margaret Qualley mit Dennis Quaid.

Zuerst zu letzterem: Der ist ja nur dabei, weil die ursprünglich geplante Besetzung leider verstorben ist, aber hey – der Mann gibt hier alles. Quaid ist hier einfach ein Wahnsinn. Abstoßend, brillant, herrlich – der hat hier den Spaß seines Lebens. Und es gibt eine Szene, in welcher er gemeinsam mit Demi Moore isst – das ist in etwa das Gegenstück zur berüchtigten Szene in „Herr der Ringe – die Rückkehr des Königs“ als Denethor seinen Sohn Faramir in die Arme der Orks laufen lässt, während Merry ihm was vorsingen darf und er isst. Eklig und ja, die Message kommt rüber. Absolut.

Und Qualley? Die kannte ich vorher nicht, aber Herr im Himmel, die ist ein Hammer. Ja, die Rolle ist sehr eindimensional, aber sie füllt diese perfekt aus. Die Mimik, die Gestik, die Präpotenz – das spielt sie wirklich gut. Immer diese leichte Überheblichkeit, auch ihrem „alten“ Ich gegenüber, super ist das.

Dazu kommt die Machart des Films – die Schnitte, die Perspektiven und die Soundeffekte. Das ist hier das wirklich Wichtige. Das, was hier alles zusammenhält. Der Film ist nämlich flott und spannend erzählt. Allein die gewählten Einstellungen und Perspektiven machen das Ganze verdammt interessant. Fischauge-Linsen bei seltsamen Verhaltensweise oder Personen. Die Farbgebung. Die Schnitte. Was richtig spannend ist: Die – Verzeihung – „Ass-Shots“. Ich glaube nicht, dass ein Mann damit durchgekommen wäre, bei diesem Film hier so viele Aufnahmen von (wunderschönen) Frauenhintern einzubauen. Aber das musste halt sein. Fitnessvideo und so. Nämlich.

Nicht, dass ich mich beschweren will, weil – nochmals – sehr ansehnlich das alles. Trotzdem fand ich das alles schon ein wenig viel und ein bisschen zu sehr aufs Auge gedrückt.

Trotzdem – über zwei Drittel des Films funktioniert das alles erstaunlich gut, reißt mit und man bleibt dran. Auch, weil alles so schnell geht und völlig ohne Füller-Material inszeniert ist. Also Hut ab vor Coralie Fargeat (die vorher, den nicht minder interessant inszenierten „Revenge“ gemacht hat).

Was dann zum Problem wird ist das letzte Drittel, denn offensichtlich wusste niemand, wie man den Film gut zum Ende bringt, denn die „Message“ muss ja wirklich mit dem Presslufthammer in die Köpfe der Leute reingeprügelt werden. Und auch die Inszenierung von manchen Szenen ist einfach viel zu lang geraten.

Ich behaupt mal, nicht zu spoilern, wenn ich verrate, dass es einen Zweikampf zwischen Sue und Elisabeth gibt und dieser dauert einfach viel, viel, viiiiiel zu lange. Und ab da geht es mit dem ganzen Film bergab. Einerseits, weil man weiß, was passieren wird und wie es weitergehen wird. Und andererseits, weil das alles viel zu sehr in die Länge gezogen wird. Ich meine, der oben erwähnte „Herr der Ringe“ hat auch sieben Enden, aber das ist auch das Finale von gut 11 Stunden Film. Hier ist es das Finale von knappen zwei Stunden. Und es zieht sich.

Außerdem ist es völlig unnötig übertrieben und trotz meterhoher (oder gerade deswegen) Blutfontänen einfach langweilig. Da wird gefühlt ein kompletter Kinosaal mit Blut geflutet (welches übrigens zu 100% aus einer Person rauskommt … wie auch immer das gehen soll) und es bringt … nichts. Null. Da war keine Emotion in mir außer: „Hört das dann mal auf?“.

Schade. Wirklich schade. Einer dieser Fälle wo ein planloses und völlig deplatziert wirkendes Ende einen Film runterzieht, der bis dahin wirklich gut und spannend war.

Ich meine irgendwie passt es auf einer Meta-Ebene schon, weil die Charaktere im Film genauso hohl und auf eine Sache reduziert sind wie der Film an sich. Und allzu lange darüber nachdenken darf man auch nicht. Nur eine Frage: Wenn Elisabeth sich nicht an das erinnert, was Sue getan hat – warum will sie Sue am Leben halten? Sie hat nichts davon. Gar nichts. Aber gut, ist halt so. Der Film bleibt so platt, wie die Message, die er hat.

Naja, für zwei Drittel war es ein cooler Ritt mit schöner Optik, interessanten Perspektiven und coolen Performances (vor allem – nochmals – Dennis Quaid), aber in Summe ist das ganze Paket einfach völlig banal. Schade. Hätte ich mir mehr erwartet.

„The Substance“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, durch Dennis Quaid und wunderschöne Körper aufgewertete, Punkte. (und ja, mir ist klar, dass der Satzteil mit „durch schöne Körper aufgewertete“ die Message des Films ad absurdum führt. Das ist Absicht.)


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