The Runner (Filmkritik)

Maia (Gal Gadot) arbeitet als Anwältin in London. Gerade hat sie ihren Sohn in der Schule abgeliefert und geht danach eine Runde laufen durch den Park. Nach einiger Zeit bekommt sie einen Anruf vom Handy ihres Sohnes Noah (Rory Wilmot).

Am anderen Ende befindet sich ein unbekannter Anrufer (Damian Lewis) der angibt, ihren Sohn in seiner Gewalt zu haben. Wenn sie nicht tut was er will, dann wird Noah aus seinem diabetischen Koma, nicht mehr aufwachen…

Ich erzähle euch nun eine Geschichte: kurz nach der Geburt ihres vierten Kindes, erholte sich Gal Gadot gerade von den Folgen einer zerebralen Sinusvenenthrombose (dabei blockiert ein Blutgerinnsel den Blutfluss aus dem Gehirn). Während dieser Zeit landete das Drehbuch von The Runner auf ihrem Schreibtisch.

Sie machte sich einen Zoom-Call mit Regisseur Kevin Macdonald (State of Play) aus, nur um aus körperlichen Gründen abzusagen, da sie 85 Prozent des Filmes laufend verbringen müsste. Auf die Frage, was ihre gesundheitlichen Probleme wären, antwortete sie CVST (abgekürzt). Darauf antwortete Macdonald verblüfft, dass er sechs Wochen zuvor genau das selbe Problem hatte.

Wegen diesem geteilten „Gesundheits-Schreck“ konnte er sich nur Gadot in dieser Rolle vorstellen. Er sprach mit dem Studio, sie warteten einige Zeit auf ihre Genesung und nach einem intensiven Training mit einem olympischen Laufcoach, stand bzw. lief sie schließlich vor der Kamera für AmazonPrime. Dem körperlichen Verfall in Richtung best möglicher Gesundheit entgegenlaufend, schön für sie.

Wer mich kennt weiß jetzt schon genau, warum ich das hier erzählt habe. Genau, diese Story ist nämlich viel erfreulicher, als der fertige Film bei dem noch am Besten ist, dass er nach unter 80 Minuten Laufzeit, auch schon wieder vorbei ist. Hauptprobleme sind (ab jetzt folgen Spoiler): Gadot als Maia soll zum Zielort laufen, damit sie besser vom Bösewicht überwacht werden kann.

Diese Prämisse ist lächerlich (so viel kann dabei schief gehen aus Sicht des Schurken) und manche Filme kommen mit so etwas durch, hier muss man aber immer wieder mal einfach den Kopf schütteln. Die Kritik an der nach Handy süchtigen KI-Gesellschaft verpufft und ärgert nur, weil sie mit dem plumpen Zeigefinger der Größe eines Big Bens präsentiert wird.

Wie mit Wackelkamera und schnellen Schnitten Spannung beim Laufen erzeugt werden soll, ist zwar naheliegend bzw. nachvollziehbar, in der Praxis nervt es jedoch schon nach einigen Minuten und erzeugt beinahe Kopfschmerzen, wenn man zu konzentriert hinsieht. Ebenfalls klar warum aber fast noch anstrengender, ist das ständige Schnaufen von Gadot, dass wohl dramatisch sein soll, das man aber ruhig einige Dezibel hinunter schrauben hätte können.

Dann wäre da Gal Gadot (Heart of Stone). Es gibt natürlich schlechtere Schauspieler, aber ihre Bandbreite ist begrenzt. Darum sind ihre besten Momente hier wohl auch physisch und nicht emotional. Damian Lewis (Homeland) als Entführer ist ein anderes Kaliber, er wird aber verschenkt und bekommt kaum etwas zu tun.

Was ist dann am Ende die Moral von der Geschichte? Eine Anwältin ist hier die Heldin, die sich dafür rühmt, dass sie die Erzählweise kontrolliert und so beim Finale das bekommt, was sie will. Nach dem Motto: Manipulierst du, gewinnst du am Ende und dabei bitte ja nie zu viel Wahrheit einbauen. Irgendwie eine schöne scheinheilige Moral, fast wie aus einem modernen Disney Film.

Dass sie ihren unbewaffneten Vater erschossen hat als Kind, weil er ihre Mutter verprügelt hat und diese für die Tat ins Gefängnis gegangen ist und dass sie als Erwachsene sich dann einen Samenspender gesucht hat, damit es ja keine väterliche Bezugsperson für ihren Sohn (ha, so ein Pech aber auch) gibt, das ignorieren wir dabei lieber einfach (ach modernes Storytelling, U Gotta Love it).

„The Runner“ bekommt von mir 3,5/10 vor den eigenen Schwächen nicht davon laufen könnende Empfehlungspunkte.


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