Slasher (Serienkritik)

Sarah Bennett (Katie McGrath) kehrt gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihre Geburtsstadt Waterbury in Kanada zurück. Seid sie ein Baby war, hat sie diese Stadt nie mehr besucht. Der Grund dafür ist die Art, wie sie damals auf die Welt gekommen ist. Ein maskierter Killer hat nämlich zu Halloween des Jahres 1988, ihren Vater und ihre Mutter getötet, wobei er Sarah dabei aus dem Bauch ihrer Mutter heraus geschnitten hatte.

Sarahs Rückkehr wird von einigen Einheimischen eher skeptisch angenommen, im Gegensatz zu den örtlichen Medien, die eine spannende Geschichte wittern. Gleichzeitig mit Sarahs Ankunft, beginnt ein Killer zu morden, der die selbe Verkleidung trägt, die damals bei der Ermordung ihrer Eltern getragen wurde. Sarah besucht daraufhin den Mörder von damals – Tom Winston (Patrick Garrow) – der im örtlichen Gefängnis sitzt, um Antworten zu finden und abschließen zu können…

Die erste Staffel von „Slasher“ startete in Amerika im März 2016 auf dem mittlerweile nicht mehr existierenden Sender Chiller. Staffel zwei und drei wurden dann von Netflix produziert und auch für eine mögliche vierte Staffel, wurde grünes Licht erteilt. Bei Slasher handelt es sich um eine Anthologie Serie, bei der in jeweils acht Folgen ein maskierter Killer sein Unwesen treibt. Die Staffeln spielen im selben Universum, haben sonst jedoch nichts miteinander zu tun. Bekannte Gesichter bekommt man dennoch zu sehen, denn einige Darsteller sind in unterschiedlichen Rollen in mehreren Staffeln zu sehen.

Was man bei dieser ersten Staffel dann bekommt, ist ein klassisches Slasher-Setting. Eine kleine Stadt mit dunklen Geheimnissen, die scheinbar so gut wie jede relevante Figur mit sich herum trägt. Mord, Entführung oder Vergewaltigung, da kommt schon einiges zusammen was die „netten“ Leute hier so mit ihren Gewissen vereinbaren können müssen, doch ist einer von ihnen dazu fähig, der „Executioner“ (wie auch der nachträglich beigefügte Zusatztitel der ersten Staffel lautet) zu sein?

Das muntere „Täter erraten Spiel“ wird natürlich zelebriert mit falschen Fährten und Situationen, die den Verdacht auf unterschiedlichste Personen lenken. Nachdem die Gruppe der möglichen Killer meist durch frühzeitiges Ableben immer mehr ausgedünnt wird, hat man den Täter als Kenner des Genres jedoch schnell erkannt. Dieser tötet nach Kriterien der sieben Todsünden, was bei acht Folgen zu einer „das Opfer der Woche“ Dynamik führt.

Darunter leidet die Spannung zwar nicht wirklich, Überraschungen was plötzliche Morde betreffen könnte, gibt es jedoch dadurch natürlich keine. Ernst nehmen kann man die Motivation des Killers sowieso nicht, obwohl wenn du krank bist im Kopf, brauchst du keine Erklärung für deine Taten. Ich musste deshalb jedes Mal schmunzeln, wenn die Medien hier völlig ernsthaft über die Todsünden und deren biblischen Zusammenhang sprechen, obwohl diese ja gar nicht aus der Bibel stammen.

Die Morde an sich variieren und passen sich der jeweiligen Sünde und der dafür klassischen Bestrafung an (kannte ich so nicht, ist auch egal, lasst euch einfach überraschen). Gegen Ende steigt dann noch eimal gehörig der Verbrauch von Kunstblut, wobei die handgemachten Effekte stets zu überzeugen wissen. Das Finale schließlich ist mir auf eine seltsame Art „zu viel“ gewesen, vor allem wenn man danach die letzten Bilder sieht, emotional einfach nicht ganz stimmig, aber das ist wohl wie immer Geschmacksache.

Slasher-Filme haben ja grundsätzlich ihren „Over the Top“ Charakter an sich und damit man dennoch neben dem Trip-Erlebnis auch eine Bindung zu den Leuten hat, müssen die Darsteller das auch gekonnt vermitteln. Der gesamte Cast ist hier glücklicherweise toll und überzeugt auf ganzer Linie. Zusätzlich erfrischend ist der Altersdurchschnitt, denn genretypische Teenager, sind hier kaum vorhanden. Katie McGrath (King Arthur) als Sarah ist ein starkes Final Girl, vor allem weil sie stets mit der Suche nach Antworten beschäftigt ist und so als Anker für uns neugierige Zuschauer fungiert.

Brandon Jay McLaren (Tucker and Dale vs Evil) als ihr Mann Dylan ist eine interessante Figur, weil er auf Grund von seiner steigenden Popularität aus den Augen verliert, was wirklich wichtig ist in seinem Leben. Patrick Garrow (Robocop) als Tom Winston begegnet man ebenfalls mit Interesse, eine gewisse Faszination geht von ihm aus, obwohl er ein Mörder ist. Er ist klar bedrohlich, auf Sarah bezogen hat er jedoch einen schnell erkennbaren Beschützer-Instinkt.

Insgesamt eine gute erste Staffel mit allen Zutaten, die man erwarten konnte. Gute Effekte, starke Schauspieler, eine nur stellenweise leidende Spannungskurve und Rückblicke, die den Erzählfluss nicht völlig ausbremsen. Was dann im Oktober 2017 mit der zweiten Staffel „Guilty Party“ abgeliefert wurde, ist jedoch in jedem Bereich eine Steigerung und die im Mai 2019 erschienene dritte Staffel Solstice, regt wohl zu den meisten Diskussion an. Wie gesagt, der Grundstein ist gelegt und es wird noch „besser“.

„Slasher: Executioner“ bekommt von mir 7/10 den Wolf im Schafspelz erst viel zu spät entlarvende Empfehlungspunkte.


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