Killing Ground (2016 Filmkritik)

Irgendwo im australischen Hinterland machen Samantha Shaw (Harriet Dyer) und ihr Freund Ian Smith (Ian Meadows) einen Campingausflug. Es geht um Hochzeit, es geht um Gefühle, es geht darum, eben diese Gefühle zu erforschen. Sie halten an einer Raststätte, bekommen den Weg zu einem netten Strand beschrieben und fahren da auch hin.

Am nächsten Tag entdecken sie den jungen Ollie, noch weit mehr Baby als Kleinkind, der völlig erschöpft und fertig am Wegrand liegt. Von seinen Eltern ist weit und breit keine Spur zu finden. Just als sie den Kleinen ins Auto packen wollen, um ihn ins Krankenhaus zu bringen, trifft Tood (Aaron Glenane) ein, der gemeinsam von einem Campingplatz in der Nähe weiß und Ian überredet mit ihm nachsehen zu gehen, ob nichts passiert ist. Der Weg ist nicht weit, es dauert nur ein paar Minuten und dem Kleinen fehlt an sich nichts, er ist ja nur erschöpft. Also geht Ian mit ihm mit. Samantha wartet derweil mit Ollie im Wagen.

Rasch stellt sich heraus, dass der Campinggruppe etwas Grausames zugestoßen ist. Und dieses „grausam“ hört auf den Namen Tood und dessen Freund Scotty „German“ (Aaron Pedersen).

Ich muss mir wirklich angewöhnen vor Sichtung eines Films nachzusehen, wer diesen gemacht hat. Damit meine ich nicht zwingend den Regisseur, sondern das Land bzw. den Kontinent. „Killing Ground“ ist ein australischer Film und die sind ja, wie man spätestens seit „Wolf Creek“ weiß, nicht unbedingt dafür bekannt im Horrorgenre „leichte Kost“ zu präsentieren.

So ist auch „Killing Ground“ ein brutaler und emotional harter Film, den ich so nicht kommen gesehen habe. Die Machart trägt hier nämlich viel zum Unwohlsein bei. Zum einen wird die Gruppe Camper, zu denen Ollie gehört, in Rückblenden eingeführt und man lernt die netten Leute näher kennen. Zum anderen werden auch Tood und German immer wieder ins Rampenlicht gestellt (eben auch in Rückblenden) und es wird kommentarlos gezeigt, was die beiden für Typen sind. Nämlich völlig ohne Moral.

Das Aufeinandertreffen der Camper mit den beiden führt dann dazu, dass Ollie eben auftaucht wo er auftaucht und der Rest der Truppe … nun, man kann es sich denken. Die Gewalt ist hier zwar nicht per se voyeuristisch, aber streckenweise so hart in ihrer völlig sachlich dargestellten Art, dass es mehr wehtut als wenn man einen Splatter/Slasherfilm daraus gemacht hätte. Gerade die emotionale Komponente (eben die Hilflosigkeit der Betroffenen und die vollkommen abgebrühte und fast banale Durchführung durch Tood und German) trifft einfach mitten ins Herz.

Da hilft es natürlich auch, dass die Kameraarbeit 1A ist, das Setting gut gewählt und die Schauspieler*innen alle wirklich super Leistungen bringen. Das drückt dann doppelt und dreifach dahin, wo es wehtut.

Ich war mir mit mir selbst uneins, was ich von diesem Film hier halten soll, denn im Grunde genommen ist es kein anderes Machwert als „The Strangers: Prey At Night“ oder „The Town That Dreaded Sundown„, im Sinne der Darstellung menschlicher Gräueltaten und sinnloser Gewalt. Außerdem hasse ich es, wenn Babies in Filmen etwas passiert und was soll ich sagen … ich habe doch Ollie erwähnt, oder?

Jedenfalls bin ich zum Entschluss gekommen, den Film gut zu finden und zwar aufgrund der einfachen Tatsache, dass Samantha und Ian einfach unheimlich sympathisch sind und ich – was bei dieser Art Film ja wirklich selten vorkommt – das Ende bzw. die letzte Szene einfach mochte, weil sie mich mit allem versöhnt hat, was davor passiert ist.

Es folgt ein kleiner Spoiler, wer den nicht mag, der/die ignoriert bitte die nächsten Absätze und springt zur Bewertung: Tood hat Samantha gefangen, hat sie gezwungen das noch lebende Baby wegzuwerfen(!) und sie dann an einen Baum gefesselt. Er will sie vergewaltigen und hofft, dass sie schreit, damit er Ian anlocken kann. Dann (bevor er noch aktiv was tun kann) hört er den Wagen von Samantha und Ian wegfahren. Er dreht sich zu Samantha um und beginnt zu schimpfen, dass „der feige Hund dich hier zurücklässt und sich aus dem Staub macht“. Und trotz der Situation blickt Samantha Tood böse an und gibt ihn folgende verbale Ohrfeige: „Er haut nicht ab, du feiges Arschloch. Er macht das Richtige: Er rettet das Baby.“ Und man spürt bei jedem Wort, wie stolz sie auf ihren Partner ist, dass er das Baby rettet und sie weiß, wie schwer es ihm fallen muss, sie zurückzulassen, er ihr aber gleichzeitig vertraut, durchzuhalten, bis er mit Hilfe zurückkommen kann.

Das mag jetzt komisch klingen, aber im Kontext des Films war das eine Szene, die für mich den Film herumgerissen hat, denn das habe ich so noch nie gesehen und ich fand es großartig. Da hat es mir fast Tränen in die Augen gedrückt. Noch nie habe ich in einem Film das Verständnis und die Liebe zwischen zwei Menschen auf solch eine Art und Weise ausgedrückt gesehen und ich fand es unglaublich toll. Tood kann mit dieser Information (ihr erinnert euch: Moralisch trocken wie Staub in der Wüste) natürlich einfach nicht umgehen und versteht nicht, warum sie so stolz auf Ian ist, wo sie doch Angst haben sollte.

Was dann weiter passiert, wie Samantha und Ian entkommen und was Tood und German zustösst, auch das unterscheidet diesen Film von anderen dieser Art, denn die beiden „Monster“ bekommen, was sie verdienen (und German sogar auf einer sehr ironische Art und Weise). Samantha und Ian und Ollie überleben. Die letzte Szene zeigt Samantha, wie sie zu Ian ins Krankenzimmer tritt. Er liegt schwer verletzt, aber wach, im Bett, bemerkt, wie sie eintritt und blickt sie an. Die Kamera schneidet auf Samantha, die ihn absolut fertig und erschöpft, aber voller Liebe anblickt und man weiß: Die beiden werden gemeinsam richtig glücklich werden. Und mit Sicherheit bald Kinder bekommen. Dann ist der Film zuende.

„Killing Ground“ bekommt von mir trotz extrem harter und unangenehmer Szenen aufgrund der Beziehung der beiden „guten“ Hauptdarsteller*innen und der Auflösung der Story 8 von 10 möglichen, trotzdem in die Magengrube schlagende, Punkte.


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