Slasher: Guilty Party (Serienkritik)

Peter (Lovell Adams-Gray), Dawn (Paula Brancati) und drei ihrer Freunde, arbeiteten alle als Jugendleiter in einem Summercamp. Nun kehren sie im tiefsten Winter zurück, doch nicht um in alten Erinnerungen zu schwelgen. Gemeinsam waren sie nämlich für den Mord an einer Kollegin verantwortlich und nun wollen sie ihre Überreste endgültig beseitigen, die sie nicht weit von ihrem Camp im Wald versteckt hatten.

Doch der Körper ist verschwunden und ihre Nerven liegen blank. Wer hat ihn entwendet und sind sie dadurch in Gefahr? Zusätzlich werden die Mitglieder der Kommune unter der Leitung von Antoine (Christopher Jacot), bei denen die fünf ihre Unterkunft gebucht haben zunehmend misstrauisch, was die wahren Beweggründe ihres Aufenthaltes angeht. Aus dem Nichts wird plötzlich einer von ihnen brutal ermordet und es wird schnell klar, dass es nicht bei einem Toten bleiben wird…

Ungefähr eineinhalb Jahre nach „The Executioner“, startete im Oktober 2017 „Guilty Party“, die zweite Staffel der Slasher Anthologie-Serie. Ein paar Gesichter aus der ersten Staffel werden Fans hier in anderen Rollen bekannt vorkommen, doch großteils hat man sich auf einen neuen Cast verlassen (von denen dann dafür einige auch in Staffel drei dabei sind). Während Staffel eins sich mit dem Horror einer Kleinstadt beschäftigt hat, ist es nun innen die Isolation einer Berghütte in Kombination mit der eisigen Kälte des Winters außen.

Ich kann nur sagen wow. Hier ist es den Machern gelungen, eine ganzheitliche Steigerung zu schaffen im positiven Sinne. Zunächst mal ist die Atmosphäre spätestens ab Folge zwei richtig aufgeladen. Die Spannung in der Luft und zwischen den Personen ist permanent spürbar und lässt auch nie richtig nach. Dabei verschieben sich je nach Eigenart oder Sympathieverteilung der jeweiligen Figuren auch des öfteren die Verdächtigungen, Misstrauen und Anschuldigungen der fünf Jugendlichen gegenüber der in der Hütte lebenden Gruppe inklusive, was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht.

Alle Beteiligten sind dabei echte Menschen. Ja, man erkennt schon klassische Genre-Charaktere, aber sie sind nicht auf diese Eigenschaften reduziert. Während im Original das Final Girl von Anfang an klar war und der Killer (nach einiger Zeit) nicht allzu schwer zu identifizieren war, schaut die Sache hier ziemlich anders aus. Kaum dachte ich ich kenne die Dame für das Endgame, wurde die einfach umgebracht. Auch was den Killer betrifft ist es sehr schwierig, sich bald festzulegen.

Sagen wir mal so, wer am Ende genau überlebt und den Twist beim Finale, das kann man so fast nicht kommen sehen. Aber Hut ab an die Macher, das wirkt nicht konstruiert sondern funktioniert richtig gut. Überhaupt mutiert das hier schnell zu einem Trip-Erlebnis mit Sogwirkung, eine chaotische Achterbahnfahrt, die man wohl so nur innerhalb des Horror-Genres erzeugen kann. Passend dazu muss man sagen, dass sowohl der Bodycount als auch die Brutalität bei den Morden um einiges höher geworden ist.

Ich verrate jetzt nicht mehr, aber ein paar mal bleibt es hier nicht „nur“ beim Blut, es fliegen mehr oder weniger auch die Körperteile herum. Dank der starken Inszenierung habe ich diese Szenen jedoch nie als Selbstzweck erlebt, im Gegenteil tragen sie zu einem wesentlichen Teil zur unangenehmen Stimmung bei. Abgesehen vom Killer ist es dann wieder mal erschreckend, zu was einige der übrigen Protagonisten so fähig sind, wenn sie in die Ecke gedrängt werden.

Großartig ist wieder der Cast, der dich als Zuschauer nie an dem Schrecken bzw. der Ernsthaftigkeit der Geschehnisse zweifeln lässt. Verdient hätten es hier die meisten erwähnt zu werden, ich nenne hier aber mal ein paar, die mir aus unterschiedlichen Gründen stärker in Erinnerung geblieben sind. Die von Madison Cheeatow (Heartland) gespielte Keira ist zwar nur eine Nebenfigur, aber ihre ehrlich wirkende Ausstrahlung und ihre Ruhe in all dem Wahnsinn, das hat schon eine fesselnde Wirkung.

Ty Olsson (War of the Planet of the Apes) als Glenn, nun der wird einfach zunehmend abstossender und dann tut er dir doch auch irgendwie leid, das muss man erst mal so hinbekommen. Die von Paula Brancati (Being Erica) gespielte Dawn finde ich wiederum sehr spannend, weil sie das Grundthema hier symbolisiert. Falsche Freundschaften, die Suche nach Nähe und die Angst verletzt zu werden, Fehler zugeben können und zu ihnen stehen, so geht es zwar fast allen Protagonisten hier, doch sie versprüht dies alles einfach am Stärksten.

Auch dank der Tatsache, dass hier – wie bei jeder Staffel – ein Regisseur jeweils alle acht Folgen inszeniert, ein extrem spannender und vor allem homogener Trip, der sich in Summe wie ein überlanger Film anfühlt. Daher: sowohl hinter als auch vor der Kamera, Kanada braucht sich in keiner Weise vor Amerika verstecken, glaube nicht dass die lieben Amis, so eine Serie so hinbekommen hätten. Meine Lieblingsstaffel bis jetzt, obwohl in einem anderen Bereich (Kritik am Zeitgeist) Staffel drei „Solstice“, noch eine weitere Steigerung bedeutet.

„Slasher: Guilty Party“ bekommt von mir 8,5/10 sich hoffentlich niemals von den eigenen Geheimnissen auffressen lassende Empfehlungspunkte.


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