Slasher: Solstice (Serienkritik)

Vor einem Jahr wurde Kit (Robert Cormier) nach einer Feier auf dem Weg nach Hause, von einem Maskierten ermordet. Er wäre dabei zwar schon bei dem Wohnhaus – in dem sich sein Appartement befindet – angekommen, doch keiner seiner Nachbarn hat versucht ihm zu helfen bzw. sich lieber fern gehalten von Problemen jeglicher Art. Genau ein Jahr später, hat sich nichts geändert. Dan (Dean McDermott) erzählt weiterhin allen, wie überlegen die weiße Rasse ist, wenn er nicht gerade betrunken ist.

Saadia (Baraka Rahmani) hingegen, schlägt sich genau mit dieser Art von Anfeindungen herum, da sie ein junge Moslem-Dame ist und ihren Glauben auch lebt. Plötzlich ist es jedoch vorbei mit dem Alltag, denn erneut treibt ein Killer sein Unwesen. Dieser hat exakt das selbe Kostüm an, wie der Mörder vor einem Jahr und er tötet scheinbar jeden, der Kit vor einem Jahr nicht geholfen hat. Was so gut wie jeden einzelnen Menschen in diesem Gebäude betreffen würde…

Nach The Executioner und Guilty Party, erschien im Mai 2019 die dritte Staffel von Slasher auf Netflix. Solstice hat dabei die Seher gespalten, mehr als die beiden Staffeln zuvor. Einige – vor allem Kritiker – fanden die Sache modern und mutig, Fans hingegen fanden die Geschichte schwach. Ich selbst werde hier erstmals bei meinen Slasher-Kritiken spoilern (starke Spoiler, also auf eigene Gefahr weiter lesen oder erst nach dem Anschauen), um besser erklären zu können, was ich nun hier richtig gut fand und was weniger.

Ich fange mal damit an, was mir von der Metaebene am Meisten aufgefallen ist. Hier ist was ihre sexuelle Orientierung betrifft, einiges dabei. Homosexuell, lesbisch, asexuell und bisexuell und keiner wird auf genau das reduziert, die Leute sind eben so, wie sie sind. Auch wirkt es niemals so, als wären sie nur dabei, weil man im Jahr 2019 politisch korrekt und weltoffen sein muss und deshalb breitere Variationen an Charakteren dabei hat.

Und was passiert dann? Alle gerade genannten Figuren sterben und die Killer sind schwarz. Stellt euch nun vor, dies wäre statt einer kanadischen Serie, eine amerikanische. Nicht auszudenken, was ihnen da alles für Interpretationen einfallen würden. Leute die nicht der sexuellen „Norm“ entsprechen gehören beseitigt und Schwarze sind sowieso nichts als gewalttätige Killer. So oder ähnlich wären wohl die Reaktionen ausgefallen, doch nichts davon trifft hier zu. Es ist einfach nun mal so, wie es ist.

Eindeutig und extrem berechtigt, ist die Kritik an den modernen Medien bzw. viel mehr noch an den Menschen und wie diese sie nutzen. Da wird jemand umgebracht und seine Leiche platziert und was machen ALLE Menschen, die zufällig vorbei kommen? Richtig, Fotos und dann teilen sie diese für möglichst viel Likes im Internet. Darum passieren hier eigentlich fast logischerweise dann auch die Morde, wegen einem kurzen, unüberlegten Posting und dem anschließenden Shitstorm und dem Mobbing, das darauf folgt.

Passend dazu ist Saadia durchgehend der einzig richtig gute Mensch hier (hallo Final Girl), was auch ein paar mal ausgesprochen wird. Doch genau sie hat am Ende die Sache ins Rollen gebracht, mit ihrer Online-Kritik an einem pietätlosen Posting. Das ist bittere Ironie und außerdem zeigt es, dass Reaktionen auf etwas im Netz – trotz guter Intentionen – genau so gefährlich sein können wie die Dinge, die man eigentlich kritisieren wollte.

Etwas übertrieben (aber hallo, das darf so sein, ist ja immerhin ein Slasher) ist dann die Aussage, die durch das überraschende Überleben eines der Bewohner gemacht wird. Neben Saadia ist es dann ausgerechnet Rassist Dan, der sich im Laufe der Handlung auch zu einem besseren Menschen gewandelt hat und sowohl seinem zuerst gehassten, schwulen Nachbarn Respekt gezollt hat, als auch Saadia nicht zurück lässt. Etwas dick aufgetragen, ja, aber toll gespielt und wie gesagt, innerhalb dieses Genres sehr in Ordnung.

Bis jetzt würde ich meine Zeilen als Lob bezeichnen, auf einer innerhalb dieser Serie bisher unbekannten Ebene. Was hier dafür weit weniger gut klappt (vielleicht soll es auch so sein), ist es eine Bindung zu den Figuren aufzubauen. Saadia ist einfach langweilig als Heldin, weil sie ach so gut ist (bis auf den Twist am Ende, was nichts an den Gefühlen für sie ändert) und die übrigen sind entweder unsympathisch oder einfach nur da. Zusätzlich sind die Morde oft weit unangenehmer (und sehr brutal) von der Stimmung her, da war mir der überdrehte Over the Top Stil der zweiten Staffel um einiges lieber.

Von den Darstellern habe ich klar drei Favoriten, die man als Fan der Serie bereits kennt. Dean McDermott spielt Dan so richtig schön verachtenswert, doch du weißt wo es herkommt und man erkennt die Menschlichkeit noch, die da irgendwo verschüttet drunter ist. Paula Brancati als Violet ist so furchtbar einfältig, selbstbezogen und nur auf ihre Website fixiert, dass es eine Freude ist, sie zu hassen. Jim Watson (Crimson Peak) als Xander, da habe ich jede Minute mit ihm genossen, er ist so schön arrogant und feige zugleich. Und mal ganz ehrlich: was ihm hier passiert, kann das was ihm in Staffel zwei zustösst nicht übertreffen, aber er ist insgesamt in der Serie einfach die (Entschuldigung für meine Ausdrucksweise) „ärmste Sau“ von Allen.

Ingesamt daher vor allem spannend auf der Ebene, was da alles über unser modernes Leben ausgesagt wird. Klassisch, also rein als Slasher gesehen, ist der Härtegrad zwar hoch wie nie, doch spiegelt sich darin auch die Menschen verachtende Kernaussage wider, was zwar wichtig ist, doch nicht unbedingt angenehm. Zusätzlich leidet man hier mit Niemanden mit, man beobachtet eher, was wiederum wohl genau die Art von Manipulation war, die die Macher erzeugen wollten. Mehr Empathie und nicht immer nur ICH, die Botschaft ist auf jeden Fall angekommen.

„Slasher: Solstice“ bekommt von mir 8/10 Probleme mit Gewalt, Flucht oder Ignorieren „lösende“ Empfehlungspunkte.


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