The Dark Pictures Anthology: Man Of Medan (Game-Review)

Es soll ein Bootsausflug werden, den die kleine Gruppe rund um die Brüder Brad und Alex geplant haben. Brads Freundin Julia ist ebenso dabei, genauso wie ihr Bruder Conrad. Ihr Skipper ist die resche Fiss. Zuerst geht alles gut, sie finden ein altes Flugzeugwrack, krachen allerdings mit drei Fischern aneinander und Conrad schafft es, sie echt wütend zu machen. Außerdem schafft er es, sie subtil wissen zu lassen, dass er viel Geld hat und glaubt, besser zu sein als sie.

Des nachts kommt die Gruppe zurück und überfällt das Boot. Dann finden die Fischer eine Karte, die Julia und Brad aus dem Flugzeugwrack mitgenommen haben. Darauf sind Koordinaten und die Rede von „Manchurian Gold“. Also zwingen sie die Gruppe sie zum Gold zu führen, da sie denken, dass die jungen Leute wissen wo es zu finden ist.

Aber an dem Ort, an den sie die Koordinaten geführt haben, finden sie stattdessen ein altes Kriegsschiff. Entgegen allen Eindrücken, die ganz laut „Geisterschiff“ schreien, zwingen die Fischer die Gruppe an Bord zu gehen, um auf der Suche nach dem Gold zu helfen.

Bald geschehen die ersten seltsamen Dinge …

„Man Of Medan“ ist der erste Teil einer Reihe von Supermassive Games, die das ziemlich großartige „Until Dawn“ produziert hatten. Einer der Lauchntitel für die PS4, der überraschend gut war. Das Gameplay war simpel (steuere verschiedene Charaktere durch vorgerenderte Hintergründe, guck dir verschiedene Dinge an, reagiere auf Quicktime-Events und triff Entscheidungen in Dialogen), die Grafik ziemlich cool und die verschiedenen Möglichkeiten, was alles aufgrund der Entscheidung der Spieler*innen passieren konnte (alle konnten überleben bis hin zu alle konnten sterben) war ziemlich einzigartig inklusive eines verdammt genialen Storytwists in der Mitte des Spiels (keine Angst, keine Spoiler).

Und „Man Of Medan“ ist genau das gleiche mit anderem Setting, anderen Charakteren und viel kürzerer Spielzeit. Die Charaktere sind Stereotypen, das stimmt, aber das sind sie in jedem zweiten Horrorfilm auch und sie erfüllen auch hier ihren Zweck. Vor allem, wenn man das Spiel mehrmals spielt, weil man verschiedene Enden ausprobieren will oder weil man manche Entscheidungen doch anders machen möchte, merkt man erst, das die Kids (oder jungen Erwachsenen) doch alle im Grunde liebenswert mit ihren eigenen Motivationen sind. Das kann man beim ersten Mal spielen durchaus leicht übersehen.

Aber egal: Die Frage ist, ob das Konzept auch dieses Mal aufgeht. In Kurzfassung: Ja, das tut es. Wenn auch mit Abstrichen, was die Charakterzeichnung betrifft und die Tatsache, dass ein einmaliges Durchspielen etwa fünf Stunden dauert. Die Umgebungen sind stimmig, das Schiff ist richtig gruselig und ein paar der Szenen sind wirklich nicht ohne, was die Jump Scares betrifft.

Was ich allerdings nicht mochte: Die Reaktionszeit für die Quick-Time-Events war einfach zu kurz. Das war mehr ärgerlich als spannend, aber okay. Ich habe es jetzt mehrfach durchgespielt und bin jedes Mal überrascht gewesen, welche Wege das Spiel geht, wenn man verschiedene Entscheidungen trifft. Da merkt man erst, welchen Aufwand die Macher trotzdem auf sich genommen haben. Hut ab, vor dieser Leistung. Allerdings gibt es auch hier kleine Mankos, weil sich in Gesprächen – je nachdem wieviele der Charaktere noch leben – streckenweise seltsame Übergänge und/oder Reaktionen befinden. Kann vorkommen, wie gesagt, aber trotzdem reißt es kurz aus der Immersion.

Was dafür richtig toll ist: Man kann das Spiel zu zweit über das Internet spielen und es ist tatsächlich so, dass man teilweise zwei komplett verschiedene Szenen parallel spielt und selbst wenn man in der gleichen Szene ist, es davon abhängt, welchen Charakter man spielt, ob man zB eine Geistererscheinung sieht oder nicht. Spideragent und ich hatten definitiv Spaß bei der Sache.

Die Story selbst ist toll, wie ich finde, weil sie sie „Geisterschiff“-Stimmung gut einfängt, immerzu gruselig ist und die Auflösung was auf dem Schiff los ist fand ich auch sehr gut und gelungen. Die Stimmung trübt allerdings, dass – auch wenn alle Charaktere bis zum Ende durchhalten, alle sterben können, weil man eine Sache(!) falsch gemacht hat. Und das zweite ist ein Storykniff, der nach ca. 10 Minuten Spielzeit passiert und erst ganz am Ende – im Abspann! – dafür sorgen kann, dass doch noch eine eurer Figuren stirbt. Das war echt gemein und hart, aber okay. Soll sein.

In Summe durchaus gelungen, wenn auch mit Abstrichen. Und oh – der Kurator, der euch als Erzähler/Begleiter durch das Spiel führt … der ist einfach so richtig großartig geschrieben und vor allem charismatisch hoch 3 von Pip Torrens gespielt.

„The Dark Pictures: Man Of Medan“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, immer noch gruslige, mit technischen Abstrichen, Punkte.


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