Grenzgänger – Zwischen den Zeiten (Filmkritik)

Mikhail Shurov (Pavel Priluchny) ist ein Geschäftsmann, der sich auf ein zwielichtiges Geschäft eingelassen hat und deshalb das Versprochene auch halten muss. Deshalb sind ihm die zwei Demonstranten, die auf seiner Baustelle streiken, ein Dorn im Auge. Sie wollen dass die Stätte als Erinnerung an gefallene russische Helden im zweiten Weltkrieg erhalten bleibt, weshalb die Dame vor Ort Mikhail deren Geschichte näher bringt.

Als sie sich gerade unter der Erde befinden, kommt es jedoch zu einem Unfall und Mikhail verliert das Bewusstsein. Als er wieder erwacht, befindet er sich an der selben Stelle, nur einige Jahre zuvor und zwar mitten im Kriegsgeschehen. Als er einige Strapazen später wieder in der Jetztzeit zu sich kommt, scheint das alles wie ein seltsamer Traum, doch kurz darauf sieht er wieder zahlreiche Zeitstrudel, die ihm offenbar etwas zeigen wollen…

Auch wenn ich damit eher alleine dastehe mit meiner Assoziation nach Betrachten des Filmes, doch dieses russische Abenteuer von Regisseur Dmitriy Tyurin (Trigger), mit dramatischer Grundstory und übernatürlichen Elementen, hat mich von seiner Grundthematik her an „A Christmas Carol“ von Charles Dickens erinnert. Dessen Protagonisten Ebenezer Scrooge zeigten Geister unter anderem auch Szenen aus der Vergangenheit, um ihn zu einem besseren Menschen zu machen und hier ist es Mikhail, der die Gefallenen im Krieg nicht zu ehren weiß.

Plötzlich ist er dann dabei am Schauplatz des Krieges, sieht lebendige Menschen, deren Story er nur von Fotos und Briefen kennt und sucht Verwandte, von deren Existenz er nichts wusste. Keine Sorge, die Auflösung am Ende ist einfach und kann man auch bald erahnen, doch das nimmt der Sache nichts an Wucht. Zu Beginn ist es schräg und wirkt befremdlich, wenn ein Mann mit Anzug mitten durch das Schlachtfeld stolpert, doch dann wird man genau wie er, immer mehr ins Geschehen involviert.

Das ist deswegen jedoch natürlich kein existentielles Drama, es sind schon klar „Blockbuster-Gefühle“ die hier im größer als das Leben Stil vermittelt werden, aber es funktioniert. Auch auf der Effekt-Ebene, denn die „Zeitstrudel“ bzw. Übergänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind gut getrickst und die Kostüme und Settings überzeugen ebenso. Dabei wird erstaunlich wenig mit Humor abgefangen, alles wird (zumindest einem Teil der Themen entsprechend) sehr ernst inszeniert, man erzeugt damit aber niemals lächerliche Situationen.

Erstaunlich – wenn auch nicht verwunderlich – ist aus emotionaler Sicht die Tatsache, mit wieviel mehr „echten“ Gefühlen die Menschen in den Kriegszeiten agiert haben, im Vergleich zum Gleichgültigen Handeln der meisten Leute in der Jetztzeit. Und das obwohl sie permanent mit Grausamkeiten und Tod konfrontiert waren (oder vielleicht ja gerade deswegen). Die Interaktion mit Mikhail, ist dann emotional noch mal ein eigenes Kapitel.

Zunächst irritiert und nur mit Fluchtgedanken beschäftigt, fängt er immer mehr an sich zu involvieren und ist schließlich auf einer Mission, bei der er selbst weder den genauen Auftrag noch das Ziel zu kennen scheint. So weit das möglich ist, denn scheinbar sieht ihn Niemand und Menschen gehen einfach durch ihn durch, als wäre er ein Geist. Pavel Priluchny (Silver Spoon) als Mikhail macht seine Sache dabei sehr gut, denn zunächst ist er wirklich oberflächlich und unsympathisch, doch er taut richtig schön auf und ist gegen Ende eine Mensch, der sicherlich einige Sachen sehr anders sieht.

Insgesamt daher ein Film, der zwei Welten aufeinander prallen lässt und dabei erstaunlich gut ein homogenes Ganzes schafft. Emotional wird man auf jeden Fall mitgerissen und Schauwerte gibt es ebenso genug. Die Auflösung ist wie gesagt beinahe etwas zu einfach, aber das stört in Summe nicht wirklich. Zu guter Letzt wird auf Grund der Ereignisse sogar beim Zuschauer etwas die Selbstreflexion angeworfen und das ist nun wirklich so gut wie immer eine feine Sache.

„Grenzgänger“ bekommt von mir 7/10 aus der Vergangenheit spät aber doch seine Lehren ziehende Empfehlungspunkte.


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