The Endless (Filmkritik)

Aaron (Aaron Moorhead) und Justin (Justin Benson) konnten als Kinder einem Kult entkommen. Jetzt sind beide erwachsen geworden, leben ein „so lala“-Leben und dann taucht ein Video mit einer Botschaft aus genau jenem Kult auf. Vor allem der jüngere Aaron möchte gern nochmals zurückkehren und sich seiner Vergangenheit stellen. Grundsätzlich deshalb, weil er sich nicht richtig erinnern kann, weshalb sie abgehauen sind. Justin weigert sich erst, gibt dann aber nach.

Als sie dann in ihrer alten „Heimat“ ankommen, macht sich Verwunderung breit, denn entgegen den Schilderungen von Justin, der den Kult dämonisiert hat, findet Aaron eine Menge Leute, die alle durch die Bank vor allem eines sind: wahnsinnig nett und zufrieden mit ihrem Leben.

Also stimmt entweder Justins Erzählung nicht oder etwas anderes geht hier vor. Was ein paar Vorkommnisse und seltsame Deja vus erklären würde …

Die beiden Hauptdarsteller sind gleichzeitig auch die Regisseure und Justin Benson ist noch dazu der Drehbuchautor. Man merkt dem Film an, dass das Team kein wahnsinninges Millionenbudget zur Hand hatte, was es aber mit wohldosierten kurzen CGI-Momenten und vor allem durch die Beschränkung auf tatsächlich wenig Drehorte wieder wettmacht. Wenn ich zwei Kommentare zur Optik des Films abgeben müsste, dann würde ich sagen: Sieht gut aus. Und: Ein bisschen weniger Drohnenaufnahmen wären schön gewesen (und ich meine keine Luftaufnahmen, sondern Drohnenaufnahme im Sinne von Kamerafahrten mit Drohnen).

Das jedoch primär am Rande, denn bei diesem Film geht es eigentlich um zwei Dinge:
a) Die Atmosphäre und
b) die Geschichte.

Der erste Teil, also die Atmosphäre, die passt. Und zwar von Anfang an. Spätestens, wenn die beiden im Lager bzw. Siedlung des Kults ankommen wird klar, dass dieser Film in erster Linie von schrägen/seltsamen Interaktionen und Verhaltensweisen seiner handelnden Figuren als auch von den damit einhergehenden schauspielerischen Leistungen leben wird müssen – und beides gelingt. Die Atmosphäre ist genau so, dass man sich die gesamte Zeit über denkt, dass hier etwas vorgehen muss, man kann sich aber nicht entscheiden was es ist und ob es gefährlich ist oder vielleicht doch … einfach was anderes.

Hier kommt Punkt 2 ins Spiel, denn dem Drehbuchautor dürfte es ähnlich ergangen sein. Soll heißen: Es kommt per se keine Entscheidung. Sind die netten Leute in der Siedlung wirklich alle nett? Scheint so. Was sind dann diese komischen Visionen? Woher kommen die? Was heißen die? Und was passiert hier?

Nun, sagen wir so: Es gibt einen Grund, warum der Film „The Endless“ heißt. Man hätte ihn auch, „Die Wiederholer“ nennen können. Nicht nur, weil der Film alte Themen aufgreift (und sie streckenweise neu interpretiert), sondern weil das der Story des Films einfach eher gerecht wird. Aus dieser Dynamik des „Wiederholens“ ergeben sich wirklich spannende, coole und streckenweise echt unheimliche (und auch lustige) Momente. Und von diesen lebt der Film. Die Auflösung gegen Ende war dann in meinen Augen nicht wirklich der Hammer und trotz viel Feuer und Flammen ging das Gesamtpaket dann unerwarteterweise in Slapstick (so nenne ich das mal) unter, denn was da passierte war einfach nicht mehr richtig ernstzunehmen, weil jegliches Gefühl der Bedrohung einfach weg war.

Tatsächlich geht es um die Emanzipation eines jüngeren Bruders gegenüber seines älteren Bruders. Diese Thematik wird zwar immer wieder eingebaut, wird jedoch dazwischen immer wieder mal vergessen. Streckenweise wirkt es, als würde die Handlung in eine ganz andere Richtung driften, nur um dann symbolisch die Handbremse zu ziehen und sich wieder auf den Fahrstreifen Richtung Bruderzwist einzuordnen, immerzu darauf wartend wieder auf die Überholspur „Mysterythriller“ ausbrechen zu können.

So ist der Film zwar interessant und spannend anzusehen und das Ende ist auch nicht – wie leider allzu oft – eine Enttäuschung für mich gewesen, aber es war mir seltsam … egal. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl eines Höhepunkts. Der Film plätscherte vor sich hin, war unterhaltsam, spannend und dann … war er vorbei. Es war tatsächlich so, dass ich mir am Ende dachte: „Aha. Interessante Idee.“ Und dann bis zum Schreiben dieser Kritik keine Sekunde mehr darüber nachdachte. Was ja auch schon einiges aussagt.

Tatsächlich ist „The Endless“ eine funktioniernde Mischung, die sich jedoch mit der Erwartungshaltung der Zuseher*innen schwertun wird. Es ist kein Horrorfilm. Es ist keine reine Coming-of-Age-Story. Es ist Sci-Fi. Es ist verkopft. Es mag aber auch emotional sein. Aber das alles irgendwie … so nebenbei. Vor allem auffällig ist das im Mittelteil als die Brüder getrennt sind und der eine den andern sucht. Da kommt es dann zu ein paar „Aha“-Momenten und schrägen Interaktionen, die jede für sich cool sind. In Summe fühlt es sich jedoch nach einem „Ja, … und?“ an. Es ist einfach schwer zu sagen, woran es für mich liegt. Hätte man die Sci-Fi-Elmente für die Geschwister-Story gebraucht? Nein. Umgedreht: Hätte man die Geschwister-Story für die Sci-Fi-Elmemente gebraucht? Nein.

Mir ist schon klar, dass bei vielen Filmen Teile dabei sind, die ohne den anderen funktionieren, aber hier ist es halt wirklich so, dass ich mir am Ende dachte: Das sind jetzt zwei völlig verschiedene und voneinander unabhängige Geschichten/Ideen und ich denke, ich hätte lieber zwei Filme gesehen mit dem Fokus auf jeweils einen Teilaspekt davon, anstatt diese Verzahnung zu haben.

Nichtsdestotrotz hat mir der Film gefallen. Ich denke nur, er wird es in der breiten Masse sehr schwer haben.

„The Endless“ bekommt von mir 7 von 10 Punkten, die man sich ja immer und immer wieder neu verdienen kann.


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