The Dark Pictures Anthology: Little Hope (Game-Review)

Es ist schrecklich was passiert. Die gesamte Familie. Alle tot. Ein Brand und ein paar Unfälle und schon ist nur noch der Sohn der Familie am Leben. Aber auch er läuft ins Haus, vielleicht kann er ja noch jemand retten.

Jahre später: Eine Umleitung. Ein Busunfall. Der Weg in die nächste Stadt, um Hilfe zu holen. Aber es gibt ein Problem: Der Nebel, der sich über die Gegend gesenkt hat, lässt kein Weglaufen zu. Es geht nur in eine Richtung. Und diese führt genau in die Stadt mit dem vielsagenden Namen: Little Hope.

Und was dort vor sich geht oder vor sich ging oder vor sich gehen wird, das wird euch das Blut in den Adern gefrieren lassen …

Wer eine Zusammenfassung der Story von „Little Hope“ schreiben möchte, der oder die wird es schwer haben, wenn er/sie nicht lügen will. Tatsächlich kann ich oben nicht direkter bzw. konkreter sein, denn jedes Wort zu viel wäre ein Spoiler oder eine bewusste Lüge. Und das muss Supermassive Games erst mal jemand nachmachen. Ich bin – offen gestanden – von der Story (die per se in Teilen nicht neu ist) und der Auflösung (ebenfalls ein eigentlich bekannter Twist) absolut positiv überrascht, schlichtweg, weil ich die gesamte Zeit über ziemlich viele Fragen hatte (wie hängt der Anfang mit dem Busunfall zusammen? Was ist los in der Stadt? Warum sehen die sich so ähnlich? und so weiter) und immer wieder versucht habe, zu erahnen, was denn los ist, aber … ich lag weit, ganz weit daneben. Und ich finde das super.

Das Spielprinzip bleibt seinem direkten Vorgänger „Man Of Medan“ gleich und wir tun immer noch ganz genau das gleiche: Verschiedene Personen steuern, Dinge ansehen und/oder mitnehmen, Entscheidungen treffen und Dialoge führen. Aber dieses Mal ist die Sache von Anfang an eine ganze Ecke grusliger als der Vorgänger. Nix mehr mit entspanntem Einstieg. „Little Hope“ legt gleich absolut dramatisch und ziemlich brutal los, nur um dann den Schockfaktor zurückzufahren und auf subtiles Grauen und Unbehagen, pointiert von gut getroffenen und überraschenden Jump Scares, zu setzen.

Und das passt ziemlich gut zum Setting und der Story.

Wir steuern abwechselnd fünf Charaktere, die sich ihren Weg durch Little Hope bahnen, einerseits auf der Suche nach dem verschwundenen Busfahrer und einem funktionierenden Telefon und andererseits auch schlichtweg mit dem Drang wegzukommen und zu überleben. So trifft man im Laufe der Story auf ein paar ziemlich cool designte Kreaturen, die einen dirkten Zusammenhang mit den handelnden Personen haben dürften. Wie oder warum, das ist eine der Fragen, die man sich die ganze Zeit über stellt, da eine Kreatur scheinbar immer primär einen Charakter jagt.

Die Nebelstimmung, die Dunkelheit, die verlassenen und verfallenen Häuser. All das passt gut. Das Gefühl, man würde sich durch eine „richtige“ Stadt bewegen hat man allerdings nie. Dazu sind die Areale einfach auch zu sehr Schlauchlevels, mit der einen oder anderen Abzweigung hier und da. Auch werden, wie ich nach dem ersten Durchspielen feststellen musste, auch nicht alle Spielmechaniken von Anfang an erklärt, aber das gehört bei Supermassive Games ja mehr oder weniger zum Angebot dazu. Du musst das Ding schon mehrmals spielen, damit du alles verstanden und klar im Blick hast. Was ich positiv anmerken möchte: Die Quicktime-Events sind dieses Mal um ein vielfaches fairer geworden.

Man kann „Little Hope“ auch wie den Vorgänger gemeinsam vor der Couch im „Kino-Modus“ spielen und reicht einfach den Controller weiter, oder – was ich sehr empfehle mit einem Freund online, da dies einfach das beste Erlebnis liefert, schlichtweg, weil es die einzige Variante ist, in der man zeitgleich zwei völlig verschiedenen Situationen spielt und ganz ehrlich: Das hat schon was und ich glaube nicht, dass diese Idee jemals alt werden kann.

Einziger Einwand: Wir hatten beim Online-Spielen (interessanterweise erst bei der zweiten Session) ein paar Probleme ins gleiche Spiel einzusteigen. Das ließ sich dann allerdings lösen, dafür gab es ein paar Bugs, welche das Spiel für einen von uns einfrieren ließ und wir mussten neu starten. Ärgerlich, weil das in Momenten der Hochspannung passierte.

Alles in allem ist „Little Hope“ aber für jene, die bereits „Man Of Medan“ mochten, eine Reise wert. Wer mit dem geringen Gameplay und diese Art von Spiel nichts anfangen kann, der oder die wird klarerweise auch hier nicht glücklich werden. Spideragent und ich wurden jedenfalls gut unterhalten und wir freuen uns schon auf den dritten Ableger: „House Of Ashes“, der irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2021 erscheinen soll.

„Litte Hope“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, den Gruselfaktor nach oben schraubende, Punkte.


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