Terminator: Dark Fate (Filmkritik)

Ein ganz normaler Tag in der Arbeit sollte es werden, doch unerwartet wird ihr Bruder gefeuert. Dani Ramos (Natalia Reyes) ist bereits angespannt und dann steht auch noch ohne ersichtlichen Grund ihr Vater vor ihr. Doch es handelt sich um eine Maschine, einen Terminator (Gabriel Luna) geschickt aus der Zukunft, der die Gestalt ihres Vaters angenommen hat, um Dani zu töten.

Im letzten Moment kann die ebenfalls aus der Zukunft stammende Grace (Mackenzie Davis) das Schlimmste verhindern und gemeinsam können sie flüchten. Kurz darauf befinden sich die zwei jedoch in einer ausweglosen Situation, denn der Terminator scheint unaufhaltsam und unzerstörbar zu sein. Kann die plötzlich auftretende Sarah Connor (Linda Hamilton) den Tag retten?

„Dark Fate“ ist der beste Teil des Franchise, denn endlich wird geklärt, warum die aus der Zukunft immer genau nur einen Terminator zurück schicken….ja, das hättet ihr wohl gerne. Laut James Cameron ist dies jedoch nach dem Erstling und dem unerreichbaren Judgment Day, der offizielle dritte Teil (und insgesamt sechste), der die Ereignisse von Rise of the Machines, Salvation und Genisys einfach ignoriert.

Cameron hat ja nach Teil eins und zwei der ganzen Welt der Maschinen eher den Rücken zu gewendet, ist nun aber wieder am Drehbuch beteiligt gewesen und als Produzent mit dabei. Regie führte Tim Miller, der sich mit Deadpool einen Namen gemacht hat. So weit so vielversprechend und nun habe ich zwei Fragen. Untergräbt eine Krise die Bedeutung der alten und was macht von der Formel her, einen Terminator Film aus?

Wie im richtigen Leben gibt es ja bis zum Tod immer neue Krisen zu bewältigen, somit lernt man nie aus und steht immer vor neuen Herausforderungen. Nun ist Sarah Connors Version einer dunklen Zukunft zwar verhindert worden, doch jetzt gibt es eine neue Bedrohung (wieder durch ursprünglich von Menschen geschaffenen Maschinen, wir lernen eben nie dazu). Das macht Sarahs und Johns Kampf in Teil zwei, jedoch nicht rückwirkend unwichtiger.

Kurzer SPOILER: Natürlich kann einem der unspektakuläre Tod von John Connor zu Beginn des Filmes sauer aufstossen, doch das ist eine gefühlsmäßige Sache, die die abgewendete Katastrophe in Judgment Day nicht schmälert und diesem sechsten Teil trotz bekannter Gesichter, einen Neustart ermöglicht. Dass Sarah danach in ein tiefes Loch fällt ist klar, doch ihre Sinnfindung in ihrem weiteren Leben, wird ja hier thematisiert. SPOILER ENDE.

Eine nicht enden wollende Verfolgungsjagd, ein Kampf gegen einen übermächtigen Feind, der niemals aufgibt und immer wieder aufsteht, egal wie oft man ihn niederschießt/sprengt/verschüttet usw., das Klammern an eine auch noch so kleine Hoffnung, dass man den Kampf für eine bessere Zukunft am Ende doch gewinnt. Genau das macht einen Terminator-Film aus und das will man sehen und deshalb ist man (leider) auch falsch wenn man erwartet, hier würden dem Franchise neue Impulse hinzu gefügt.

Dass dir die Action nicht egal wird, das ist die große Kunst und das gelingt hier großartig. Gerade das Zwischenmenschliche ist spannend. Da wäre zunächst mal Grace, die offensichtlich etwas zurück hält und ihren Schützling Dani wohl besser kennt, als sie zunächst zugibt. Dieser Versuch professionelle Distanz zu bewahren, immer effizient zu sein und dann trotzdem teilweise zu verzweifeln, das hat etwas zutiefst menschliches.

Dann wäre da Sarah Connor, die ihre Leere mit dem Töten von Terminatoren zu füllen sucht. Zynisch, dem harten Alkohol nicht abgeneigt und dennoch schafft sie es in Dani ihr früheres Ich wieder zu erkennen. Mein Highlight ist jedoch Carl. Was tut eine Killermaschine, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat? Sich selbst einen neuen Zweck suchen? Nachdenken? Reflektieren? Was er macht bzw. gemacht hat, das solltet ihr am Besten selber sehen. Ich hab ja gelesen, manche fanden das Lächerlich, doch ich finde es genial.

Somit ist klar, dass die an der Action beteiligten Personen, nicht egal sind. Weder auf der Straße, in der Luft, unter Wasser oder in einem Kraftwerk, die Settings und Choreographien der Fights sind gut gewählt und überzeugen in ihrer Wucht auf ganzer Linie. Von den Effekten her, muss ich aber zwei altbekannte Sachen anführen: erstens hört doch endlich, animierte Figuren in der Totale hüpfen zu lassen, das sieht immer unecht aus. Zweitens bitte das künstliche Verjüngen von Personen weglassen, denn das ist wie er Name schon sagt künstlich und stört beim Eintauchen in das Gesehene.

Arnold Schwarzenegger (Maggie) als Carl kommt zwar erst ungefähr zur Hälfte des Filmes hinzu, doch er ist für mich das emotionale Gewissen. Klar, er ist da um Humor in die Gleichung zu bringen, doch die Spannung in der Beziehung zu Sarah Connor, das gefiel mir emotional eindeutig am Besten. Die wird von Linda Hamilton schön wütend und kaltschnäuzig gespielt, eben der Typ Mensch, wo man zuerst durch all die Schutzschichten durchdringen muss, um sie richtig zu erreichen.

Natalia Reyes (Running with the Devil) als Dani ist zunächst das überforderte Opfer, entwickelt aber schon bald eine ausgeprägte kämpferische Ader und ist weit mehr als nur der Spielball zwischen ihren Beschützerinnen. Hauptverantwortlich für den Schutz ist Mackenzie Davis (Blade Runner 2049) und sie ist wirklich eine Kraft, mit der man sich nicht anlegen sollte. Blöd nur, dass sie ständig droht auszubrennen, was sie wiederum sehr verletzlich macht. Gabriel Luna (Gravy) schließlich ist furchteinflössend vor allem deshalb, weil der Kerl einfach niemals stoppt, ohne Rücksicht auf Verluste.

Dark Fate scheint ja an den Kinokassen nicht zu funktionieren und so ist es unwahrscheinlich, dass es im Kino weiter gehen wird. Angeblich soll die Story ja für das Fernsehen umfunktioniert werden um dort fertig erzählt zu werden, doch ich finde das Ende auch hier sehr stimmig. Irgendwer muss nämlich immer weiter kämpfen, doch hier geht es um ein zumindest emotionales Ende für die Figuren der ersten beiden Filme und das ist gelungen.

Ein in typischerweise leicht angreifbarer Blockbuster also? Ja, klare Sache. Ein guter Terminator Film? Auf jeden Fall! Wenn kleine Blicke, Worte und Gesten dich zutiefst lächeln lassen oder dir sogar leicht feuchte Augen verpassen dann ist einfach klar, dass die Filmemacher trotz all des Lärms und der Schauwerte, grundlegend etwas richtig gemacht haben. P.S.: Lieber Arnold, ab jetzt nenne ich dich Carl!

„Terminator Dark Fate“ bekommt von mir 8/10 Grenzen zwischen Mensch und Maschinen aufzeigende und gleichzeitig verschwimmen lassende Empfehlungspunkte.


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