City Of God (Filmkritik)

In der „Stadt Gottes“, ein Gebiet etwa 15 Meilen außerhalb von Rio De Janeiro, herrschen die Gangs. Buscapé ist noch ein kleiner Junge als er durch seinen Bruder die ersten Erfahrungen mit Gangs und mit Verbrechen macht. Es gefällt ihm nicht. Zé Pequeno ist der jüngere Bruder eines anderen Gangsters und anders als Buscapé legt dieser es darauf an ein wirklicher Gangster zu werden, der es bereits als kleiner Junge nicht erwarten kann endlich seinen ersten Menschen über den Haufen zu schießen.

Im Laufe der Jahre wachsen die beiden heran und das Leben in der „Stadt Gottes“ verändert sich. Gangkriege (meist begonnen von Zé Pequeno) prägen den Alltag und immer jüngere Kinder werden in den Strudel aus dem Krieg um Gebiete, Drogen, Macht, Einfluss und Geld gezogen.

Und irgendwo am Rande steht Buscapé und versucht zwischen alle der Gewalt ein halbwegs normales Leben zu führen und (Zeitungs)Fotograf zu werden …

Ich kann nicht mal mehr sagen wie oft ich in den letzten Jahren darauf hingewiesen wurde was für ein großartiger Film „City Of God“ ist. Das erste Mal, dass ich mich bewusst daran erinnern kann war im Jahr 2006 als ein ehemaliger Arbeitskollege gemeint hat: „Guck dir diesen Film an. Punkt.“ Leider hab ich halt dieses Gen, welches mich dazu bringt, immer dann wenn jemand meint, ich MÜSSE etwas tun, dass sich genau das dann irgendwie nie ausgeht. Keine Ahnung woran das konkret liegt.

Jedenfalls habe ich es nun endlich geschafft und mir „City Of God“ ansehen können. Und … Tja. Ich verstehe die absolut positiven Reaktionen und auch den Kultstatus des Films. Der Film beruht auf dem Buch „Cidade de Deus“ (übersetzt eben: Stadt Gottes) von Paulo Lins, der allerdings mehr Kurzgeschichten schreibt, die er aus Interviews mit dort lebenden Menschen zusammengebaut hat.

Der Film nimmt diese Geschichten, reiht sie chronologisch und bringt einen Roten Faden in die Struktur indem er sich im wesentlichen auf das Leben von „Locke“ konzentriert, welches durch die Augen von „Buscapé“ erzählt wird.

Was unterscheidet den Film jetzt von allen anderen Gangsterfilmen? Ganz ehrlich? Nichts. Er spielt eben in diesem „Außenbezirk“ von Rio und die Darsteller*innen sind allesamt aus der Gegend und keine Schauspieler. Das war’s.

Der Regisseur Fernando Meirelles (selbst aus Brasilien, nämlich aus Sao Paulo) hatte bis dahin Kurzfilme und Serien gedreht und einige brasilianische Auszeichnungen für seine Filme bekommen. Mit „City Of God“ hat er seinen Durchbruch geschafft. Sozusagen. Ich behaupte zwar, dass so gut wie niemand andere Filme von ihm kennt, aber zumindest „City Of God“ ist vielen ein Begriff.

Ja, der Film ist brutal. Ja, das Leben in der „Stadt Gottes“ ist vermutlich genauso brutal. Ja, die Dinge, die vorkommen basieren auf wahren Begebenheiten. Ja, es ist ein Wahnsinn, was da passiert. Genau wie bei den Gangsterfilmen in Amerika und/oder Italien und/oder überall anders, wo es keine Hoffnung für die Jugend gibt.

Großartig sind die schauspielerischen Leistungen von allen(!) Beteiligten. Man würde nicht glauben, dass sie keine wirklichen Schauspieler sind, denn sie überzeugen alle auf ganzer Linie. Und „Löckchen“ (also Locke, als er noch klein war) ist der wohl abartigste Kind-Charakter den ich seit Jahrzehnten in einem Film gesehen habe. Hat das Böse ein Gesicht und ein Grinsen und ein Lachen: Das wurde hiermit gefunden.

Zusammengefasst bekommt man gute 2 Stunden Film, bei dem keine Minute vergeht in der man nicht das Gefühl hat, jetzt passiert gleich etwas Schlimmes. Und in 75% der Zeit passiert auch dann genau das. Oder noch schlimmer. Darauf muss man sich halt einlassen und das muss man auch aushalten.

Alles in allem ein sehenswerter spannender Film – vor allem mit der Information, dass die „Zwergenbande“ (ihr werdet wissen, wer das ist) die aktuell (2018) brutalste Gang in der „Stadt Gottes“ sind. Es ist gruselig und ein wenig furchteinflössend, wenn Realität und Film so Hand in Hand gehen.

Meine Frau meinte übrigens, dass der Film in der deutschen Version (sie kennt den Film im Original) schwer entschärft wurde, was die Dialoge betrifft. Aber das kennt man ja auch von fiktionalen Filmen (siehe „Starship Troopers“).

„City Of God“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, brutale, harte und kompromisslose, Punkte.


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