Slender Man (Filmkritik)

Wren (Joey King), Hallie (Julia Goldani Telles), Chloe (Jaz Sinclair) und Katie (Annalise Basso) hören von der Legende des „Slender Man“. Und sie wollen (warum auch immer) beweisen, dass er nicht existiert. Also beschwören sie ihn, ist ja logisch. Durch eine Internetrecherche, die fünf Minuten dauert. Kurz darauf wird die erste von ihnen vermisst und die anderen fühlen sich verfolgt.

Denn der Slender Man ist real und er hat sie als seine Opfer auserkoren …

„Warum?“ Das ist eine Frage, die ich den Produzenten und Drehbuchautoren dieses Films gern stellen würde. Das gilt nicht nur für diesen Film, sondern für alle, die auf Videospielen oder daraus hervorgegangenen Phänomenen, basieren. Warum?

Warum dreht ihr einen Film über ein beliebtes Stück Film/Pop/Internetkultur und dann macht ihr etwas anderes daraus? Wieso? Das ging schon so oft schief, dass man sich langsam mal fragen muss, was die Definition von Wahnsinn ist (Hallo, Vaas!). Echt jetzt. „Hitman„? War kein Hit, man. „Max Payne„? Ja, der hat wehgetan. Die Liste könnte man locker weiterführen.

Und jetzt „Slender Man“. Zugegeben, ich habe „Slender: The Arrival“ für zwei Stunden gespielt und dann war es mir zu langweilig. Ich meine damit nicht, dass ich keine Angst hatte, sondern der Mangel an Interaktionen mit der Umwelt hat mich gelangweilt. Umherlaufen und darauf warten, dass mich etwas erschreckt … danke, das war nicht so meins. Vielleicht muss ich mal nen zweiten Anlauf wagen, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Punkt ist der: Ich habe zwei Stunden gespielt und sogar ich weiß, dass dieser Film hier nicht wirklich was mit Slender Man zu tun hat. Die Figur mag gleich/ähnlich aussehen, aber das war es dann auch schon. Was wir stattdessen hier serviert bekommen ist ein zu einhundert Prozent austauschbarer Monsterfilm, den man in dieser Form schon unzählige Mal gesehen hat. Zeitrafferaufnahmen von Wolken vorm Mond? Check. Momente, die von der Realität in einen Albtraum übergehen und retour? Check. Teenager, die sich gegenseitig anlügen? Check. „Der Anruf kommt aus dem inneren des Hauses“? Check. Schnelle Schnitte mit verstörenden Bildern? Check.

Das war es. Ihr habt den Film schon gesehen. Mehr ist nicht drin. Und das ist schade, denn das Bild dieser Figur (ein gesichtsloser Mann mit extrem langen Extremitäten) ist unheimlich und bedrohlich. Soweit ich mich aus dem Spiel erinnere ist es so: Wenn du ihn zu lange ansiehst, dann hat er dich. Vielleicht wäre das später gekommen, aber ich erinnere mich nicht an Visionen, Stimmen und schon gar nicht daran, dass der „Slender Man“ mit seinen Opfern gespielt hätte. Du siehst ihn zu lange und „Aus Maus“. Hier wird er wie ein Freddy Krueger für Arme aufgebaut. Kommt gar nicht gut.

Die SchauspielerInnen haben mein Mitleid, denn die geben (von Jaz Sinclair abgesehen) ihr Bestes. Auch spannend fand ich die Verlagerung der Hauptfigur von Wren auf Hallie im Laufe des Films (wolltet ihr einen Hitchcock ziehen, hm, wertes Drehteam?), da ich Hallie von Anfang an mehr mochte. Und warum, zum Kuckuck, castet man Annalise Basso („Captain Fantastic„, „Ouija: Origin Of Evil„), wenn sie nach fünf Minuten Screentime weg vom Tisch ist? Schade. Wirklich schade.

Um fair zu bleiben: Für Teenager, die noch nie einen Horrorfilm gesehen haben und den Slender Man nicht kennen … für die mag dieser Film hier spannend und cool sein. Der Film ist nicht dümmer als andere Horrorfilme dieser Art und er ist auch wirklich sehr gut gemacht. Die Optik des Films ist stimmig, das Schauspiel stimmt zum großen Teil und das Drehbuch für Menschen, die zum ersten Mal einen Horrorfilm sehen, sicher überraschend und spannend (abgesehen davon, dass der Ort an dem der Film spielt wirklich, wirklich klein zu sein scheint. Ein Wald und drei Häuser? Mehr gibt es da nicht?).

„Slender Man“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, wer noch nie einen Monster-Dämonen-Creature-Horrorfilm gesehen hat kann gut mindestens 2 Punkte draufschlagen, Punkte.


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