Anna und die Apokalypse – Anna and the Apocalypse (Filmkritik)

Anna (Ella Hunt) hat Pläne. Sie will nach der Schule die Welt bereisen und zwar beginnend mit Australien. Danach kann sie sich dann entscheiden, was sie studieren wird bzw. welche Karriere sie anstrebt. Diese Idee gefällt ihrem Vater herzlich wenig, ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) unterstützt ihren Plan zwar offiziell, ist insgeheim jedoch in sie verliebt und hätte sie lieber an seiner Seite.

Das alles und alle sonstigen Teenager-Probleme rücken jedoch plötzlich in den Hintergrund, als eine Seuche immer mehr Menschen in Fleisch fressende Zombies verwandelt. Es wird Zeit seinen Kampfgeist zu entdecken, sich die richtigen Verbündeten zu suchen und freilich dabei auf eines nicht zu vergessen: die eigenen Gefühle mit passenden Songs auszudrücken!

So ganz finde ich das Marketing dieses aus England stammenden Filmes von John McPhail (Where do we go from here?) nicht gelungen und das ist im Grund nicht einmal eine negative Aussage. Eine Mischung aus Shaun of the Dead und La La Land? Ein guter Laune Zombie Film? Natürlich ist die Idee eines Zombie-Musicals schräg und lässt sich nur sehr schwer durchgehend ernst inszenieren, um genauer zu sein hinterlassen jedoch einige Tode einen echt traurigen Nachgeschmack. Man fühlt sich danach einfach leer.

Besonders beim Finale dachte ich mir, dass das nun ganz leicht wie ein Drama enden könnte. Es gibt dann schon auch noch Hoffnung, doch angesichts der Ereignisse haben die fröhlicheren Songs zu Beginn des Abenteuers, durchaus einen bitteren Nachgeschmack. Ein „gute Laune Film“ ist dies somit in Ansätzen und mehrfach durchaus, doch hat dieser Spaß immer einen ernsten Hintergrund, der so von den Betroffenen eben verarbeitet wird.

Dass Figuren nicht egal sind und deren Schicksale durchaus auch weh tun, wirkt ebenfalls gegen den reinen Spaß. Dafür ist klar, dass die Charaktere richtig geschrieben wurden und von den Darstellern auch gekonnt zum Leben erweckt wurden. Der Wechsel von lustig auf ernst entspricht ja dann doch wieder sehr dem realen Leben und vielleicht macht genau das die Bindung zu den Figuren aus, das Reale, trotz alle der Zombies.

Gespräche wie „Justin Bieber ist ein Zombie“ oder „Iron Man kann nicht tot sein“ (bezogen auf seinen Darsteller Robert Downey Jr.) bringen eine Metaebene ins Spiel und lassen die Sache global erscheinen, doch im Prinzip ist es die Story von Anna. Sie will reisen vor dem Studieren, sich nicht den Weg von anderen bestimmen lassen. Sie schätzt einige Menschen in ihrem Leben, doch gleichzeitig bremsen sie sie auch. Eine Auszeit muss her, aber eben nicht unbedingt in Form von Zombies.

Die Songs an sich sind gut geschrieben und auch gesungen, drücken unausgesprochene Gefühle aus und rufen so unterschiedlichste Emotionen hervor. Ich bin nicht ein klarer Fan solcher Filme mit viel Gesang, doch hier gibt es dem Zombie-Genre doch wieder einen frischen Touch – eben der Mix der Genres – wie es etwas auch Warm Bodies oder The Rezort geschafft haben. Die extremere Gewalt passiert entweder offscreen oder ist überzeichnet, somit ist sich eine Freigabe ab 16 ausgegangen und die blutigen Szenen passen zum Genre und zum Film an sich.

Ella Hunt (Kat and the Band) kannte ich bisher nicht. Als Anna macht sie einen hervorragenden Job, vor allem weil sie nie viel sagen muss und man weiß dennoch genau was los ist, wenn man ihr ins Gesicht sieht. Singen kann sie auch noch und sie wirkt sehr natürlich bei den unterschiedlichsten Aktionen. Alle anderen Jungstars haben es ebenso drauf, erwähnen möchte ich aber noch einen älteren. Paul Kaye (Dracula Untold) als Direktor ist einfach ein herrlich Gefangener seiner eigenen Art, die immer manischere/unmenschlichere Züge annimmt.

Insgesamt also ein Film, den ich als Abwechslung im Zombie-Genre sehr geschätzt habe und auch viele der Darsteller gerne wieder sehen würde. Reine gut Laune gibt es hier dann nicht, darüber sollte man sich klar sein, die Erwartungshaltung ist wieder mal der Schlüssel (deshalb: unstimmiges Marketing hier und der Nachspann ist irgendwie zu gewollt lustig). Ansonsten witzig, traurig, zum Mitsingen einladend und weit weniger brutal als es möglich gewesen wäre. Plus ein wenig Hoffnung am Schluss, schon ist der Tag gerettet…

„Anna und die Apokalypse“ bekommt von mir 7/10 gegen das Sterben der ausgesprochenen Gefühle ansingende Empfehlungspunkte.


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