Unsane: Ausgeliefert (Filmkritik)

Sawyer Valentini (Claire Foy) ist gerade in eine neue Stadt gezogen und hat sich einen tollen Job geangelt. Eigentlich könnte sie glücklich sein wie sich ihr Leben entwickelt hat, doch leidet sie noch immer unter einem Stalker, der ihr bis vor kurzem noch, das Leben zur Hölle gemacht hat. Darum begibt sie sich für ein Gespräch, in eine psychiatrische Anstalt.

Ohne ihr Wissen unterzeichnet sie dabei Dokumente, dass sie freiwillig 24 Stunden unter Beobachtung in der Einrichtung bleibt. Sie fügt sich schließlich unter Protest, doch plötzlich steht ihr Stalker (Joshua Leonard) als Pfleger vor ihr, unter anderem Namen. Ist Sawyer´s Geist doch mehr angeschlagen als sie zunächst dachte und spielt ihr nur einen Streich, oder hat ihr Peiniger sie wirklich gefunden und sie hat sich ihm regelrecht ausgeliefert?

Regisseur Steven Soderbergh (Contagion, Magic Mike, Logan Lucky) ist ja für seine Vielseitigkeit bekannt und auch für seine Freude daran, etwas Neues auszuprobieren. Sein Film „Unsane“ aus dem Jahr 2018, wurde sozusagen als Experiment vollständig mit einem iPhone 7 Plus in 4K gedreht. Was somit hier fehlt, ist der typische Hollywood-Look. Was dabei entsteht, ist ein fast dokumentarischer Stil mit interessanten weil sich anders anfühlenden Kameraperspektiven.

Im Prinzip ist dies von der Story her ein B-Movie, von der Machart her mit einem eindeutigen künstlerischen Anspruch versehen und einer überragenden Darstellerin im Zentrum der Handlung. Ich weiß ja nicht wie weit das in Amerika wirklich so funktioniert, aber am Unheimlichsten finde ich klar die Tatsache, dass die Dame hier förmlich herein gelegt wird. Nach dem Beratungsgespräch brav Formulare ausfüllen, das ist Standard. Aber das Kleingedruckte muss man dabei freilich nicht lesen.

Schon sitzt man fest, auch die Polizei kann auf Grund der freiwilligen Unterschrift nichts tun, ist ja immerhin für die geistige Gesundheit und zum eigenen Schutz. Wer sich zu sehr aufführt, der wird sediert. Ebenfalls zum Schutz, von sich und anderen Patienten/Pflegern versteht sich. Man wird möglichst lange hier behalten und zahlt dann die eigene Versicherung nicht mehr, dann wird man als geheilt entlassen. Klingt vielleicht nach Fantasie, doch die Bedrohung wirkt real.

Man ist als Zuschauer klar au Sawyer´s Seite und denkt darüber nach, wie man selbst in dieser Situation agieren würde. Das ist der beste Trick des Filmes für mich. Der Stalker lässt sie und uns dann daran zweifeln, ob die Sache trotz der Umstände, nicht vielleicht doch das Beste für sie ist. Aber damit hält sich Soderbergh nicht lange auf, sondern widmet sich lieber dem Psycho-Duell zwischen Opfer und Täter, was zu einem wahren Kräftemessen ausartet.

Claire Foy (Verschwörung) entwickelt sich für mich immer mehr zu einer Leading Lady, die man in allen möglichen Genres einsetzen kann. Als Sawyer gefällt mir am Besten an ihr, wie ungebrochen ihr Kampfgeist während ihrer gesamten Tortur bleibt und wie nachvollziehbar/natürlich ihre Wut und Verzweiflung vermittelt wird von ihr. Wenn sie dann verbal richtig loslegt, dann ist das großes Kino, das muss man so mal überzeugend spielen können.

Joshua Leonard (The Blair Witch Project) als Antagonist ist lange Zeit über, das genaue Gegenteil von ihr. Er zeigt wenig Gefühlsregungen, selbst seine Liebesbekundungen spiegeln nur seine manische Suche nach Bestätigung wieder. Gerade diese stoische Art macht ihn dann zu einem unangenehmen Zeitgenossen, der Kontrast zur Heldin erzeugt knisternde Spannung und man hofft einfach, dass der Kerl endlich bekommt was er verdient.

Für mich ist diese Art zu Filmen sicherlich nicht massentauglich, doch als Experiment ist die Sache gelungen und verleiht dem Film technisch und atmosphärisch eine Eigenständigkeit, die man mit normalen Kameras sicher nicht erreichen hätte können. Unangenehm, unheimlich, Genre Klischees bedienend, mit einer gut geschriebenen und toll gespielten Heldin versehen. Feine Sache, doch jetzt bitte wieder eine technisch ansprechendere Optik wählen, danke Mister Soderbergh! P.S.: das Ende ist doch sehr abrupt geraten, das hat mir weniger gefallen.

„Unsane“ bekommt von mir 7/10 den eigenen Geisteszustand nie 100 prozentig richtig einschätzen könnende Empfehlungspunkte.


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