Contagion (Filmkritik)

Von einem Geschäftsausflug nach Hongkong kehrt Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) krank nach Minneapolis zurück. Bald erkrankt auch ihr kleiner Sohn und kurz darauf sind beide tot, während Ehemann Mitch (Matt Damon) überhaupt keine Symptome zeigt. Der Internetblogger Alan Krumwiede (Jude Law) stellt früh eine Verbindung zu ähnlichen Todesfällen in Tokyo, Hongkong und Chicago her. Der Seuchenexperte der US-Regierung, Dr. Ellis Carver (Laurence Fishburne), beordert Dr. Erin Mears (Kate Winslet) nach Minneapolis, wo sie mehr über eine mögliche Virus-Epidemie herausfinden soll. Unterdessen schickt der Leiter der Weltgesundheitsorganisation Damian Leopold (Armin Rohde) Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) auf die Suche nach dem möglichen Ursprung nach Hongkong. Schnell wird allen klar, dass ein gefährliches Virus im Umlauf ist, das weltweit immer mehr Todesopfer fordert. Während Carvers Mitarbeiterin Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) mit ihrem Team verzweifelt nach einem möglichen Gegenmittel forscht, löst das sich immer rapider verbreitende Virus in Verbindung mit den Verschwörungstheorien von Krumwiede eine zweite Seuche aus, die noch viel schlimmere Folgen hat: Massenpanik!!!

Contagion

Kontrolle ist in unserer Zeit etwas extrem wichtiges. Verlust der selbigen kann schnell in Chaos und einer riesigen Katastrophe enden. Wie schnell die ganze Welt in den Abgrund stürzen kann, zeigt uns Steven Soderbergh in einem starbesetzten, sehr realistisch anmutenden Bazillen-Drama. Dabei verzichtet er auf eine klassische Effekthascherei und erzählt stattdessen so unaufgeregt, dass es teilweise wie eine Dokumentation anmutet. Man sieht als Zuschauer sehr viele Einzelschicksale in einer Welt, die schlicht und einfach aus den Fugen gerät.

Der Film beginnt mit den Geschehnissen von Tag 2, sodass man als Zuschauer anfangs noch im Unklaren über die Herkunft der Seuche ist. Ist sie menschengemacht, eine Laune der Natur, oder ein Akt des Terrorismus? Erst nach und nach wird der Lauf der Epidemie chronologisch aufgeschlüsselt und zwar anhand vieler Einzelschicksale an verschiedenen Orten – verteilt über den ganzen Globus.

Soderbergh bedient sich so gut wie nie bei Nachrichtensegmenten als Erzählmittel, was dem Film das reißerische, nach Aufmerksamkeit heischende im Vorherein ein wenig nimmt. Stattdessen zeigt er Bilder von Menschen, die in Häuser einbrechen, Apotheken wegen der Hoffnung auf ein Wundermittel plündern – Menschen die in der Not ihre Menschlichkeit verlieren. Soderbergh zeigt ein Mosaik aus den individuellen Erfahrungen seiner vielen und sehr unterschiedlichen Figuren, die alle auf ihre eigene Weise mit der Seuche fertig werden müssen und auch alle ihren eigenen Zweck erfüllen. Jedes Mal wenn der Ort gewechselt wird gibt uns Soderbergh eine Einblendung mit auf den Weg. Der wievielte Tag des Ausbruchs, wie viele Todesopfer auf wie viele Einwohner gibt es. All dies mutet sehr nüchtern an und schafft für eine kurze Zeit wieder eine Distanz zwischen Film und Publikum.

Der Cast ist ebenso zahlreich wie berühmt. Da ist der von Matt Damon („Die Bourne Identität“) verkörperte Familienvater, der wie durch ein Wunder selbst immun ist, und nun mit allen Mitteln versucht, seine Tochter vor der Ansteckung zu schützen. Jude Law („Sherlock Holmes“) spielt absolut überzeugend den arroganten Verschwörungstheoretiker, schlussendlich aber nicht das Wohl der Menschheit, sondern seine Einschaltquoten im Sinn hat. Letztlich trägt er sogar eine Mitschuld daran, dass es zu Panik und Plünderungen kommt – wofür er auch strafrechtlich belangt wird. Einen besonderen Akzent legt Soderbergh auf die vielen kleinen Helden, die inmitten der Krise großen Mut beweisen. Helden wie Laurence Fishburnes Carver, der zum Sündenbock wird, weil er seine Frau (Sanaa Lathan) vorwarnt, der aber trotzdem entscheidenden Anteil an der Bekämpfung der Seuche hat. Oder die von Jennifer Ehle herausragend verkörperte Wissenschaftlerin, die schließlich sogar zum lebensgefährlichen Selbstversuch antritt.

Fast im Minutentakt trifft man neue bekannte Gesichter und ich ertappte mich mehr als einmal bei dem Wunsch, bei diesem Teil der Erzählung ein wenig länger verweilen zu wollen. So wie etwa im Fall der Storyline von Marion Cotillard („La Vie En Rose“). Sie ist über so lange Teile des Films abwesend, dass man sich bei ihrem plötzlichen Wiederauftauchen kaum noch an ihr dramatisches Schicksal erinnern kann.

Man muss Soderbergh fast ein wenig gratulieren, denn er schreckte auch nicht davor zurück einige Stars gleich mal zu Beginn abkratzen zu lassen. Doch so ist nun mal das Leben, es kann jeden treffen und da muss halt nun mal Gwyneth Paltrow nach geschätzten 15 Minuten auf dem Bildschirm das Zeitliche segnen.

Was den Film so mitreißend macht ist die Prämisse: „Was hier gezeigt wird, könnte wirklich passieren!“ Dies regte zumindest mich zum nachdenken an und in meinem Kopf spann ich mir selbst einige was wäre wenn Szenarios zurecht. Der Film würde nicht halb so gut funktionieren, wenn er nicht so Realitätsnah wäre.

Fazit: „Contagion“ ist ein etwas anderer Katastrophenfilm: Obwohl er seinen Schauplatz rund um den Globus verteilt hat und den Ausbruch einer verheerenden Epidemie thematisiert, erzielt Steven Soderbergh gerade durch die Schilderung der Schicksale vieler einzelner Menschen einen gewissen Realismus und eine dramaturgische Dichte.

Contagion bekommt von mir 7/10 hoch ansteckende Empfehlungspunkte.


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