Chronicle – Wozu bist du fähig? (Filmkritik)

Die Teenager Andrew (Dane DeHaan), Steve (Michael B. Jordan) und Matt (Alex Russell) machen auf einem Rave eine äußerst ungewöhnliche Entdeckung. In einem Krater finden die Drei ein in der Erde vergrabenes, leuchtendes Objekt, dass ihnen schon kurz nach der Begegnung ungewöhnliche Kräfte verleiht. Anfangs völlig überrascht von ihren neuen Fähigkeiten, probieren sich die Jugendlichen erst einmal aus und treiben ihre Späße. Doch aus dem Spaß wird schnell bitterer Ernst, als Andrew seine Macht zu Kopfe steigt….

Chronicle

Chronicle ist das neueste Werk in einer Reihe von Found-Footage-Filmen. Hier schafft es Newcomer-Regisseur Josh Trank mit einem geradezu mageren Budget von 12 Millionen einen optisch schön anzusehenden Film auf die Beine zu stellen, der anders als einige Vorgänger dankenswerterweise auf ein Vorwort verzichtet, das die Echtheit des Filmmaterials versichert, denn das wäre meines Erachtens dann doch ein wenig albern gewesen.

Trank, der sowohl Regie führte, als auch gemeinsam mit Max Landis Schreiber des Drehbuches war, hat nach etwa 20 Minuten Laufzeit einen Twist eingebaut, der die Beschränkungen des Genres ein wenig sprengt, indem die Hauptfigur die Kamera telekinetisch schweben lässt und so das Blickfeld der Zuschauer deutlich erweitert und auch Andrews Charakter Screentime gibt, durch dessen Perspektive der Film erzählt wird. Auch werden Szenen von anderen Kameras und Mobiltelefonen nahtlos eingefügt, wodurch der Regisseur einige kreative Perspektiven einbauen konnte. Als positiver Nebeneffekt hielt sich meine durch Wackelkamera bedingte Übelkeit und Kopfschmerzsymptomatik in Grenzen.

Aber warum dieses Genre? Das lässt sich wohl am Besten durch extrem niedrige Produktionskosten erklären und da Filmstudios meistens Dollarzeichen in den Augen haben, ist es ein logischer Schritt Filme zu produzieren, die eine sehr große Gewinnspanne haben. So hat „Chronicle“ mit 120 Millionen Dollar schon ein vielfaches seiner Produktionskosten eingenommen.

Vorgestellt bekommt man anfangs Klischee-Charaktere, wie man sie schon viele male gesehen hat: Andrew den Loser (der alle Risikofaktoren zum Amoklauf in seinem Leben hat), Matt den Stoner, der eigentlich blitzgescheit ist und Steve, den beliebtesten Jungen der Schule. Ein Team wie es unwahrscheinlicher kaum sein könnte, aber die gemeinsamen Erlebnisse schweißen die 3 ungleichen Teens zusammen.

Andrew Detmer (Dane DeHaan) wird gleich zu Beginn als der typische Loser vorgestellt. Seine Mutter ist schwerkrank, sein Vater (Michael Kelly) ein alkoholabhängiger Schläger und auch in der Schule scheint es so ziemlich jeder auf den Filmschaffenden abgesehen zu haben. Gemeinsam mit seinem Cousin Matt Garetty (Alex Russell) geht er auf einen Rave, natürlich hat er auch hier die Kamera dabei – kein Wunder, dass er sich dort nicht besonders wohl fühlt. Doch dann entdecken er, sein Cousin und der beliebteste Kerl der Schule, Steve Montgomery (Michael B. Jordan), ein seltsames Objekt, dass ihnen Superkräfte verleiht.

Anfangs haben die 3 noch ihren Spaß gemeinsam, testen ihre Grenzen aus und es macht wirklich Spaß ihnen beim Trainieren und Schabernack treiben zuzusehen. Wenn sie zum ersten Mal zu fliegen probieren, aber anfangs konstant auf die Fresse fliegen, kann man gar nicht anders als mit zulachen. Dann fliegen schon mal die Röcke von Cheerleadern hoch, oder ein Auto wird flugs auf einen anderen Parkplatz gestellt – sehr zur Verwirrung des Autofahrers. Insbesonders Andrew blüht auf, wird selbstbewusster, aber durch einen Ausrutscher merkt man, dass in Andrew durchaus eine dunkle Seite schlummert (Ich weiß in diesem Moment haben viele von euch Peter Parkers Onkel im Ohr, der etwas wie „With great power comes great responsability“ flüstert – und er hat Recht), der dann zu einem fulminanten Showdown im Stadtzentrum von Seattle führt.

Aber wie lange kann es ein Average Joe, also ein durchschnittlicher Normalo schaffen, seine Macht nicht zu missbrauchen? Wie lange kann man den Machtrausch kontrollieren? Man merkt im Film wie schnell es gehen kann, dass man sich für mehr als die anderen hält – ein Thema, das auch schon in den „X-Men“-Filmen vorkam und Anlass zum Grübeln gibt.

Fazit: Was Josh Trank hier mithilfe von weitestgehend unbekannten Darstellern – hier seien nochmals Dane DeHaans als Andrew und Michael Kelly als brutaler Schläger lobend erwähnt – als sein Leinwand-Debüt abliefert, kann sich durchaus sehen lassen. Und wie man hört, darf man sich schon auf Teil 2 freuen. Da schmerzt auch der deutsche Beititel nicht ganz so sehr.

„Chronicle“ bekommt von mir 7/10 teilweise erschreckend realistischen Punkten.


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