Best of Worst Case: Insecticidal (Filmkritik)

Cami ist knappe 20 Jahre alt, lebt in einer Studentenbude und studiert Biologie. Ihre Generalthese lautet: „Insekten beherrschten einst die Welt und sie waren riiiiesengroß“. Um das zu beweisen züchtet sie in ihrem Zimmer(!) Insekten und macht dort(!!) Experimente(!!!) mit ihnen, um die brach liegenden Gene wieder zu aktivieren. Allerdings hauen die Viecher hin und wieder ab und wie es das Drehbuch so will, stört ein entflohener Skorpion die „böse“ Mitstudentin Josi beim Beischlaf.

Woraufhin diese alle Tierchen (Skorpione, Käfer, eine Gottesanbeterin, etc) von Cami mit Insektenspray vernichtet. Allerdings hat der Spray den negativen Effekt, dass die Tiere nicht tot sind, sondern zur Übergröße mutieren und artübergreifend(!!) „beschließen“ zusammenzuarbeiten(!!), um alle BewohnerInnen des Studentenhauses zu Nahrungszwecken zu missbrauchen … und wer weiß, vielleicht danach die Welt zu unterjochen …

Insecticidal(Leider gibt es keine brauchbaren, größeren Bilder von „Insecticidal“ im WWW zu finden.)

Das Insecticidal (auch bekannt als: „Killer Insekten“, „Acoraphobia: Cami – Königin der Insekten“ oder „The Bug – Aufstand der Insekten“) einer jener Filme ist, die man unter der Kategorie „So schlecht, dass er schon wieder gut ist“ verbuchen muss, ist wohl bereits allen Lesern dieser Zeilen klar. Trash as Trash can. Aber auch bei Trash-Movies gibt es solche, die man sich schlichtweg nicht ansehen kann, weil einem dabei das Gehirn durchbrennen würde und wieder andere, die genau deswegen Spaß machen. „Insecticidal“ gehört klar in die letzte Kategorie.

Wer sich einen Film wie diesen ansieht, der erwartet keine schauspielerischen Glanzleistungen, sondern grundsolide, oberflächliche, dem Zuseher aufs Auge gedrückte, Darstellungen. Beispiele:
Cami ist intelligent. Warum der Zuseher das weiß? Sie hat eine Brille und geht nicht gleich mit jedem ins Bett. Außerdem kann sie lateinische Worte aussprechen (deren Bedeutung sie sicher nicht kennt).
Josi ist eine böse, sexsüchtige Wohnheimbeherrscherin. Warum wir das wissen: Sie hat gleich in der ersten Filmszene Sex und noch dazu mit „Rollenspielanteilen“.
Die Austauschstudentin aus „Japan/Korea/asiatisches Land einfügen“ kann klarerweise mit Sai umgehen und Kung-Fu. Habe ich das Wort „Klischees“ gehört? Richtig. Und hier werden sie alle erfüllt und noch dazu wirken die Darsteller als hätten sie Spaß dabei.

Vor allem Meghan Heffern (Cami), Samantha McLeod (Camis Schwester Sophi, oben im Bild) und Rhonda Dent (die böse Josi) merkt man an, dass sie genau wissen, in was für einer Art Film sie hier mitspielen und dass sie dabei offensichtlich Spaß hatten. Von den Männern ist Travis Waters als strohdummer Loverboy ein Genuss. Die Kurzauftritte der meisten Darsteller – die wenigsten leben lang genug um über ein paar Sätze hinauszukommen – bleiben oberflächlich, fallen aber keineswegs negativ auf.

Das Drehbuch und die Dialoge – die sind der wahre Schatz dieses Films. Schon Leslie Nielsen (Möge er in Frieden ruhen) hat gesagt: „Das Geheimnis von Komik ist, dass man dabei völlig ernst bleiben muss.“ Und genau da spielt „Insecticidal“ seine Stärken aus. Da die Darsteller ihre Sache ernst und gut machen, ist die absurde Szenenfolge und die Art, wie die Szenen gemacht wurden umso unfreiwillig treffsicherer.

Beispiele gefällig?
* Person X wird während des Duschens von einerm Riesenskorpion gekillt und zerstückelt(!).
* Eine Bewohnerin mutiert langsam zu einem Zombie-Insekt und niemand merkt es …
* Die Insekten wollen durch die geschlossene Tür in den Raum eindringen, in welchen die „Heldinnen“ geflüchtet sind. Dann die Idee der Heldin: „Wir sollten sie zu uns locken!“ Antwort: „Gute Idee! Aber wie?“ … Lest den ersten Teil nochmals: Die Insekten wollen(!) durch die geschlossene Tür in den Raum eindringen(!). Frage: Zu uns locken? WIE? … muss ich noch mehr schreiben?

Wer solche Szenen nicht witzig findet, oder nicht hin und wieder einen schlechten Film sehen muss, um einen guten Film schätzen zu können, sollte einen großen Bogen um „Insecticidal“ machen.

Wer aber mit Dosenbier an einem netten Abend einen irren, mit absolut schrecklichen CGI-Insekten gemachten Film sehen will, der mehr (unfreiwilligen) Humor und Witz inne hat, als die letzten „Epic / Superhero / Date / usw“-Movies zusammen, der oder die muss hier reingucken. Zumal man sich bei „Insecticidal“ auch nicht über verschenktes Potential ärgern muss – der Film hat einfach keines, das er verschenken könnte.

Und bevor ich es vergesse: Unbedingt in der Originalversion ansehen. Die deutsche Synchro macht nicht mal Masochisten Spaß (seltsames Mikrofonpfeifen im Hintergrund und noch dazu mies übersetzt).

„Insecticidal“ bekommt von mir auf einer „so schlecht, dass er schon wieder gut ist“-Skala von 0 bis -10 eine glatte – 8,5. Sehr viel besser kann ein schlechter Film nicht mehr sein. Wenn ihr versteht, wie ich das meine.


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