A United Kingdom (Filmkritik)

Der Prinz von Bechuanaland (später Botswana), Seretse Khama (David Oyelowo), verliebt sich während eines Auslands-Semesters in die Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike). Schnell entstehen Heiratspläne, doch die beiden haben nicht damit gerechnet, von allen Fronten wegen ihrer Liebe angefeindet zu werden…

In letzter Zeit sehe ich immer häufiger Filme über an sich (zumindest mir) unbekannte Personen, die in der Vergangenheit aber großartiges geleistet haben. Da fallen mir auf Anhieb „Hidden Figures“ und „Loving“ ein, die sich beide mit dem Thema Rassendiskriminierung auseinander setzen.

Auch in „A United Kingdom“ ist die Rassentrennung ein sehr präsentes Thema. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Ruth und Seretse Khama. Sie weiß anfangs nicht, dass er ein afrikanischer Prinz ist und schnell verlieben sie sich. Doch nicht nur sein eigenes Volk hat hier etwas dagegen einzuwenden, sondern auch die britische Regierung.

Wie bei mir so üblich begann ich nach dem Sehen eines biografischen Films gleich mal damit, zu recherchieren um zu sehen, wie sehr sich der Film an die wahren Begebenheiten hält. Und ich muss sagen, wenngleich die Liebesgeschichte interessant und natürlich inspirierend ist, hätte ich mir gewünscht, etwas mehr von dem Einfluss, den Seretse Kama auf die Geschichte des Landes gehabt hat, zu sehen. Immerhin hat er abgedankt um demokratische Wahlen zu erreichen und hat ein eigenes Land erschaffen. Eine solche Leistung sollte mehr verdienen als zwei Textzeilen am Ende des Films.

Rosamund Pike (Gone Girl) als Ruth hat ein Dauergrinsen aufgesetzt, das stellenweise deplatziert und aufgesetzt wirkt. Leider bekommt sie nicht sehr viel zu tun und interessante Aspekte wie die Eingewöhnungsphase von Ruth, oder was sie in der Abwesenheit ihres Mannes so getan hat werden nur kurz angeschnitten oder gar nicht gezeigt. Schon klar, da kann Pike nichts dafür, aber nichts desto trotz verabsäumt sie es, diese unglaubliche Frau im Film echt erscheinen zu lassen. Was wohl auch daran liegt, dass man Ruth nicht gut genug kennen lernt, bzw wird diese komplexe Person zu „vereinfacht“ dargestellt. Es wirkt als ob man nur die Überschriften eines Wikipedia-Beitrags abarbeiten würde.

David Oyelowo (Nina) darf als Seretse viele Reden schwingen, die allerdings eher unspektakulär wirken, weil dem Schauspieler hier stellenweise das nötige Charisma fehlt, was erstaunlich ist, nachdem er in „Selma“ glaubwürdig Martin Luther King verkörperte. Die feurige Unterstützung seiner Untertanen kommt daher aus dem Nichts. Seine Zuneigung zu Ruth nimmt man ihm aber auf jeden Fall ab, wenngleich die alles überwindende Liebe, die das echte Paar wohl für einander empfand, nur bedingt spürbar ist. Wovon ich gerne mehr gesehen hätte, sind Szenen wie die, in denen er seinen Untertanen das Recht sichert, über ihre eigenen Bodenschätze verfügen zu können.

Jack Davenport (Kingsman: The Secret Service) als Sir Alistair Canning ist ein stereotypischer Bösewicht und fast erwartet man, ihn dabei zu erwischen, dass er seinen Schnurrbart zwirbelt und dabei hämisch lacht. Tom Felton (Harry Potter and the Deathly Hallows: Part 2) als Rufus Lancaster war in dieser Rolle komplett austauschbar, denn sein Charakter war NUR böse und schadenfroh. Irgendwie erwartete ich bei einem doch relativ bekannten Schauspieler eine größere Rolle.

Fazit: Gut gemeint, aber nur mittelmäßig umgesetzt. Ich bin Filmen wie diesem dankbar, dass ich angeregt werde, mich selber mit solch faszinierende Personen der Geschichte auseinander zu setzen, die die Welt in der sie lebten so entscheidend geprägt haben.

Dieser Film bekommt von mir 6/10 Kontinente überwindende Punkte.


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