Das Morgan Projekt – Morgan (Filmkritik)

Lee Weathers (Kate Mara) ist Risikomanagerin, sie analysiert für ihre Bosse Gefahren bei diversen Projekten und entscheidet dann, ob die Kosten oder die Nutzen größer sind. Abhängig von ihrer Einschätzung, werden auch Experimente storniert, an denen jahrelang gearbeitet wurde. Aktuell wird sie zu einer abgelegenen Forschungseinrichtung zitiert, wo unter der Leitung von Doktor Ziegler (Toby Jones) und Doktor Cheng (Michelle Yeoh), etwas ganz spezielles erzeugt wurde.

Morgan (Anya Taylor-Joy) ist ein künstlich geschaffener, menschlicher Hybrid. Extrem intelligent, schnell wachsend und mit der Fähigkeit ausgestattet, menschliche Emotionen zu empfinden. Da sie jedoch ohne ersichtlichen Grund eine Wissenschaftlerin verletzt hat, soll Lee nun abklären, ob Morgan umgebracht werden soll. Für viele der Doktoren ist Morgan jedoch schon längst mehr geworden als nur ein „es“, mehr als nur ein künstliches Wesen…

Bei „Morgan“ handelt es sich um eine britisch-amerikanische Koproduktion und gleichzeitig das Regiedebüt von Luke Scott, dem Sohn von Regielegende Ridley Scott (Alien, Gladiator, Der Marsianer), der hier auch als Produzent fungiert hat. Kritiker waren nur wenig begeistert von dem Film, ständig wurden Vergleiche mit Ex-Machina in den Raum gestellt, der eine ähnliche Thematik scheinbar viel besser behandelt hat. Wenngleich ich Morgan selbst nicht als genial bezeichnen würde gibt es jedoch einiges, was ich doch ziemlich gelungen fand.

Neu ist das Konzept freilich nicht. Ein künstlich geschaffenes Wesen dem beigebracht wird, was es heißt „menschlich“ zu sein. Egal ob zusammen gebastelter Klon, Maschine oder Alien, die Film- und Buchwelt hat uns gelehrt, dass so etwas immer schief geht. Hinzu kommt die moralische, philosophische – oder wie auch immer man sie bezeichnen möchte – Frage, was Leben ausmacht, wie man mit dem Geschaffenen umgeht, einfach wann aus dem „es“ eine „sie“ oder ein „er“ wird und wie sich diese Erkenntnis auf das weitere Handeln auswirkt.

Was mir gut gefallen hat, ist wie der Film es schafft die Andersartigkeit von Morgan zu zeigen. Ihre Blicke, wie sie spricht und sich bewegt und aus optischer Sicht vor allem ihre Haarfarbe, man ist irgendwie fasziniert von ihrer Ausstrahlung und hat gleichzeitig Respekt. Die kurzen Momente, in denen das gegenseitige Abtasten zwischen ihr und Lee passiert, lassen dabei viel Spielraum für Interpretationen, wie was jetzt genau gemeint war und was die beiden Damen nun wirklich von ihrem jeweiligen Gegenüber halten.

Der psychisch geführte Kampf wandelt sich im letzten Drittel dann klar zu einem physischen. Dass der zwar bekannte aber doch immer wieder interessante Aufbau einem billigen Action-Finale geopfert wird, kann man sicherlich so sehen. Wenn man den Film jedoch als Ganzes gesehen hat und das Ende selbst kennt, dann wandert sich der Fokus der eigenen Aufmerksamkeit im Nachhinein (wohin kann ich ohne Spoiler nicht genau sagen). Die Gefühle in Richtung Morgan und ihrem Schicksal ändern sich spätestens dann, wenn dies nicht schon zuvor auf Grund der Handlung passiert ist.

Es gibt ja Leute die Kate Mara (Fantastic Four) fehlendes Charisma unterstellen und eine gewisse kühle Ausstrahlung ist offensichtlich, doch passt dies zu ihrem Charakter Lee Weathers perfekt. Ich würde sogar sagen, dass dies eine ihrer besten Rollen ist. Überlegt, bestimmt, ihre Umgebung beobachtend und sich durchgehend eine gewisse Stärke behaltend geht sie ihrer Arbeit nach. Dass ihr dabei keine lästigen Gefühle in den Weg kommen, die ihre Entscheidungen beeinflussen würden, versteht sich da fast schon von selbst.

Anya Taylor-Joy (The Witch) als Morgan ist ebenso großartig. Wie sie ihr Umfeld manipuliert, einerseits überlegen ist und andererseits auf Grund ihres Alters nicht genau wissen kann, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen soll, das ist schon durchgehend faszinierend. Rose Leslie (The Last Witch Hunter) als Amy, für die Morgan wie eine Tochter ist, liefert den ehrlich menschlichen Gegenpol zu den beiden eher kühlen Damen. In einer kleinen Nebenrolle bleibt Paul Giamatti (Lady in the Water) in Erinnerung, denn er steigert sich immer weiter hinein, während er Morgan mit seinen Fragen aus der Reserve locken will.

Insgesamt daher sicherlich ein Film mit einem gewissen Anspruch, jedoch kein Abenteuer, das mehr sein will, als es im Endeffekt ist. Was der Anspruch hier ist? Nun, das wäre ein sich langsam aufbauender und zum Finale hin destruktiv eskalierender Sci-Fi Triller zu sein, der sich auf die starke Optik und die Darsteller verlassen kann und am Ende folgende Frage aufwirft und für manche wohl auch gleich beantwortet: wenn ich etwas Künstliches erschaffe, scheitert mein Projekt dann wenn ich es erst recht wieder menschlich machen will und würde es nicht viel besser funktionieren, würde ich genau diese Komponente weglassen?

„Morgan“ bekommt von mir 7,5/10 Menschlichkeit und Künstlichkeit nicht vereinen könnende Empfehlungspunkte.

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