Extraterrestrial (Filmkritik)

Die Freunde April (Brittany Allen), Kyle (Freddie Stroma), Melanie (Melanie Papalia), Seth (Jesse Moss) und Lex (Anja Savcic) fahren zu einer Berghütte um ein paar nette Tage zu verbringen. Zumindest so der Plan. Konkret ist April nicht sehr erfreut, denn sie dachte, dass sie ein paar Tage allein mit Kyle verbringen kann, denn es gibt da eine Sache, welche die Gute ihrem Partner noch sagen sollte … aber es kommt ohnehin alles ganz anders.

Als ein seltsamer Komet abstürzt fahren die fünf hin, um sich die Sache näher anzusehen – was sich rasch als Fehler herausstellt, denn das Ding stellt sich als waschechtes UFO heraus und die Reisenden sind auf Menschen nicht gerade freundlich zu sprechen. Nicht ohne Grund sind aus dieser Gegend bereits mehrfach Menschen einfach „verschwunden“. Da kann auch der an Verschwörungstheorien glaubende Einsiedler und Dope-Pflanzer Travis (Michael Ironside) nicht viel helfen …

extraterrestrial

Die letzten (bzw. ersten) beiden Filme des als „The Vicious Brothers“ bekannten Regieduos waren die Found-Footage-Werke „Grave Encounters 1 + 2“. So gesehen war die Erwartungshaltung bzgl. „Extraterrestrial“ von meiner Seite her nicht so richtig hoch, weil ja „Found-Footage“ doch mittlerweile eher schon von Ideenarmut und billiger Produktion zeigt als alles andere.

Zum Glück haben die beiden bei ihrem neuen Werk (fast) gänzlich darauf verzichtet. Es gibt zwar ein paar Momente, in welchen die beiden darauf zurückgreifen, aber da diese Szenen im Kontext Sinn haben, ist das halb so wild und außerdem ist die Wackelkamera auch nicht überstrapaziert.

Defakto ist es wirklich toll, was die beiden hier mit diesem Film optisch auf die Beine gestellt haben. Das Ambiente und die Farben können durchaus mit einem „Skyline“ mithalten, auch wenn das Budget klar geringer war. Die Farbgebung der einzelnen Szenen und die Beleuchtung ist wahnsinnig gut gelungen und trägt extrem positiv zum Gesamtbild bei, macht streckenweise sogar vergessen, auf welch engem Raum der Film eigentlich spielt.

Die Schauspielerriege ist durch die Bank gut bis motiviert, vor allem Jesse Moss (Genrefreunden bekannt aus „Tucker and Dale vs Evil„, „Ginger Snaps“ oder „Final Destination 3“) als langsam durchdrehender Bekannter ist super, Melanie Papalia (Amy aus der Serie „The Suits“) macht als Siedekick ebenfalls eine super, wenn auch tragische, Figur. Anja Savcic als Eye-Candy macht ihren Sprung weg aus dem B-Movie-Genre („Chupacabra vs The Alamo“) und eine (in beiden Bedeutungen) gute Figur. Die Hauptcast, bestehend aus Brittany Allen („Dead Before Dawn 3D“) und Freddie Stroma (aus „Pitch Perfect“ und Cormac aus den „Harry Potter-„-Filmen) sind ebenfalls super gecastet und spielen das sich verlierende und wieder findende Pärchen ebenfalls sehr gut. Von dieser Seiter her also alles soweit in Ordnung. Technisch super, Schauspiel passt – was kann schiefgehen? Nichts? Falsch.

Denn beim Drehbuch werden sich die Geister jetzt scheiden. Die „Vicious Brothers“ haben hier einen Film abgeliefert, der ziemlich genau das erzählt, was wir uns vor Jahren bereits am Lagerfeuer erzählt haben: Es gibt Außerirdische. Die sehen aus wie E.T., nur größer. Die holen uns und machen Experimente (sogar Proben aus dem „After“ nehmen sie) und wollen uns studieren. Punktum. Das ist die Handlung von diesem Film. Gibt es neue Ansätze? Nein. Gibt es Überraschungen? Nein. Gibt es irgendwelche unerwarteten Wendungen? Ne .. J … Jein. Doch. Irgendwie schon.

Zum Einen werden noch Gil Bellows als Sheriff Murphy und Michael Ironside als Travis dazugemischt, die ein wenig mehr Rahmenhandlung dazu packen. So vermisst der Sheriff seine Frau und glaubt nicht, dass sie ihn einfach so verlassen hat und zum Anderen glaubt Travis, dass die Regierung irgendwelche Flugsachen am Himmel testen. Abgesehen davon, dass ich die beiden absolut super fand (vom Schauspiel her) bringen sie auch ein wenig „Auflockerung“ in die Sache rein. Der Rest läuft wie erwartet ab. Die Aliens kommen, Leute „verschwinden“, wieder andere sterben und dann … das kann ich jetzt nicht schreiben, denn das wäre ein großer Spoiler.

Ich sage mal so: Die Orte, die am Ende des Films besucht werden hatte ich nicht erwartet. Aber schön – da sieht man, was man mit der richtigen Beleuchtung alles hinbekommen kann. Auch das Ende des Films (nein, es gibt kein Happy-End, wenn ihr das glaubt, … oder … irgendwie auch schon … hm) ist sicher etwas, was viele Leute ziemlich blöde finden werden. Ich fand es super und sehr passend. Traurig schön, sozusagen. Durchaus im Rahmen der zuvor aufgebauten Story. Als wirklich coolen Abschluss bekommen wir dann noch eine Kamerafahrt, die richtig, richtig cool ist und die zeigt, was eigentlich los war (für alle, die es nicht begriffen haben).

Alles in allem also ein Film, der absolut nichts neu macht oder gar anders, aber dabei dennoch mitzureissen weiß und dank einer absolut gelungenen Produktion Schauwerte vorzeigen kann, die es in sich haben. Sicher kein Meilenstein, aber endlich wieder einmal ein „Alien“-Film, der sich ernst nimmt und den ich doch tatsächlich spannend fand.

„Extraterrestrial“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, von seiner Innovationsarmut perfekt ablenkende, Punkten.


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