The Ones Below (Filmkritik)

Kate (Clémence Poésy) und ihr Mann Justin (Stephen Campbell Moore) sind glücklich verheiratet und freuen sich darauf ihr erstes Kind zu bekommen, als unter ihnen neue Nachbarn einziehen. Theresa (Laura Birn) und Jon (David Morrissey) sind nett, wenn auch ein wenig seltsam und außerdem ist auch Theresa schwanger.

Die beiden Frauen freunden sich an und wie es halt so ist, lädt Kate Jon und Theresa zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Allerdings geschieht ein schrecklicher Unfall. Theresa verliert das Baby. Jon und Theresa geben Kate und Justin die Schuld daran.

Aller Widrigkeiten zum Trotz schaffen sie es aber, sich von ihrer Wut auf ihre Nachbarn zu lösen und sie freunden sich wieder an. Auch wenn die Tatsache, dass Kate ihr Kind bekommen hat, einen Schatten auf die neue Freundschaft wirft.

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Wie soll es anders sein? Wer einen Film „The Ones Below“ nennt, der macht keine Komödie oder ein Drama, sondern einen Horrorfilm oder Psychothriller. In diesem Fall klar Letzteres. David Farr, unter anderem der Drehbuchschreiber zu „Hanna“, hat hier das Regieruder übernommen und sein eigenes Drehbuch verfilmt. Dieses bietet wenig bis nichts Neues und setzt auf altbewährte Methoden, Elemente und Szenarien.

Natürlich ist die Freundschaft zwischen den Mietern unten und oben nicht stimmig. Natürlich geben Jon und Theresa weiterhin Kate und Justin die Schuld. Natürlich spielen sie Psychospielchen, damit Kate langsam durchdreht und natürlich steckt dahinter ein klarer Plan, den man mit ein wenig mitdenken bereits von Weitem kommen sieht. Überraschungen im Film? Keine. Erwartungen erfüllt: Alle.

Um trotzdem unterhaltsam zu bleiben hat David Farr das einzig Richtige gemacht: Er hat sich SchauspielerInnen geholt, die einfach gut sind. Clémence Poésy (Fleur Delacour aus „Harry Potter und der Feuerkelch“ oder „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“) spielt wirklich eindringlich, auch Stephen Campbell Moore („Season Of The Witch“) ist sehr gut gecastet und hat auch mit seiner (Film-)Frau eine sehr gut Chemie.

Die „Bösen“ sind in Form von David Morrissey (The Governour aus „The Walking Dead“) stark vertreten, er hat einfach eine geniale Stimme und Leinwandpräsenz. Er kann einfach nur dastehen und muss nicht einmal was sagen und er wirkt sofort bedrohlich, auch wenn er in diesem Film eigentlich de facto nicht wirklich sehr viel mehr tut – er tut es verdammt gut. Seine Filmpartnerin Laure Birn („A Walk Among The Tombstones“ und einige andere finnische Produktionen) gibt sich auch keine Blöße und ihre Überfreundlichkeit ist ebenfalls sehr passend für die Rolle gewählt und subtil bedrohlich.

Optisch ist der Film definitiv schön anzusehen und die Stimmung ist absolut elegisch. Die Spannungskurve zieht langsam aber sicher an. Gerade am (extrem vorhersehbaren) Ende ist es dann allerdings so, dass die Auflösung in Form von kurzen Rückblenden erzählt wird und sich so eine Spur dramatischer gibt, als sie es tatsächlich verdient hätte, denn die Erklärung bräuchte man nicht einmal, man weiß ja auch so, was wirklich passiert ist.

All das macht den Film von der Geschichte her nicht überdurchschnittlich gut, er ist aber überdurchschnittlich gut gemacht und der langsame (provozierte) Verfall der Beziehung von Kate und Justin kommt sehr gut rüber und ist sehr gut einfangen. Der Film kommt ohne Action oder große Spezialeffekte aus, sondern lebt von der Spannung und den Dramen zwischen den agierenden Personen. Wieder mal ein Film, der sich auf zwischenmenschliche Extremsituationen verlässt, ohne zu übertreiben (auch wenn manche der Personen klar irre sind).

Heißer Tipp: Vermeidet den Trailer. Ernsthaft.

„The Ones Below“ bekommt 6,5 von 10 möglichen, langsam aber sicher die Nerven wegwerfende, Punkte.

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