Fantastic Four (2005 Filmkritik)

Der Physiker Doktor Reed Richards (Ioan Gruffudd) ist sich sicher, dass die Untersuchung einer erdnahen kosmischen Wolke im Weltall große Errungenschaften für die Menschheit bringen wird. Gemeinsam mit seinem besten Freund und Astronauten Ben Grimm (Michael Chiklis) besucht er dafür seinen ehemaligen MIT-Klassenkollegen, den superreichen Doktor Victor Von Doom (Julian McMahon), da er selbst weder die Mittel noch das Material für diese Mission hat.

Victor ist mit dem Projekt einverstanden und nimmt dafür auch Reeds alte Liebe, die genetische Forscherin Sue Storm (Jessica Alba) und ihren aufbrausenden Bruder Johnny (Chris Evans) mit an Bord. Doch die Wolke kommt viel zu früh und setzt die fünfköpfige Crew, bisher unbekannter kosmischer Strahlung aus. Wieder auf der Erde, scheint es allen gut zu gehen, doch plötzlich entdecken sie, dass jeder von ihnen spezielle Kräfte entwickelt hat. Reed versucht diesen Zustand wieder umzukehren, während Victor ganz andere, kriminelle Pläne verfolgt.

Fantastic Four

Nachdem Produzent Bernd Eichinger im Jahre 1994 mit Hilfe des Königs der Billigproduktionen – Roger Corman – um nur eine Million Dollar einen Film namens „The Fantastic Four“ drehen ließ, der nie dazu gedacht war, jemals ausgestrahlt zu werden, sondern nur dafür sorgen sollte, dass Eichinger die Rechte für diverse Verfilmungen dieses Marvel-Comics nicht verliert, war es vor zehn Jahren soweit und 2005 startete somit das erste BigBudget-Abenteuer des ältesten Marvel-Teams im Kino. Bei Kosten von 100 Millionen Dollar, spielte der Film circa 330 Millionen wieder ein, weswegen zwei Jahre später, mit dem Aufstieg des Silver Surfers, auch eine Fortsetzung folgte.

Trotz des anschaulichen finanziellen Erfolges, ging es diesem Film jedoch ähnlich wie zwei Jahre zuvor Daredevil, Kritiker ließen nämlich nicht wirklich ein gutes Haar an der Produktion. Auch wenn ich dem Genre der Comicverfilmung sehr viel abgewinnen kann und den Vergleich mit aktuellen Disney/Marvel-Verfilmungen weglasse (weil da sowieso alle früheren Produktionen vor „Iron Man“ stark abfallen), Regisseur Tim Story (Ride Along) ist einfach ein Arbeiter, einer der gerne leicht unterhält, glaubt zu wissen was funktioniert und/oder in ist, aber keinerlei Liebe zu seinen Figuren hat und sicherlich auch nicht Respekt vor dem Ausgangsmaterial verspürt. Ist ja nur ein Comic wird er sich wohl gedacht haben und ist damit sicherlich nicht alleine.

Um zu erklären, was dies für ein Film ist und wie die menschlichen Reaktionen hier zu verstehen sind, hier eine kurze Szenen-Beschreibung: Nach dem Unfall im All schleicht sich Johnny Storm aus der Krankenstation, um mit einer Krankenschwester Snowboarden zu fahren. Seine Kräfte zeigen sich dabei erstmals, er fängt zu brennen an, fliegt eine kurze Strecke und sitzt dann letzen Endes im geschmolzenen, heißen Wasser unter einer Schneekuppel. Als seine Begleiterin bei ihm ankommt fragt er sie, ob sie auch mit ins Wasser will. Sie zögert kurz, macht diesen „warum nicht“ Gesichtsausdruck und schließt sich ihm (abseits der Kamera) an. Ja, genau so reagiere ich, wenn meine Begleitung von selbst zu brennen beginnt.

Wäre ja prinzipiell kein Problem, den Film völlig auf dieser Ebene ablaufen zu lassen, doch will das schizophrene Drehbuch uns dann ernsthaft den Konflikt von Ben vermitteln, der unter seiner steinernen Form als Ding leidet und uns die tiefe Liebe zwischen Sue und Reed zeigen, wobei ihm immer seine Arbeit bzw. sein Gehirn im Weg steht. Nebenbei, vor allem wegen der Wahl der Songs, dem infantilen Humor und den unüberlegten Aktionen von allen Beteiligten, soll dies augenscheinlich auch ein Abenteuer für die ganze Familie sein. Funktioniert dann insgesamt genau so gut, wie es klingt. Klare Empfehlung deshalb: nur ja nichts hinterfragen.

Leider gibt es jedoch im Prinzip nur zwei große Action-Sequenzen, die von dem allen ablenken könnten. Die eine auf der Brücke wirkt irgendwie seltsam und gestellt, weil alles unabsichtlich von Ben verursacht wird, es dann zu zahlreichen Unfällen kommt, die fantastischen Vier alle retten und dann Helden sind. Wirkt wie bei einem Feuerwehrmann, der selbst zündelt, um dann den Retter spielen zu können. Der finale Kampf macht da schon mehr Spaß, ist aber zu schnell wieder vorbei und in seiner Bedrohlichkeit nicht wirklich weltbewegend. Immerhin sind ja nur unsere vier Hauptfiguren gefährdet und die werden sie ja kaum umbringen.

Die Effekte selbst hat man auch schon schlechter gesehen, sie sind aber permanent als computergeneriert erkennbar und wirken ziemlich künstlich. Am Besten sieht noch die Fackel und deren Feuereffekte aus und Chris Evans (Snowpiercer) ist als spitzbübischer Draufgänger mit der großen Klappe, auch darstellerisch das Highlight. Ioan Gruffudd (Sanctum) als dehnbarer, mit der Arbeit verheirateter Mister Fantastic, bleibt etwas blass genau wie Jessica Alba (Stretch) als die Unsichtbare, dank hautengem Kostüm erfüllt sie aber die Aufgabe gut auszusehen, perfekt. Nur die 100 prozentig als Kontaktlinsen erkennbaren blauen Augen, irritieren hin und wieder.

Michael Chiklis (Pawn) als The Thing ist trotz seines Aussehens sicherlich der menschlichste von allen Charakteren und die Szenen, in denen ihn auf Grund seines Aussehens seine Frau verlässt oder er bei alltäglichen Tätigkeiten nicht zurecht kommt, machen ihn durchaus zu einer tragischen Figur, trotz der sonst vorherrschenden Lächerlichkeit. Bleibt nur noch der große böse, von Julian McMahon (Bait) gespielte Doktor Doom. Die Arroganz ist ja recht glaubwürdig, aber das Trotzverhalten und der beleidigte Dackelblick, weil Reed immer das bekommt, was Victor eigentlich will, nehmen ihm doch einigermaßen den Schrecken. Immerhin findet er es aber (Originalzitat aus dem Film) geil, Macht zu haben. Daher hier die klare Warnung vor der deutschen Synchronisation, es gibt meines Wissens keine schlimmere, egal bei welchem Marvel-Film der letzten Jahre.

Klingt jetzt alles nach einem furchtbaren Film, ist er stellenweise auch, doch insgesamt kann man schon durchaus auch seinen seichten Spaß haben. Nein, natürlich wird dieses Abenteuer keiner einzigen der portraitierten Comicfiguren gerecht und man muss öfters nicht mal nachdenken, um über das Gesehene seinen Kopf schütteln zu müssen, aber der trashige Funfaktor ist auch nicht zu leugnen (ok, außer für Hardcore-Fans vielleicht). Im August 2015 kommt nun zehn Jahre später ein gleichnamiges Reboot von Regisseur Josh Trank (Chronicle) ins Kino, mal sehen, wie er die Sache hinbekommen hat.

„Fantastic Four“ bekommt von mir 6/10 der vierfachen Belastung nicht standhalten könnende Empfehlungspunkte.

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