Erin Brockovich (Filmkritik)

Erin Brockovich (Julia Roberts) ist eine wandelnde Erfolgsgeschichte. Ohne Schulabschluss, nach zweimaliger Scheidung und mit drei Kindern erarbeitet sie sich eine Karriere als Anwaltsgehilfin. Doch als sie in der Kanzlei von Ed Masry (Albert Finney) als Assistentin anfängt, stößt sie auf die Akte einer kleinen Gemeinde, in der sich komischerweise Krebsfälle häufen. Als sie auf eigene Faust ermittelt, findet sie heraus, dass die Krankheitsfälle durch mit hexavalenten Chrom verseuchtes Trinkwasser verursacht wurden. Woher dieses Chrom kommt? Erin hat schon einen begründeten Verdacht…..

Erin Brockovich

Dieser Film basiert auf einer wahren Begebenheit – diese Anmerkung, die Filme oft gern mal haben, ist immer mit Vorsicht zu genießen, da dies in Hollywood auch gern mal bedeuten kann, dass die Charaktere tatsächlich so geheißen haben und z.B. etwas entdeckt haben, aber alles andere ist zumeist Fiktion. Das ist auch hier der Fall. „Erin Brockovich“ ist für mich ein wirklich guter Film, aber mit der Wahrheit hat er eben nicht allzu viel zu tun. Viele der Fakten wurden beschönigt, falsch dargestellt und was tatsächlich nach Ende des Film geschah, lässt die Beteiligten nicht gerade im Besten Licht erscheinen.

Regisseur Soderbergh (Magic Mike) spart sich langatmige Gerichtsverhandlungen und setzt dafür auf seine äußerst begabte Hauptdarstellerin. Diese Rolle gab Julia Roberts (Pretty Woman) die Chance, sich erstmals in einer anspruchsvolleren Rolle zu beweisen.

Vollkommen zu Recht gewann Roberts für diesen Part einen Acadamy Award, denn kaum jemand anders hätte die nicht auf den Mund gefallene Erin, deren Brüste anscheinend ebenso überzeugend sind wie ihr Mundwerk, spielen können. Als Brockovic ist Roberts fast schon vulgär angezogen, was wohl untermauern soll, dass sie White-Trash ist, aber ich denke mal nicht, dass eine zweifache Mutter jeden Tag in Klamotten rum läuft, bei denen ihr die Brüste raus hüpfen. Durch diese Outfits fällt es manchmal schwer, sie ernst zu nehmen. Dennoch zeigt die Schauspielerin eine große Bandbreite – von der wütenden und verzweifelten Mutter zu einer engagierten und kämpferischen Anwaltsgehilfin. Man nimmt ihr dies ohne weiteres ab.

Albert Finney (Skyfall) als desillusionierter Antwalt Ed Masry war ein weiterer Lichtblick. Als Ed wirkt er sehr trocken und bodenständig. Man kann sich anfangs kaum vorstellen, dass er und Erin sich jemals zusammen raufen und zusammen arbeiten können, da sie aus komplett verschiedenen Welten stammen.

Soderbergh wählte für diesen Film einen Stil, der an einen Dokumentar-Film erinnert und „Erin Brockovick“ so zusätzlich Authentizität verleiht. So folgt man ohne viel Chi-Chi Erin und ihrem David-gegen-Goliath-Kampf gegen ein Industrieunternehmen, dass bewusst schädliches hexavalentes Chrom nicht fachgerecht verwendete und so eine ganze Stadt gefährdete und krank machte. Soderbergh schafft es Klischees geschickt zu umschiffen und so wird der Kampf gegen das große Böse zum Kampf des Mitleidens, der Menschlichkeit, der Aufopferung für das was Gut und Gerecht ist.

Während den langwierigen Verhandlungen mit dem Industrieunternehmen, mausert sich Erin zur kompetenten Anwaltsgehilfin, kann aber ihre Herkunft, ihre Wurzeln in den unteren, einfachen Schichten, doch nie ganz verleugnen kann. Sie hat einen persönlichen Draht zu den Klienten und steht so im krassen Gegensatz zu ihren Kollegen.

Fazit: „Erin Brockovich“ ist ein Film, der an Gerechtigkeit glauben lässt und dass alles wieder gut wird. Julia Roberts mausert sich ähnlich wie Cinderella von der arbeitslosen, allein erziehenden Mutter zu einer kompetenten Anwaltsgehilfin, die nicht nur Dollar-Zeichen in den Augen hat, sondern das Herz am rechten Fleck hat und der die Schicksale der Menschen am Herzen liegen.

Dieser Film bekommt von mir 7,5/10 erkämpften Punkten.


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