Preservation (Filmkritik)

Wit (Wrenn Schmidt) fährt mit ihrem Ehemann Mike (Aaron Staton) und dessen Bruder Sean (Pablo Schreiber) in einen abgelegenen (und geschlossenen) Nationalpark. Grundsätzlich mal zum Jagen, aber eigentlich geht es darum, den traumatisierten Sean wieder ein wenig auf die richtige Bahn zu lenken. Zwischen den Dreien gibt es ja eigentlich schon genug Spannung, denn Sean baggert Wit wenig subtil an, Mike ist klar ein Workaholic, der seine Frau vernachlässigt und Wit selbst mag eigentlich gar nicht jagen und wartet nur auf den richtigen Moment, um ihrem Mann ein kleines Geheimnis mitzuteilen.

Als am ersten Morgen allerdings die ganze Truppe nicht in ihren Zelten aufwacht, sondern im Freien und noch dazu alle ein X auf der Stirn tragen eskaliert die Sachlage. Mike verdächtig Sean einen blöden Streich gespielt zu haben und Sean behauptet stur, dass da noch jemand im Wald sei, der (oder das) sie jage …

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Und jetzt bleiben wir mal am Teppich. Was hätte man aus der Geschichte alles machen können. Einen Film über die Beziehung zwischen den Brüdern – der eine ein Veteran, der knapp am Durchdrehen ist und eine große Portion Paranoia mit sich herumschleppt; der andere ein Workaholic, der eigentlich fast alles im Leben geschafft hat und der Meinung ist „mehr wert“ als sein Bruder zu sein -, die genug explosiven Sprengstoff hätte bieten können. Ein Ausrutscher der Ehefrau. Ein Durchdrehen des Ehemannes. Eine Jagd von Bruder auf Bruder. Emotional, heftig und bodenständig hart. Das wäre was gewesen.

Allerdings ist das nicht Teil der Handlung. Es ist wohl keine große Überraschung,wenn ich erwähne, dass der Hauptcast sich sehr rasch zuerst auf ein einzige Person reduziert und alle geübten Slasher-Backwoods-GuckerInnen wissen wohl, wer als letztes noch steht. Die Gegner werden lange Zeit über im Dunkel gehalten, bzw. verstecken sie sich hinter Soft-Gun-Masken, die wohl dazu dienen sollen, ihnen etwas „Unmenschliches“ zu verleihen. Funktioniert allerdings nicht.

Was anfangs noch dazu dient die Spannung zu erhöhen (Wer hat die Zelte abgebaut? Wer hat das X auf die Stirn gemalt? Warum hat der Hund nicht angeschlagen? Wie haben die das geschafft?) wird leider nach der Auflösung, um wen es sich handelt nur noch lächerlich. Es hätte alles sein können: Eine außerirdische Macht. Der zum Leben erwachte Wald. Irgendwelche erwachsenen, durchgeknallten Jäger, die Beute für ihre schwerreichen Kunden möchten, alles möglich. Aber das ging wohl an der Message des Films vorbei.

Die SchauspielerInnen machen einen guten Job, allen voran natürlich Wrenn Schmidt. Pablo Schreiber ist vielleicht ein paar Leuten aus der Serie „Weeds“ bekannt, mir sagte er davor nichts. Aaron Staton war auch in keinen mir wirklich bekannten Filmen, aber er kam mir irgendwie bekannt vor – dann fiel mir ein woher: Er spielte (Motion Capturing) und vertonte den Hauptcharakter Cole Phelps in L.A. Noire.

Regisseur und Drehbuchautor Christopher Denham ist vor allem als Schauspieler tätig und auch in großen Filmen wie „Shutter Island“ neben Leonardo DiCaprio, oder „Argo“ der „The Bay“ zu sehen und hat nach „Home Movie“ mit „Preservation“ seinen zweiten eigenen Film inszeniert. Die Regie ist stilsicher und gut gemacht mit ein paar sehr schönen Bildern – das Drehbuch allerdings ist randvoll mit Logiklöchern. Während man noch nicht weiß, um wen es sich bei den Tätern handelt, fällt das nicht weiter auf (könnte ja übernatürlichen Ursprungs sein), aber wenn die Masken fallen merkt man, dass da jemand schon sehr stark an den Regeln der Physik geschraubt hat und die Sache wird echt ein wenig … peinlich.

An sich gekonnt inszeniert und stark gespielt, flacht der Film mit längerer Laufzeit leider immer mehr ab und letzten Endes bleibt nicht mehr übrig als eine gut gemachte, aber halt leider weit nicht emotional so mitreißende Zweit-Version von „Eden Lake“ übrig. Nur mit besserem Ende.

„Preservation“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, dreist kopierend und nichts verbessernde, Punkte.

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