Oldies but Goldies: Pretty Woman (Filmkritik)

In Hollywood, dem Ort der Träume, zählt für Edward Lewis (Richard Gere) nur eines: das große Geschäft. Ein Business-Trip hat den reichen Geschäftsmann nach L.A. geführt, wo er das angeschlagene Unternehmen von James Morse (Ralph Bellamy) aufkaufen und profitabel wieder verkaufen will – eine Transaktion, die sein Anwalt Phillip Stuckey (Jason Alexander) bereits von langer Hand geplant hat. Aus Langeweile fährt er mit dem Sportwagen seines Anwalts durch die Stadt und trifft dabei auf die Prostituierte Vivian (Julia Roberts), die ihm dabei hilft, zu seinem Hotel zu kommen.

Da Lewis frisch getrennt ist, verbringt er die Nacht mit Vivian. Die Prostituierte ist ihm sogar so sympathisch, dass er sie bittet, ihn eine Woche lang zu begleiten. Während Vivian fasziniert in eine Welt eintritt, die ihr bislang verwehrt war, entwickelt Lewis Gefühle für sie. Eine zarte Liebesgeschichte entbrennt.

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Cinderella einmal anders. Von arm zu reich, sei es vom Tellerwäscher zum Millionär, von Dienstmädchen zur Prinzessin oder wie eben hier von der Prostituierten zur Geliebten eines Millionärs. Davon träumen viele, was wohl auch ein Grund dafür ist, dass Filme dieser Art Publikumsmagnete sind und viele dazu inspirieren, ebendiese Träume zu verfolgen. Des weiteren sind sie gut für die Seele, denn wer will denn schon immer Dinge explodieren, oder Menschen sterben sehen.

Vivienne kämpft sich mehr recht als schlecht durchs Leben und verdient nach diversen Fehlschlägen mit Prostitution ihre Brötchen. Edward, auf der Suche nach „Gesellschaft“, gabelt sie am Straßenrand auf und verbringt die Nacht mit ihr. Diese Rolle war die damals wohl erfolgreichste, der noch wenig bekannten Julia Roberts (Mirror Mirror). Am Set war sie wegen ihrer mangelnden Disziplin bekannt, was man aber am Endergebnis nicht sehen konnte. Roberts wirkt charmant, unbeholfen und tritt als Vivienne in so manches Fettnäpfchen, aber ohne jemals ins peinliche ab zu driften. Bei den Outfits die sie teilweise trägt, ist das schon eine Leistung. Julia Roberts war keineswegs die erste Wahl für die Rolle, zahlreiche damals erfolgreiche Schauspielerinnen lehnten die inzwischen ikonische Rolle ab und werden sich dafür wohl auf ewig in den Hintern beißen.

Richard Gere (The Double) als Edward. Er zeigte im Laufe seiner Karriere eine erstaunliche Bandbreite und spielte alles: einen Offizier, einen König, einen Anwalt, aber auch den liebeskranken Gentleman hat er drauf wie kein anderer. Als Edward wirkt er sehr zurückgenommen, um nicht zu sagen steif, aber das geschah anscheinend auf Weisung des Regisseurs, dem Gere in seiner Rolle zu aktiv war (was auch immer das heißen mag).

Von der Handlung her passiert zwar nicht allzu viel, aber Regisseur Garry Marshall (The Runaway Bride) schaffte es die Chemie zwischen den Hauptcharakteren auf Film zu bannen und daher kann man gar nicht anders, als von der äußerst ungewöhnlichen Liebesgeschichte gefesselt zu sein. Was man dann aber schon bekritteln muss, ist die Beschönigung von Viviennes Beruf. Prostitution ist an sich nichts schlimmes, aber hier wird es als harmlos dargestellt. Vivienne wurde durch ihre Umstände in die Prostitution gedrängt, was durch Roberts munteren heiteren Gesprächston fast untergeht.

Dass Kit Drogen nimmt, wird auch nur am Rande erwähnt, aber auch nur weil sie dafür das Geld für die Miete ausgegeben hat. In einem der ersten Drehbuchentwürfe sollte Vivienne übrigens drogensüchtig sein und ihre Freundin Kit während ihrer Woche mit Edward an einer Überdosis sterben.

„Pretty Woman“ hält in Amerika den Rekord für die meisten Ticket-Verkäufe einer romantischen Komödie und nahm bei einem Budget von 14 Millionen Dollar 460 Millionen Dollar ein. Trotz der eher seichten Handlung heimste der Film etliche Nominierungen ein, unter anderem bei den Golden Globes (hier gewann Roberts einen für die beste weibliche Hauptrolle) und sogar bei den Acadamy Awards.

Was dem Film auf jedem Fall hilft nicht ins kitschige abzugleiten, ist der gut gelungene Soundtrack, der einige Klassiker der damaligen Zeit aufzuweisen hat. Songs wie „Pretty Woman“ sorgen für gute Laune und zaubern unbewusst ein Lächeln auf die Lippen.

Fazit: Durch diesen Film startete die Ära der extrem erfolgreichen Rom-Coms und Julia Roberts wurde zu Queen dieses Genres. „Pretty Woman“ täuscht geschickt über sein eigentlich recht schlüpfriges Thema und die sehr einfach gestrickte Handlung hinweg und wird dadurch zu einem Märchen.

Dieser Film bekommt von mir7/10 liebestollen Punkten.

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