Defendor (Filmkritik)

Arthur Poppington (Woody Harrelson) hat nur ein Ziel. In Form seines Alter Egos „Defendor“ will er den ominösen Captain Industry zur Strecke bringen. Doch Arthur ist kein typischer Held, denn er hat keine Superkräfte, die ihm bei seiner Arbeit helfen. Mehr noch, in Wirklichkeit ist er ein in seiner Entwicklung leicht zurück gebliebener Bauarbeiter, der ein großes Herz hat. So groß, dass er die Prostituierte Kat Debrofkowitz (Kat Dennings) vor den Avancen eines korrupten Cop rettet.

Defendor

Selten habe ich einen Film gesehen, der mich so positiv überrascht hat. Von den Trailern her dachte ich mir, hey eine lustige, seichte Komödie und war dann doch überrascht, dass dieser Film auch mit emotionalem Tiefgang aufwarten konnte. Wenn Arthurs Kindheit gezeigt wird, hatte ich doch glatt nasse Augen. Überhaupt erinnert mich die Figur des Arthur vom Wesen her ein wenig an „Forrest Gump“, der auch diese beinahe kindliche Unschuld hatte.

Bei den Amis verschwand die 3,5 Millionen Dollar teure Produktion bereits nach zwei Wochen aus den vier Kinos, die “Defendor” zeigten. Zu den schlechten Zahlen führte unter anderem, dass er weder aufwendig produziert ist, noch irre komisch, nicht in 3-D und schon gar kein Mainstream, sondern tiefsinnig und irgendwie entschleunigt. Doch gerade das langsame Tempo macht es angenehm, diesen Film anzusehen, wenn man von der stressigen Arbeit nach Hause kommt.

Regie führte Peter Stebbings, der auch das Drehbuch schrieb. Er machte einen grundsoliden Job. Seine Arbeit ist nicht bahnbrechend, aber sorgt für gute Unterhaltung. „Defendor“ wird von der Grundthematik gerne mal mit „Kick Ass“ verglichen, doch während „Big Daddy“ und „Hit-Girl“ ihre mangelnden Superheldenkräfte mit tödlicher und vor allem überzeichneter Waffengewalt zu kompensieren wissen, bekämpft der nur mit einem IQ von 80 gesegnete Arthur das Verbrechen nach seinem Credo: „Waffen sind für Feiglinge“. Stattdessen lässt ihn Stebbings mit anderen Mitteln arbeiten, seien es ein losgelassener Bienenschwarm, ausgestreute Murmeln oder ein Knüppel.

Woody Harrelson (The Hunger Games) hat die verrückten Filmrollen wohl schon abonniert. Nichts desto trotz ist er ein genialer Schauspieler, der der Figur von Arthur/Defendor sehr liebenswert und sympathisch macht. Woody Harrelson verleiht dem debilen Comicfan, der den Drogentod seiner Mutter an der Fantasiegestalt „Captain Industry“ rächen will, sehr viel Würde und auch wenn man Arthur anfangs belächelt, sieht man im Laufe des Filmes durch diverse Rückblicke warum er so geworden ist, wie er ist und man beginnt die Tragik hinter der heiteren „Fassade“ des Films zu sehen.

Kat Dennings (Thor 2) spielt die abgefuckte und drogenabhängige Prostituierte Kat, die Arthur anfangs nur auf der Tasche hängt und ihn schamlos ausnutzt. Als sie ihn näher kennen lernt, entwickelt sich doch glatt so etwas wie ein schlechtes Gewissen bei ihr, dass sie aber fast bis zum Schluss konsequent ignoriert.

Als Arthurs Arbeitgeber war Michael Kelly (Man of Steel) mit von der Partie. Er spielte die Figur von Paul Carter wirklich gut. Wie er sich aufopfernd um Arthur kümmert, da wird einem wirklich warm ums Herz und man fängt an, an das Gute im Menschen zu glauben. Sandra Oh spielt eine psychologische Gutachterin. Aber so sehr ich sie in Grey’s Anatomy mag, außerhalb dieser Serie funktioniert sie für mich als Schauspielerin einfach nicht wirklich.

Als Bösewicht fungierte Elias Koteas (Die). Er spielte den korrupten und drogensüchtigen Cop mit einer Leichtigkeit, die ihn beinahe unheimlich erscheinen läßt. Nach kleineren Rollen, wie zum Beispiel in dem Thriller „Dream House“, darf Koteas hier einmal mehr von seinem Können zeigen. Auf äußerst schmierige Art und Weise spielt Koteas äußerst überzeugend den Antagonisten.

Fazit: „Defendor“ ist ein leiser, kleiner Film, der aber große Fragen aufwirft und es dem Zuseher überlässt, diese für sich selbst zu beantworten.

Summa sumarum bekommt Defendor 7/10 absolut heldenhafte Empfehlungspunkte.


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