Blue Jasmine (Filmkritik)

Nachdem ihr Ehemann Hal (Alec Baldwin) wegen Betrugs festgenommen und das gemeinsame Vermögen vom FBI beschlagnahmt wurde, sieht sich Vorzeigefrauchen Jasmine (Cate Blanchett) durch Cash-Flow-Probleme gezwungen, ihr luxuriöses Leben in Manhattan aufzugeben und nach San Fransisco in die Mietwohnung ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) zu ziehen. Am Rand eines Nervenzusammenbruchs wird sie nur mehr von einem umfangreichen Cocktail aus Antidepressiva aufrecht gehalten und ist am Ende ihrer Kräfte.

Um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, nimmt Jasmine nicht wirklich freiwillig eine Stelle als Ordinationsgehilfin an, nur um dort die sexuellen Avancen ihres Chefs Dr. Flicker (Michael Stuhlbarg) erdulden zu müssen. Natürlich schürt das alles in ihr den Gedanken, dass sie zu gut für ein solches Leben ist und als sie den erfolgreichen Diplomaten Dwight (Peter Sarsgaard) kennenlernt, sieht Jasmine ihr Ticket, dass sie zurück in ihr voriges Leben bringt, vor Augen. Doch kann sie Dwight nicht die Wahrheit über sich erzählen und greift so zu diversen Beschönigungen…

Blue-Jasmine

Mit „Blue Jasmine“ landet nun die neue Tragikomödie von Woody Allen auf der Leinwand. „Blue Jasmine“, eine Modernisierung von Tennessee Williams’ Bühnenstück „Endstation Sehnsucht“, in dem die Geschichte einer verarmten Aristokratin erzählt wird, die sich mit einem Ehemann herum schlagen muss, der dank seiner Arbeiter-Herkunft komplett unter ihrer Würde scheint. Allen gibt seiner Hauptdarstellerin Cate Blanchett hier die Möglichkeit, ihr nicht unbeachtliches Können unter Beweis zu stellen.

In vielen seiner Filme finden sich starke Frauen im Zentrum des Geschehens, wenngleich es gerade Anfangs sehr schwer gemacht wird, Jasmine auch nur irgendwie sympathisch zu finden. Als typisches Luxusweibchen ist sie das Zentrum ihres Universums, in dem sich alles nur um sie drehen muss. In der Auftaktsequenz stellt sie das unter Beweis, indem sie eine arme Frau mit jedem Detail ihres Lebens volltextet, bis diese förmlich flüchtet. Allen schafft es gut zu vermitteln, dass Jasmine zwischen zwei Welten fest hängt, da sie aus ihrer Welt der Reichen und Schönen verstoßen wurde und nun keine Wahl mehr hat, als in die Welt der Normalos zu flüchten, für die sie sich aber viel zu gut vorkommt.

Woody Allen (Match Point) zeigt in effektvollen Rückblenden den krassen Gegensatz zu Jasmines gegenwärtigen Zustand, am Rande eines Nervenzusammenbruchs trauert sie ihrem High-Society-Life der früheren Tage nach. Dennoch schafft Allen es nicht wirklich, der Thematik „Fish out of Water“ etwas komplett Neues zu entlocken und so bleibt der Film ebenso wie sein Hauptcharakter oberflächlich und plätschert meistens so dahin. Trotz allem fehlt sein leicht zynischer Schmäh nicht, wobei dieser vor allem durch das oft megapeinliche Verhalten von Jasmine zu Tage tritt, die so ziemlich jeden dem sie begegnet, unterschwellig fiese Beleidigungen vor den Bug knallt.

Blanchett (The Hobbit) als Jasmine ist der Fokus des Films und schultert diese Rolle mit Leichtigkeit. Auch ohne etwas zu sagen, schafft sie es durch ihre Mimik viel zu erzählen. Wenn sie das erste Mal die Wohnung ihrer Schwester sieht, sieht man die aufgesetzte fröhliche Miene langsam verschwinden, bis sie durch schiere Verzweiflung ersetzt wird. Wenn sie jammert, wie pleite sie nicht ist, nur um im nächsten Moment über die Unannehmlichkeiten ihres First-Class-Fluges zu jammern, würde man am liebsten selbst in die Leinwand greifen, um ihr eine Ohrfeige zu verpassen. Es scheint als ob ihre Fähigkeiten hauptsächlich aus Martini trinken und angeben bestehen. Das tragikomische ist aber, dass sie an ihrer jetzigen Situation selber schuld ist, da sie ihren Ehemann nach einer Affäre beim FBI für seine illegalen Machenschaften verpfiffen hat und so im Endeffekt ihr Leben im Alleingang ruiniert hat.

Ihre Schwester und einen würdigen Gegenpart zu Blanchett spielt die Britin Sally Hawkins (Happy-Go-Lucky). Sie versucht vergeblich, ihre Schwester in ihr Leben zu integrieren – was zu einigen mehr als peinlichen Situationen führt. Nachdem Jasmines Ehemann das Geld von Ginger und ihrem Ehemann bei seinen diversen Betrügereien verpulvert hat, fällt es ihr schwer ihrer hochnäsigen Schwester keinerlei Vorwürfe zu machen. Vor allem als man dann hört, dass sich Gingers Mann in einer Zelle erhängt hat, wundert man sich, wie sie die Gegenwart ihrer Schwester ertragen kann.

Alec Baldwin (Rock of Ages) als Ehemann von Jasmine war für mich eine wahre Überraschung. Mit welcher scheinbaren Leichtigkeit er das fremdgehende Schlitzohr spielt, ist wirklich beeindruckend. Auch in sonstigen Nebenrollen sind hochkarätige Schauspieler zu finden, so findet man unter anderem Komiker Louis C.K. in einer so gar nicht komischen Rolle. Peter Saarsgard (Green Lantern) und Bobby Cannavale spielen Love-Interests für das Geschwisterduo.

Fazit: „Blue Jasmine“ ist ein bitterböser Film, der mit der Scheinwelt der High-Society abrechnet und zeigt, dass Sein und Schein sehr weit auseinander liegen. Die beiden Leading-Ladies sind absolut gerechtfertigt für den Oscar nominiert und bei den Golden Globes hat Cate Blanchett für ihre Rolle als Jasmine bereits eine Statue nach Hause gebracht. Ich muss allerdings Blanchett Recht geben, die ganz salopp meinte, „Es ist eine Reise, aber nicht unbedingt eine fröhliche.“

Dieser Film bekommt von mir 7/10 scheinbaren Punkten.


Ein Gedanke zu „Blue Jasmine (Filmkritik)

  1. Hat mir sehr gut gefallen, quasi ein Finanzkrisenbeitrag durch die Hintertür. Der Oscar für Cate als beste Hauptdarstellerin ist echt überfällig, hoffentlich klappt’s diesmal 🙂

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