Getaway (Filmkritik)

Als der frühere Rennfahrer Brent Magna (Ethan Hawke) nach der Arbeit nach Hause kommt, ist die Wohnung völlig verwüstet und von seiner Ehefrau fehlt jede Spur. Sein Telefon läutet und eine Stimme (Jon Voight) meldet sich und droht ihm, dass er genauen Anweisungen folgen muss, wenn er seine Herzensdame jemals wieder sehen möchte. Brent stiehlt daraufhin auf Befehl ein Auto und düst damit in die Ungewissheit der Nacht hinaus.

Die kommenden Aufgaben verursachen nicht nur zahlreiche Unfälle und gefährden Menschenleben, sonder erregen auch die Aufmerksamkeit sämtlicher Polizisten der Stadt. Probleme hätte Brent also so schon mehr als genug, aber plötzlich springt auch noch eine bewaffnete junge Dame (Selena Gomez) ins Auto und behauptet, er hätte ihren Wagen gestohlen. Die Stimme verlangt daraufhin, dass die beiden von nun an zusammenarbeiten müssen und keiner das Auto verlassen darf. Eines ist klar: Das Rennen um das Leben von Brents Frau, hat gerade erst begonnen.

Getaway

Regisseur Courtney Solomon hat im Jahre 2000 mit „Dungeons & Dragons“ einen der schlechtesten Big-Budget Fantasystreifen gedreht (wäre wohl mal einen eigenen „Hass-Tiraden“ Beitrag wert), den ich jemals gesehen habe. Fünf Jahre durfte er über seinen Fehler nachdenken und lieferte dann mit „Der Fluch der Betsy Bell“ einen mittelmäßigen Geistergrusler ab. Acht Jahre später nun kommt seine dritter Film, diesmal hat er es mit einem Actionthriller ausprobiert, was ich voll verstehe, denn man muss schon wirklich in jedem Genre mal versagen um sicher zu sein, dass man es als Regisseur einfach nicht drauf hat. Immerhin, als Produzent des „After Dark“ Studios, hat er in letzter Zeit ein paar ganz ordentliche Actionfilmchen unterstützt (z.b.: „Universal Soldier: Day of Reckoning“ oder „Stash House„).

„Getaway“ nun hat bei seinen eher geringen Kosten von 18 Millionen Dollar, nur 10 Millionen wieder eingespielt. Warum? Nun eine Erklärung wäre, dass hier Speed über alles gestellt wird, sozusagen wieder mal ein Negativbeispiel für ein Produkt Marke „Style over Substance“. Wenn man aber an einem interessanten Plot, jeglicher Charakterentwicklung, intelligenten/sensiblen Dialogen und einer stimmigen Schnittfolge einfach vorbei rast, dann bleibt nicht mehr wirklich viel über, was für dieses Erlebnis sprechen würde.

Verfolgungsjagden und Crashszenen als wiederkehrende Motive können ja durchaus auch funktionieren und den geneigten Genrefan begeistern, doch ein Film muss auch auf anderen Ebenen überzeugen können (Fast an Furious 5 und 6 etwa zeigen, wie man es richtig macht). Wenn dann das gefühlte 100ste Polizeiauto durch einen mehr oder weniger spektakulären Unfall verschrottet wird, dann ist das nicht mehr cool, wie es vielleicht in einem „Need for Speed“ Spiel wäre, sondern geht eher nur mehr auf die Nerven.

Auch die inkohärente Bildfolge, erzeugt vor allem durch den storybedingten Einsatz von zahlreichen auf und in dem Auto angebrachten Überwachungskameras und den wiederholten Schnitt auf eben solche, sollen vielleicht das Chaos vermitteln und mitten in die Action ziehen, haben mich aber auf seltsame Weise von dem Geschehen getrennt und so habe ich mich noch weniger von den Ereignissen betroffen gefühlt. Grundsätzlich wäre die passende Technik hier durchaus vorhanden, doch wie sie eingesetzt wird, ist doch einigermaßen offensichtliche Verschwendung von Potential.

Ethan Hawke („The Purge„, „Daybreakers„) ist grundsätzlich ein toller Schauspieler. Außer angestrengt zu schauen und dazwischen Anflüge von Verzweiflung aufblitzen zu lassen, tut er hier aber nicht viel. Ist jedoch nicht seine Schuld, hätte wohl keiner aus dieser Rolle mehr rausholen können. Selena Gomez (Spring Breakers) ist einerseits trotzig und hysterisch, anderseits dann wieder altklug und scheinbar eine kleine Computerexpertin. Das hin und her ihrer Antiheldin hab ich ihr einfach nicht abgenommen und obwohl sie mich als Darstellerin nicht so überzeugt hat, liegt dies wieder an der Dummheit, wie ihre Figur geschrieben wurde. Einzig Jon Voight (Das Gesetz der Ehre) kann nur mit seiner Stimme das Überlegene und Böse seines Antagonisten gekonnt vermitteln.

Insgesamt also ein langweiliger Film, der eigentlich nur aus Verfolgungsjagden und Crashszenen besteht, darum auch zu lange dauert und bei dem man nie Angst um die Hauptfiguren hat. Einerseits weil man als Zuschauer nie einen Bezug zu ihnen aufbauen kann, anderseits auch deswegen, weil man den Verantwortlichen einfach nicht zutraut, dass sie einen ihrer Helden sterben lassen. Ein hirnloser Spass (typisch Raser eben) für Zwischendurch, der zwar nicht ärgert, doch schon wieder vergessen ist, bevor Ethan Hawke auch nur dazu kommt, das Gaspedal durch zu treten.

„Getaway“ bekommt von mir 5/10 das Gehirn durch zahlreiche Unfälle etwas zu oft durch geschüttelte Empfehlungspunkte.


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