Daybreakers (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 2019. Nichts ist mehr so wie es war. Die Sonne scheint strahlend hell, doch auf den Straßen ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Als die Sonne verschwindet erwacht die vorher verlassen scheinende Stadt zum Leben. Der Grund – ein Virus transformierte 95% der Erdbevölkerung in blutsaugende Vampire. Das Problem an der Sache: mit immer weniger werdenden Menschen sinken auch die Blutvorräte der Blutbanken. Diese Blutknappheit zeigt schon ihre ersten unschönen Folgen. Vormals friedliche Vampire werden zu Monstern, zu sogenannten „Subsiders“. Sie verlieren jegliche Menschlichkeit. Um diesem rasch wachsenden Problem Herr zu werden, versucht Chef-Haematologe Edward (Ethan Hawke) verzweifelt und unter großem Zeitdruck einen funktionierenden Blutersatz zu erschaffen. Ihm sitzt sein Boss Charles Bromley (Sam Neill) im Nacken, der aber im Hintergrund seine eigenen Interessen vertritt.

Daybreakers

Vampire – sie sind überall. Derzeit müssen wir eine wahre Dauerbombardierung über uns ergehen lassen. Wobei die meisten Serien und Filme wie „Twilight“, „Vampire Diaries“ und „True Blood“ die Sache von der romantischen Seite angehen. Meist geht es um eine Sterbliche, die sich in einen Vampir verliebt, ohne anfangs etwas von seiner wahren Identität zu wissen. Ach welches Drama! Für diesen Film kann ich eindeutig Entwarnung geben. Kein Liebesgesülze – das ist doch einmal eine sehr schöne und in diesem Fall auch gelungene Abwechslung.

Die Handlung folgt Ethan Hawke (Taking Lives) als Edward Dalton, der von seinem eigenen Bruder wider seinen Willen verwandelt wurde. Er hasst den Gedanken menschliches Blut zu trinken und ist daher auf dem besten Weg selbst zu einem Subsider zu werden. Als er von William Dafoe (Spiderman) als Elvis hört, ein Vampir, der durch Zufall wieder zum Menschen wurde, ist er sofort fasziniert und willigt ein, ihm und seinen Freunden zu helfen. Ethan Hawke macht seine Sache wirklich gut. Nachdem ich ihn schon seit langer Zeit nicht mehr im Kino oder gar in einem Blockbuster gesehen habe, war ich schon mehr als nur ein wenig gespannt. Und er hat mich nicht enttäuscht. Er strahlte die Unglücklichkeit richtig aus und lebte im Lauf der Filmes förmlich auf. Die Aussicht darauf, wieder ein Mensch zu werden, ist wie ein Rettungsanker für ihn, an den er sich verzweifelt klammert.

Auch Sam Neill (Event Horizon) habe ich schon seit langer Zeit nicht mehr in einer guten Rolle gesehen. Hier spielt er den Besitzer einer Blutfarm. Ein richtig gruseliger Kerl. Die Menschen werden paralysiert und an ein Zapfsystem angeschlossen, dass ihnen kontinuierlich Blut abnimmt. Ich fühlte mich unangenehm an die Menschenfarmen aus dem Film „Matrix“ erinnert. Da bekam ich doch glatt eine Gänsehaut. Er ist einer der Schauspieler, die problemlos Gute und Böse spielen können.

Spätestens als er die Order gibt, seine bis dato noch menschliche Tochter, sozusagen sein letzter Anker in der Menschlichkeit, gegen deren Willen zu wandeln, sieht man die Profitgier und den Wahnsinn in seinen bernsteinfarbenen Augen aufblitzen. William Dafoe spielte den Ehemals-Vampir Elvis, der durch Zufall geheilt wurde. Charismatisch wie eh und je hat er eine wahnsinnige Leinwandpräsenz. Er liefert definitiv eine der besten Performances in diesem Film ab.

Was weiters definitv für diesen Film spricht, ist die wirklich geile Optik. Alles wirkt gut durchdacht und man hat das Gefühl, dass eine Welt ohne Leben bei Tageslicht wirklich so aussehen würde. Die Filmemacher holten sich hier Hilfe von den schlauen und talentierten Hirnen auf der Seite „worth1000.com“. Und das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen. In der Nacht besteht die Welt eigentlich fast nur aus Grautönen und die einzigen Farbtupfer die man immer mal wieder sieht, sei es in einem Newsbanner oder sonst wo, sind natürlich rot.

Was ich weiters genial fand, war die Idee, dass die Subsiders durch den Blutmangel in ihrem äußeren Erscheinen immer mehr den stilisierten Bildern des typischen Vampirs glichen. Da wachsen ihnen lange Ohren und aus den Händen bilden sich rudimentäre Fledermausflügel. Natürlich dürfen auch zahlreiche Splattereinlagen nicht fehlen und so werden in der Schlußszene wohl etliche Eimer Kunstblut verprasst. Ansonsten sieht man schon mal Köpfe rollen, Blutfontänen, aus nächster Nähe Vampire explodieren oder einfach mal wie jemanden der Torso aufgeschlitzt wurde.

Es wird auch das Thema der Menschen bzw. Vampire zweiter Klasse aufgeworfen. Menschen sind inzwischen zu Freiwild geworden und werden erbarmungslos gejagt, geschossen wird nur mit Betäubungsmunition, man will ja kein kostbares Blut verschwenden. Danach werden die Menschen in Blutfarmen gebracht, wo sie betäubt werden und an ein Schlauchsystem angeschlossen werden, dass ihnen konstant Blut abzapft – mich hat das wie bereits erwähnt mit Schaudern ein wenig an Matrix erinnert. Ungefähr gleich weit unten im sozialen Gefüge sind die Subsiders, eigentlich arme Ex-Menschen, die sich bei den steigenden Preisen einfach kein Blut mehr leisten können und so in Richtung Abgrund gleiten. Sie werden als Abschaum betrachtet und im Endeffekt kurzerhand ohne viel Federlesen einfach exekutiert.

Für 22 Millionen könnte nicht jeder einen gut aussehenden Film abliefern, aber das regieführende Brüder-Duo Michael und Peter Spierig machte seine Sache hier wirklich gut.

Der Film bekommt von mir 7,5/10 blutarme Empfehlungspunkte.


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