Bel Ami (Filmkritik)

Man schreibt Paris im Jahre 1980. Der mittellose ehemalige Soldat Georges Duroy lebt sehr bescheiden, zu seinem Leidwesen muss er sich als kleiner Angestellter durchschlagen um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Als er auf einen ehemaligen Kriegskollegen Charles Forestier (Philip Glenister) trifft, ändert sich sein Leben schlagartig. Forestier ermöglich ihm Anschluss an die Upper Class zu finden, führt ihn in die feine Gesellschaft ein und verschafft ihm einen gut bezahlten Job bei der Zeitung „La Vie Française“. Doch schnell bemerkt George, dass die Frauen hinter den mächtigen Pariser Männer fast genauso mächtig sind wie ihre Ehemänner. So beginnt er eine Affäre mit der verheirateten Clotilde (Christina Ricci), die ihm einen gehobenen Lebensstil ermöglicht. Als der Forestier verstirbt heiratet er dessen Witwe Madeleine (Uma Thurman), hat aber nebenbei noch Affären mit der bedeutend älteren Virginie (Kristin Scott Thomas) und Clotilde. So steigt George die gesellschaftliche Leiter empor und entwickelt sich zu einem charakterlosen Größenwahnsinnigen.

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„Bel Ami“ ist ursprünglich ein 1885 erschienener Roman von Guy de Maupassant und beschreibt den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg eines Habenichts mit großen Ambitionen. Es ist ein Gesellschaftsportrait, das wohl bis heute noch nicht an Aktualität verloren hat. Intrigen um an die Spitze zu kommen, um jeden Preis seine Ziele zu erreichen trifft man auch heute noch an. Doch statt die Relevanz für die Gegenwart zu zeigen und Parallelen zu heutigen Zeit aufzuzeigen, beschränken sich die britischen Regie-Neulinge Declan Donnellan und Nick Ormerod darauf, den französischen Klassiker als Kostümfilm mit Schauspielern zu verfilmen, denen es an Chemie und auch an Motivation zu mangeln scheint. Oft hat man auch das Gefühl als Zuseher fehlt einem ein Puzzlestück, was die oft sprunghafte Handlung von Bel Ami erklärt, wahrscheinlich weil Teile der Handlung gestrichen wurden die die Beweggründe der Charaktere erklären und begründen. Meines Erachtens kam das Ende viel zu abrupt, wenngleich ich nicht weiß, wie das Buch endet

Der Film leidet unter allerhand Kinderkrankheiten und hat mit Robert Pattinson einen Hauptdarsteller, der es nicht schafft, George Duroy, der den Spitznamen „Bel Ami“ trägt, überzeugend darzustellen, was auch daran liegen könnte, dass der Gute über in etwa 2 Gesichtsausdrücke verfügt (etwas das er mit seiner Ex Kristen Stewart gemeinsam hat). Duroy wirkt blass und auch wenn Pattinson versucht ihm ein wenig Charme einzuhauchen, ist es kaum nachzuvollziehen, was seine zahlreichen Affären an dem wenig sympathisch wirkenden Taugenichts finden und warum sie sich von ihm so offensichtlich bereitwillig ausnutzen lassen.

Seine Affären wirken allesamt wie Witzfiguren, einzig Uma Thurman als Madeleine verköpert das Bild einer starken emanzipierten Frau, die dennoch von den Restriktionen der damaligen Zeit in den Hintergrund gezwungen wird und im Schatten ihrer Männer leben muss, obwohl sie ihnen vom Intellekt her klar überlegen ist. Kristin Scott Thomas wirkt als liebestolle Virginie wenig glaubhaft und man kann als Zuseher nicht umhin sich darüber zu wundern, warum diese gestandene Frau wie ein liebestoller Teenie für George schwärmt. Overacting dein Name ist Kristin Scott Thomas, zumindest in diesem Film. Christina Ricci liefert eine solide Performance als Clotilde ab.

Fazit: Ein Film der seinem ursprünglichen Material nicht wirklich gerecht wird und sich so deutlich unter Wert verkauft. Unmotivierte Schauspieler und ein lückenhaftes Drehbuch sind eben nicht die Beste Kombination.

Der Film bekommt von mir 4/10 wenig gelungene Empfehlungspunkte.


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