Primal (Filmkritik)

Anja und vier ihrer Freunde begleiten den Anthropologie-Studenten Dace in ein abgelegenes, australisches Waldgebiet, in dem sich an uralten Steinhöhlen längst vergessene Wandmalereien befinden sollen. Nach kurzer Suche werden die jungen Leute auch gleich fündig und feiern ihre Entdeckung ausgelassen. Nach einem Bad im örtlichen Teich, bekommt eine von ihnen jedoch starkes Fieber und die Gruppe entschliesst sich, ihrer Gesundheit wegen am nächsten Tag wieder abzureisen.

Als die kranke Dame am nächsten Morgen ihr Zelt verlässt, ist sie plötzlich völlig verändert. Sie schreit und faucht ohne noch sprechen zu können, hat spitze Zähne und fällt ihre Freunde an, wie ein wildgewordenes Raubtier. Schnell wird klar, dass es an ihr kein Vorbei geben wird. Entweder sie muss gefangen werden, oder gleich getötet. Die Chancen einer Flucht schwinden jedoch ständig, denn erstens zeigt ein zweiter Typ der Truppe erste Anzeichen einer Veränderung und zweitens entpuppt sich der rettende Weg durch eine Höhle als Ursprung der gesamten unerklärlichen Vorgänge in dieser Gegend. Anthropolgie war noch nie tödlicher!

Primal

Nach dem doch ziemlich eigenständigen „Tomorrow, When the War began“ Erlebnis war es wieder mal Zeit, das weltweit und auch bei uns stark vernachlässigte, australische Filmgut zu begutachten. Einen klar erkennbaren Stil haben die filmischen Ausflüge aus diesem schönen Lande für mich zwar noch nicht entwickelt, doch ein eindeutiger Vorteil besonders bei Horrorfilmen ist hier im Vergleich zu amerikanischen Produktionen klar zu erkennen: die Schauspieler sind unverbraucht und voll bei der Sache, die Inszenierung ist frisch und die Story nimmt sich so weit wie möglich richtig ernst.

Was natürlich angesichts einer Handlung, die in ihrem Höhepunkt auf ein uraltes in einer Höhle wohnendes Wurmwesen zusteuert, dass sich von tierischen und menschlichen Körpern ernährt und Frauen mit kleinen Tentakelmonstern schwängert, doch einen gewissen Grad an mutiger Selbstsicherheit vom Regisseur verlangt. Ich meine in Japan wäre so ein Film sicherlich zu einer ziemlich komisch-trashigen Spaßsplattergranate mutiert, doch hier wirkt alles ziemlich realistisch und erst in der Auflösung wird der Fantasyanteil eindeutig stärker hervorgehoben.

Hier passen einfach einige Dinge sehr gut zusammen. Erstens mal die Darsteller. Allesamt glaubhaft und spielfreudig bei der Sache, fast so als müssten sie sich erst mal in der rauen Filmwelt da draußen beweisen. Die Schlampe inklusive dauernd eifersüchtigem Freund, der fesche Student plus die ihn anhimmelnde schüchterne Dame und die an Klaustrophobie leidende Heldin des Filmes, mit dem miesen Männergeschmack und dem netten Losertypen als ihren besten Freund an ihrer Seite. Alle toll besetzt und sogar weniger klischeehaft bzw. klar schwarz oder weiß, als man zunächst annehmen könnte.

Optisch können neben den wunderschönen Naturaufnahmen vor allem die Actionszenen überzeugen, in denen in den meisten Fällen die Infizierte ihre ehemaligen Freunde attackiert und das am Besten gleich mehrere Male. Diese Szenen kommen dynamisch daher und entfalten eine ziemlich animalische Wirkung, die Wucht der Sprünge und Schläge wird so beinahe für den Zuschauer spürbar. Schlau sind auch die Schnitte gewählt, die die gewaltigen Angriffssprünge öfters aus der Ich-Perspektive zeigen und beim Aufprall im richtigen Moment einen Schnitt vollführen. Sieht doch gleich echter aus so.

Was die blutigen Szenen betrifft wurde nie übertrieben, es gibt zwar einige hässliche Bisswunden, verlorene Finger und einen zerplatzten Kopf, doch passt alles perfekt in die Handlung und die Gewalt verkommt nie zum Selbstzweck. Insgesamt ist dies aber doch ein ziemlich harter Survivalthriller geworden, der es dank der permanent vorhandenen Spannung immer wieder schafft, dass man Szenen – in denen man eh schon genau weiß wie es nun weitergehen muss – trotzdem doch gerne sehen möchte. Das wurmartige Tentakelvieh am Ende hätte zwar sicherlich nicht unbedingt sein müssen, doch überwiegen hier eindeutig die positiven Eindrücke dank der spürbaren unvorbelasteten Herangehensweise des gesamten Teams.

Primal bekommt von mir 7/10 tierisch wilde Empfehlungspunkte.


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