Black Box (2026 Filmkritik)

Jeremy bordet den Flug 298 und es geht ihm nicht gut. Aber das ist nur eine Randnotiz, denn tatsächlich geht es einem anderen Mann viel schlechter. Er verkriecht sich am WC und kommt quasi nicht mehr raus. Als die kleine Chloe (Molly Belle Wright) aufs WC muss, wird er darauf hingewiesen, dass es Zeit ist, die Toilette zu verlassen.

Er kommt aus der Toilette und blickt aus dem Fenster – dann tickt er aus, ruft, dass sie alle sterben werden und will sogar ins Cockpit einbrechen. Dann wird er überwältigt, aber er beginnt aus so ziemlich allen Körperöffnungen zu bluten.

Kurz darauf blutet Chloe aus dem Ohr. Und Jeremy ebenfalls. Außerdem sieht er draußen in den Wolken bunte Lichter. Niemand anderer sieht sie – außer Chloe.

Was geht hier vor?

Es ist schon eine Weile her, seitdem ich einen Film gesehen habe, der in einem Flugzeug spielt. Und ich meine ausschließlich. Also dachte ich mir, klingt „Black Box“ doch ganz in Ordnung.

Geschrieben hat den Film Stephen Susco, der auch das Remake von „The Grudge“ geschrieben hat oder „Unknown User 2: Dark Web“). Die Regie hat Steven Quale übernommen, der zum Beispiel „Final Destination 5“ inszeniert hat. Also zwei Leute, die ein wenig Ahnung haben.

Und das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht. Ich meine, die Frage, was da an Bord vorgeht ist durch den Poster und die Tentakel darauf ja doch schon beantwortet, also ist das auch kein Spoiler. Die Frage ist halt: Bilden sich manche Leute an Bord das nur ein oder passiert das alles wirklich? Nun, das verrate ich euch nicht.

Anfangs war ich extrem skeptisch, denn der Film ist relativ flott geschnitten und verbindet die Beobachter-Perspektive mit Handheld-Kamera-Aufnahmen, denn es gibt natürlich auch genug Leute an Bord, die Influencer sind oder einfach gern Dinge filmen.

Die schauspielerischen Leistungen sind absolut in Ordnung und alle bringen eine gute Leistung. Tom Brittney als Jeremy ist ein sympathischer und netter Charakter, dem man gerne folgt und dem man viel Glück wünscht. Auch wenn der Drehbuchautor den ältesten Trick der Welt zückt, damit es so ist: Es gibt ein kleines Mädchen an Bord, welches von einem Typen unfair behandelt wird und er stellt sich auf ihre Seite und kümmert sich nett um sie. Wer kann den Mann bitte nicht mögen?

Das dachte sich auch der Drehbuchautor, weshalb Emma – eine der Stewardessen – natürlich auch sofort vertrauen zum ihm hat und diesen gewissen „wären wir jetzt beide allein Blick“ aufsetzt, wann immer sie ihn sieht. Später merkt man dann auch noch, dass er Arzt ist bzw. war bzw. so was ähnliches – und dann ist ohnehin alles klar.

Denkt man.

Denn das hier ist keine Love-Story und der Film ist ein richtiger Slowburner. Die Anzeichen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen abläuft verdichten sich. Es ist aber nie klar, ist es ein Virus? Ist es Paranoia? Oder ist es ein Versuch des Militärs? Sind es Außerirdische? Was geht hier vor?

Und wenn dann nach über eine Stunde klar ist, was los ist, dann sieht das Ganze noch dazu wirklich gut aus. Und die letzte halbe Stunde vergeht rasch. Ja, hier arbeitet man dann klare Klischees ab, aber sie funktionieren – großteils, weil man die Figuren mag.

Auch cool: Es gibt einige Szenen im Film, die ich in der Form noch in keinem „Spielt nur in einem Flugzeug“-Film gesehen habe. Die Optik, die Perspektiven – alles funktioniert wirklich gut und erzeugt Spannung. Im Vergleich zu der Skepsis, die ich anfangs verspürte, merkte ich gegen Ende, dass der Film mich für sich gewonnen hatte.

Das Ende ist … böse. Bitter. Gemein. Wie immer man es dann sehen mag, aber es ist auf jeden Fall passend für den Film und wenn dann der Abspann einsetzt, dann musste ich doch ein wenig grinsen. Das ist Schritt für Schritt und absolut nachvollziehbar eskaliert und hat mich wirklich reingeholt in den Film.

Fand ich gut.

Müsste ich den Film in einem Satz zusammenfassen: „The Mist“ von King in einem Flugzeug. Natürlich nicht ganz so gut. Aber trotzdem sehenswert.

„Black Box“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, aus wenigen Mitteln viel machendes, Punkte.


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